Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Arbeitsvertrag: Kündigung vor Arbeitsbegin, da Arbeitsplatz plötzlich 300km entfernt

20.08.2012 12:37 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Uwe Lange


Sehr geehrte Damen und Herren,

folgende Situation liegt vor:
Ich habe am 03.07.2012 einen neuen Vertrag als Abteilungsleiter (start 01.09.2012) unterschrieben und daraufhin mein aktuelles, unbefristetes Arbeitsverhältnis fristgerecht zum 31.08.2012 gekündigt.
Das Unternehmen ist ein Start-Up und ist aber mitlerweile gegründet und entsprechend im Handelsregister eingetragen.
Ich habe mich mehrmals mit dem Chef vor Ort im noch nicht bezogenen Büro getroffen, es wurde meine Abteilung komplett durchgeplant, wir haben uns auch bei einem Büroausstatter getroffen und Änderung an der Struktur und Planung meiner zukünfitigen Abteilung vorgenommen.
Kurz: Bisher war durchgehend nur die Rede von dem Büro in Berlin, andere Standorte wurden nicht erwähnt.
Aktuell gibt es nur einen Heimarbeitsplatz in der privaten Wohnung vom Chef.

Vor 3 Tagen habe ich nun die Information erhalten, dass alles normal in Berlin eröffnet wird - nur meine Abteilung soll in Nürnberg eröffnet werden (wohl gemerkt - die Information kommt 2 Wochen vor Arbeitsbegin).

Der Arbeitsvertrag:
Da zum Zeitpunkt der Vertragsschliessung nur das Homeoffice existierte war hier im Vertrag auch nur die Firma mit Sitz an der Homeoffice Adresse genannt (Berlin). Es ist kein Arbeitsort lt. Vertrag festgelegt.
Lt. Vertrag erkläre ich mich bereit Dienstreisen und Schulungsmaßnahmen zu unternehmen.
Kündigungsfristen: Lt. Vertrag beträgt die Probezeit 6 Monate, eine dadurch verkürzte Kündigungsfrist (z.B. 2 Wochen) wird nicht explizit erwähnt.

Weiterer Punkt im Vertrag: "Mündliche Nebenabsprachen bestehen nicht"[...]

Frage(n):
1. Ist der Arbeitgeber berechtigt nun meinen (sehr kurzfristigen) Umzug nach Nürnberg zu fordern?
Auch wenn lt. Vertrag keine nebenabsprachen vorhanden sind: Nun Sie waren ja vorhanden indem der Chef und ich mein Büro und meine Abteilung in Berlin an der bestimmten Adresse explizit geplant haben und x Mal vor Ort waren).

2.Wie kann der Vertrag gekündigt werden, welche Fristen müssten hier beachtet werden (Kündigungsfrist/2 oder 4 Wochen?)

3. Da ich nicht aus Berlin wegziehen werden (Gerade nach 1,5 Jahren Suche neue Wohnung, sehr viel Geld investiert, verschiedene andere Gründe) gibt es hier Möglichkeiten den Vertrag fristlos zu beenden?

4. Gibt es hier die Möglichkeit bzgl. Schadensersetz? (Ich werde dadurch in 2 Wochen arbeitslos sein).

Vielen Dank im Voraus!

Sehr geehrter Herr Fragesteller,

wie ich Ihren Angaben entnehme, hatten Sie bei Abschluss Ihres neuen Arbeitsvertrags keinerlei Veranlassung, von einem anderen Einsatzort als Berlin auszugehen.
Sie waren selbst in die Planungen involviert und Ihnen war zudem auch keine andere Niederlassung des Arbeitgebers bekannt.
Ihr zukünftiger Einsatz in Berlin war somit Gegenstand der Vertragsverhandlungen und dürfte damit Vertragsbestandteil geworden sein. Da Ihr Arbeitsvertrag nicht vorsieht, dass Sie auch an andere Standorte versetzt werden können, kann der Arbeitgeber nach Lage der Dinge nicht plötzlich von Ihnen fordern, nach Nürnberg zu gehen.




