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Fahrtenbuch


| 13.01.2007 16:37 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Die allgemeinen Anforderungen eines Fahrtenbuches sind mir bekannt und brauchen nicht dargelegt zu werden.

Bzgl. der Privatfahrten verlangt mein Finanzamt von mir jede einzelne Fahrt explizit mit Zieladresse und Zeitangaben wie bei Dienstfahrten anzugeben. D.h. bei Fahrten zum Einkaufen soll ich die Hinfahrt und die Rückfahrt einzeln erfassen! Nach Vorgabe des BFM (IV A 6 - S 2177 - 1/02 v. 21.01.02 (Pkt. 24) "genügen nur die Kilometerangaben".

Ich bin freiberuflich tätig und fahre teilweise längere Zeitabschnitte (Wochen) überhaupt nicht beruflich. Inwiefern kann ich diese Fahrten zusammenfassen (täglich oder wöchentlich) und inwiefern ist dies Auslegungssache jedes einzelnen Finanzamtes.

Vielen Dank für Ihre kurze Antwort.
Sehr geehrter Ratsuchender,

die von Ihnen aufgeworfene Frage beantworte ich Ihnen wie folgt:

Das Fahrtenbuch dient dem Zweck, das Verhältnis der privaten Fahrten zu den übrigen Fahrten nachzuweisen. Es handelt sich um einen Eigenbeleg des Fahrzeugführers, über die mit dem Fahrzeug unternommenen Fahrten Rechenschaft abzulegen. Dazu muss es "ordnungsgemäß" geführt werden. Wann nun genau ein Fahrtenbuch "ordnungsgemäß" ist, ist im Gesetz nicht geregelt. Doch Finanzverwaltung und Rechtsprechung haben dazu ziemlich strenge Regeln aufgestellt.

Das Fahrtenbuch sollte - nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs - eine übersichtliche äußere Form aufweisen und hierzu in buchförmiger Gestalt vorliegen. "Die Aufzeichnungen müssen in einer gebundenen oder jedenfalls in einer in sich geschlossenen Form festgehalten werden, die nachträgliche Einfügungen oder Veränderungen ausschließt oder zumindest als solche erkennbar werden lässt. Eine lose Ansammlung einzelner Daten ohne äußeren Zusammenhang kann daher schon in begrifflicher Hinsicht kein Fahrtenbuch sein" (BFH-Urteil vom 16.11.2005, BStBl. 2006 II S. 410).

Da für dienstliche bzw. betriebliche Fahrten kein Nutzungswert versteuert wird, müssen diese Fahrten ganz besonders penibel notiert werden (BFH-Urteil vom 16.3.2006, BStBl. 2006 II S. 625). Für jede einzelne berufliche Fahrt sind einzutragen:

- Datum,

- Reiseziel,

- Reisezweck: aufgesuchte Kunden oder Geschäftspartner bzw. dienstliche Verrichtung (z. B. Besuch einer Behörde, Filiale, Baustelle),

- Gesamtkilometer bei Abschluss der Fahrt,

- Reiseroute nur bei Umwegen.

Im Fahrtenbuch müssen sämtliche Fahrten vollständig und lückenlos dokumentiert werden. Daher muss jede einzelne Fahrt eingetragen werden - getrennt nach dienstlichem bzw. geschäftlichem und privatem Zweck.

- Tragen Sie sämtliche Fahrten jeweils getrennt ein: Dienstliche bzw. geschäftliche Fahrten, Privatfahrten und Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bzw. Betrieb.

- Geben Sie für dienstliche bzw. geschäftliche Fahrten an: Datum, Reiseziel, Reisezweck, Gesamtkilometer bei Abschluss der Fahrt.

- Für Privatfahrten brauchen Sie nur die gefahrenen Kilometer einzutragen.

- Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bzw. Betrieb genügt ein kurzer Vermerk. Das gilt auch für Heimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung

Es empfiehlt sich, für dienstliche Fahrten in das Fahrtenbuch auch die Abfahrts- und Rückkehrzeiten einzutragen. Die dazwischen liegende Abwesenheitsdauer benötigen Sie zur Abrechnung der Verpflegungspauschbeträge. Ein ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch mit Angabe dieser Zeiten ist als belegmäßiger Nachweis für die Verpflegungspauschbeträge ausreichend (Hessisches FG vom 16.11.1989, EFG 1990 S. 164, vom BFH bestätigt). Zusätzlich sollten Sie - der Vollständigkeit wegen - auch Ihre Übernachtungs- und Reisenebenkosten bei Bedarf in das Fahrtenbuch eintragen.

Erfüllt Ihr Fahrtenbuch auch nur eine der genannten Anforderungen an ein "ordnungsgemäßes" Fahrtenbuch nicht, kann das Finanzamt das Fahrtenbuch verwerfen - und es kommt zwingend die 1 %-Regelung zur Anwendung. Also wird bei Arbeitnehmern der private Nutzungswert nach der 1 %-Pauschalmethode versteuert und bei Selbstständigen die Privatentnahme mit diesem Wert angesetzt.

Die Finanzämter/Finanzbeamten haben im Rahmen ihrer Amtspflichten einen entsprechenden Spielraum, inwieweit sie die Eintragung im Fahrtenbuch anerkennen und diese halten sich in der Regel an die Vorgaben des Bundesfinanzhofs und der Bundesfinanzverwaltung.


Ich hoffe, dass Ihre Fragen in meinen Ausführungen zufriedenstellend beantwortet wurden und Ihnen eine erste Orientierung gegeben werden konnte.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen



Klaus Walden

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