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Steuern bei Wochenaufenthalt in Deutschland und Hauptwohnsitz in der Schweiz


| 04.02.2018 17:02 |
Preis: 63,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Ich bin Deutscher und lebe seit 20 Jahren in der Schweiz. Seit 2011 habe ich auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Ich habe nun ein Stellenangebot mit Arbeitsort entweder in NRW oder Berlin (steht noch nicht fest). Tägliches Pendeln ist daher nicht realistisch. Es ist vorgesehen, dass ich Montag morgens nach Deutschland fliege und am Donnerstag abends wieder zurück in die Schweiz. Freitag ist dann Homeofficetag. In Deutschland würde ich ein Zimmer mieten. Meine eigentliche Wohnung bliebe in der Schweiz.

Frage 1: Wie und wo (D oder CH) wird unter den geschilderten Gegebenheiten mein Arbeitseinkommen und mein Einkommen aus Kapitalerträgen (Kursgewinne und Dividenden) besteuert?

Frage 2: Angenommen mit Seuersitz bleibt in der Schweiz (was für mich zwingend ist): Wie viele Wochenenden könnte ich auch in Deutschland bleiben ohne diesen Status zu gefährden?
04.02.2018 | 17:43

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Da Sie sich Ihrem Vortrag nach in Deutschland eine Wohnung nehmen werden und in dieser 4 Tage die Woche (denkbar also bis zu 208 Tage) verbleiben werden, wären Sie nach §§ 8,9 AO und dem dazu gehörigen Anwendungserlass auf jeden Fall in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Dort wäre grundsätzlich also Ihr Welteinkommen zu versteuern.

Da Sie aber auch eine Wohnung in der Schweiz unterhalten werden und, hiervon gehe ich einmal aus, die größeren sozialen Bindungen in der Schweiz haben, wird man nach Art. 4 des DBA eine Ansässigkeit in der Schweiz annehmen können.

Das DBA weist in Art. 15 Abs. 1 DBA Deutschland ein Besteuerungsrecht der Arbeitseinkünfte in Deutschland zu. Da Sie nicht aus der Schweiz entsendet werden und auch kein Grenzgänger i.S.d. Art. 15a DBA sein werden, wäre ein Besteuerung auch nur in Deutschland denkbar.

Aus Art. 24 Abs. 2 Nr. 1 DBA wird die Schweiz das deutsche Gehalt von der Besteuerung ausnehmen. Hier droht allenfalls, dass die Einkünfte zur Ermittlung eines höheren Steuersatzes in der Schweiz eingezogen werden (Progression). Nochmals Steuern ist aber auf das Gehalt nicht zu bezahlen.

2. Sie sollten auf jeden Fall weniger als 183 Tage im Jahr in Deutschland verbringen. Aufgrund der Wohnung in Deutschland werden Sie aber von der deutschen Finanzverwaltung zwingend als in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig eingestuft. Dies wäre nur zu ändern, wenn Sie stets in einem Hotel in Deutschland übernachten würden.

Da Sie bereits mit den Arbeitstage auf über 200 Tage in Deutschland kommen, wäre von jeder weitere Verbleib übers Wochenende in Deutschland abzuraten.

Solange Sie weitere engere persönliche und wirtschaftliche Verbindungen in die Schweiz unterhalten, werden Sie nach dem DBA dort ansässig bleiben. Je nach Einkommen wäre dann immer mittels DBA zu prüfen, ob hier Deutschland oder die Schweiz oder beide ein Besteuerungsrecht haben und wie gezahlte Steuern gegenseitig anerkannt werden.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Alexander Park, LL.B.

Nachfrage vom Fragesteller 04.02.2018 | 18:09

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Arbeitstage wären: (52 Wochen/Jahr minus 6 Wochen Urlaub) x 4 Arbeitstage/Woche = 184 Tage. Damit wäre ich dann ja schon über 183 Tage in Deutschland. Spielt es dann überhaupt noch eine Rolle, wenn es noch mehr Tage in D werden? D.h. mein Welteinkommen wäre ohnehin in D zu versteuern. Umfasst das auch Einkünfte aus Wertpapieren (Kurststeigerung und Dividende)? Das ist noch ein wichtiger Punkt, da Kursgewinne in der Schweiz steuerfrei sind. Falls auch diese Kapitalerträge in D zu versteuern sind: Was spielt dann ggf. die Ansässigkeit in der Schweiz steuerlich noch für eine Rolle?


Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.02.2018 | 18:25

Gerne beantworte ich auch Ihre Nachfrage.

Da haben Sie Recht, Sie werden auf jeden Fall als unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland angesehen, Sie müssen also die Extra-Tage nicht mehr sehr genau zählen, das spielt keine Rolle.

Wichtig wäre es allenfalls, um die wirtschaftliche und persönliche Bindung an die Schweiz nicht zu verlieren, sonst wird man Sie auch in Deutschland für ansässig erklären müssen. Sie sollten also nicht Ihre gesamte Zeit in Deutschland verbringen.

Dividenden werden in Art. 10 DBA behandelt. Dividenden schweizerische Unternehmen an Sie sind auch nur in der Schweiz zu versteuern. Dividenden nichtschweizerischer Firmen werden, wie auch in Deutschland, meist pauschal besteuert.

Darüber hinaus wäre der Gewinn aus der Veräußerung von Aktien aus Art. 13 Abs. 3 DBA für Sie nur in der Schweiz steuerbar. Die Ausnahme hiervon in Art. 13 Abs. 4 DBA trifft auf Sie nicht zu.

Aus meiner Sicht wären hierdurch keine Einkünfte aus Kapitalvermögen in Deutschland gegeben.

Mit freundlichen Grüßen

Alex Park

Bewertung des Fragestellers 04.02.2018 | 19:22


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"Es ist sicherlich eine sehr komplexe Sache, die sich in diesem Rahmen hier vermutlich nicht abschliessend klären lässt. Ich frage mich allerdings, ob die Kursgewinne und Dividenden von Aktien gemäss DBA Art. 4 Ziffer (3) nicht doch in D versteuert werden müssen und in der Schweiz gezahlte Steuern darauf nur angerechnet werden. "
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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 04.02.2018
3,6/5.0

Es ist sicherlich eine sehr komplexe Sache, die sich in diesem Rahmen hier vermutlich nicht abschliessend klären lässt. Ich frage mich allerdings, ob die Kursgewinne und Dividenden von Aktien gemäss DBA Art. 4 Ziffer (3) nicht doch in D versteuert werden müssen und in der Schweiz gezahlte Steuern darauf nur angerechnet werden.


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