Da Sie für sich den Entschluss getroffen haben, auf jeden Fall in Berlin zu bleiben, käme somit nur eine Kündigung in Betracht, sofern Ihr Arbeitgeber auf den Einsatz in Nürnberg besteht.

Innerhalb der Probezeit, die für beide Vertragspartner gilt, beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen, dabei kann es dahinstehen, ob Entsprechendes im Arbeitsvertrag vereinbart war oder nicht.

Darüber hinaus, und für den Fall, dass Sie plötzlich in Berlin ein neues Arbeitsverhältnis angeboten bekommen, käme auch eine fristlose Kündigung in Betracht.
Üblicherweise vereinbaren manche Arbeitgeber für den Fall, dass der Arbeitnehmer die Kündigungsfristen schuldhaft nicht einhält, eine Vertragsstrafe, zumeist in Höhe eines Monatsgehaltes. Sollte Ihr Arbeitsvertrag eine solche Klausel nicht enthalten, wäre eine fristlose Kündigung unproblematisch, da der Arbeitgeber in der Regel bei Nichteinhaltung der Kündigungsfrist einen Schaden kaum nachweisen kann und von daher auch keinen Schadensersatz fordern wird.
Sollte Ihr Arbeitsvertrag allerdings eine Vertragsstrafenklausel enthalten, so wäre m.E. eine fristlose Kündigung Ihrerseits dennoch möglich, da Sie bei Vertragsschluss davon ausgehen durften, in Berlin arbeiten zu können. Sie hätten die fristlose Kündigung daher nicht schuldhaft vorgenommen, sondern haben aus berechtigtem Grund gekündigt.


Sollte Ihnen die Arbeitsagentur im Falle der Kündigung Ihrerseits eine Sperrzeit verhängen, so empfiehlt es sich aus den o.g. Gründen, hiergegen Widerspruch einzulegen.


Die letzte Frage lässt sich so pauschal nicht beantworten.
Eine Möglichkeit, Schadensersatz zu verlangen, dürfte nur dann bestehen, sofern Sie dem Arbeitgeber konkret nachweisen können, dass dieser schon bei Abschluss des Arbeitsvertrags den Plan gefasst hat, Sie in Nürnberg einzusetzen und Sie bewusst im Glauben gelassen hat, Ihr künftiger Arbeitsort werde ausschließlich Berlin sein. Dies dürfte im Regelfall Schwierigkeiten bereiten.


In der Hoffnung, Ihnen auf diesem Wege weitergeholfen zu haben, verbleibe ich


Mit freundlichen Grüßen


Uwe Lange





Nachfrage vom Fragesteller 20.08.2012 | 14:02

Sehr geehrter Herr Lange,

vielen Dank für diese ausführliche und informative Antwort.
Eine kleine Nachfrage gäbe es noch:
Kann ich bereits kündigen bevor das Arbeitsverhältnis am 01.09.2012 zustande kommt?
Würde das einen Unterschied machen, oder würde die Frist erst am 01.09.2012 beginnen und damit in jedem Fall bis mitte September (2 wochen) zustande kommen (bei einer ordentlichen, fristgerechten Kündigung).

Erneut vielen Dank im Voraus

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 20.08.2012 | 14:11

Sehr geehrter Herr Fragesteller,

selbstverständlich können Sie das Arbeitsverhältnis bereits jetzt, d.h., vor Vertragsbeginn kündigen, sofern Ihr Arbeitgeber nicht einlenkt und Sie vielleicht doch noch in Berlin arbeiten lässt.

Mit freudlichen Grüßen

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 68238 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,8/5,0
Für eine erste Einschätzung zu den Erfolgsausichten war die Antwort sehr hilfreich. Auch der link zu einem Urteil könnte uns weiterhelfen. ...
FRAGESTELLER
4,8/5,0
Danke für die schnelle und kompetente Antwort. Das hat mir sehr geholfen. Den Anwalt kann ich voll und ganz weiterempfehlen ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Super Antwort! Hat mein Problem zu einem positiven Abschluss gebracht. ...
FRAGESTELLER