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Wenn ein Kind zu Lebzeiten der Eltern Geldzuwendungen bekommen hat, erbt das zweite Kind dann mehr?

16.09.2005 16:33 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


Folgende Situation:Eltern leihen einem Kind über ein Hypothekendarlehen des Elternhauses einen sehr hohen Betrag zu einer Geschäftseröffnung.Haus muss infolge Insolvenz des Geschäftes unter Wert verkauft werden,so dass für zweites Kind nichts mehr da ist.Wie sieht es nach dem Tod der Eltern aus,sollte doch noch Barvermögen da sein?
16.09.2005 | 18:03

Antwort

von


(571)
Gerner Str. 17
80638 München
Tel: 089/30758845
E-Mail:

Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

Ihre Rechtsfrage beantworte ich anhand der von Ihnen übermittelten Informationen - wobei ich unterstelle, dass außer den beiden Kindern keine gesetzlichen und dass auch keine testamentarischen Erben vorhanden sind - wie folgt:

Grundsätzlich erben natürlich beide Kinder nach dem Tod des zuletzt versterbenden Elternteils jeweils die Hälfte des dann noch vorhandenen Vermögens.

Allerdings steht hier dem zweiten Kind gegenüber dem ersten Kind wegen der Geldzuwendung durch die Eltern möglicherweise zusätzlich ein Pflichtteilsergänzungsanspruch aus § 2325 Abs. 1 BGB zu.

Letzteres ist aber nur insoweit der Fall, als die Überlassung des (geliehenen) Geldes unentgeltlich erfolgt ist. Dies wäre hier nur dann gegeben, wenn das Darlehen zinslos gewährt worden ist. (Normalfall ist nach § 2325 BGB nämlich die Schenkung.)
Das zweite Kind könnte dann ein Viertel des Betrages verlangen, um den sich der Nachlass rechnerisch erhöht, wenn man die Ersparnis des ersten Kindes hinzuzählt, die sich aus der Zinslosigkeit des Darlehens ergibt.
Es müsste dann im Rahmen der Erbauseinandersetzung eine nicht ganz einfache Bewertung der Differenz zwischen zinslosem Darlehen und einem vergleichbaren zu üblichen Bedingungen gewährten Darlehen vorgenommen werden.

Der Pflichtteilsergänzungsanspruch ist hier entsprechend § 2325 Abs. 3 BGB ausgeschlossen, wenn seit der Befreiung des ersten Kindes von der Zinszahlungspflicht bis zum Erbfall zehn Jahre verstrichen sind.

Außerdem kann das erste Kind seine Haftung auf die Höhe des Nachlasses beschränken, was dann Sinn macht, wenn der Betrag von ¼ der Zinsersparnis das tatsächlich vorhandene Nachlassvermögen übersteigt.


Leider kann ich Ihnen keine günstigere Auskunft geben, hoffe aber dennoch, Ihnen damit weitergeholfen zu haben.

Selbstverständlich stehe ich Ihnen im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion von „frag-einen-anwalt.de“ für Rückfragen zum inhaltlichen Verständnis meiner Antwort zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen


Wolfram Geyer
Rechtsanwalt


ANTWORT VON

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