Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Steuerpflicht in D bei Verlegung des Wohnsitzes nach UK, Ehefrau bleibt aber in D

20.10.2009 11:37 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Holger J. Haberbosch


Guten Tag,

meine Ehefrau und ich (beide dt Staatsbürger) leben derzeit(seit 9 Monaten) in Australien. Aufgrund eines Jobs zieht meine Frau zurück nach Deutschland.
Ich verdiene meinen Lebensunterhalt als professioneller Pokerspieler und werde aufgrund der rechtlichen Lage nach UK ziehen und von dort aus meiner Tätigkeit ( Onlinepoker spielen) nachgehen.
Meines Wissens nach sind sämtliche Einnahmen hieraus in UK STEUERFREI. Ich werde meinen Wohnsitz in UK anmelden und alle sonstigen Sachen In Deutschland abmelden ( Bankverbindung, Versicherungen, sonstige Verträge...)
Meine Frau lebt und arbeitet allerdings in Deutschland.

Bin ich in Deutschland steuerpflichtig bzw, meine Einnahmen in Deutschland zu versteuern?
Auf was ist zu achten, um meine Steuerpflicht in D zu verlieren?
Wo sind Kapitalerträge aus gemeinsamen Kapital zu versteuern?

Vielen Dank im Voraus

Sehr geehrter Fragesteller,

ich möchte Ihre Fragen anhand des dargestellten Sachverhaltes und des ausgelobten Einsatzes wie folgt beantworten:

1. Grundsätzlich wäre überhaupt zu fragen, ob Einnahmen aus der Tätigkeit als professioneller Pokerspieler der Besteuerung allgemein unterliegen. Bislang ging auch die Finanzverwaltung davon aus, dass es sich um Gewinne aus Glückspiel handelt. Gefährlich wird dies aber dann, wenn der Lebensunterhalt dadurch gesichert wird, wenn also auf Dauer die Tätigkeit die wirtschaftliche Basis der Existenz ist. In Ihrem Fall würde daher pribzipiell eine Steuerbarkeit der Gewinne möglich sein.

2. In Deutschland sind alle Einnahmen einer Person ( Welteinkommensprinzip) zu versteuern, wenn diese in Deutschland entweder Ihren Wohnsitz oder Ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat.

a) Einen Wohnsitz hätten Sie bereits, wenn Ihnen Wohnraum vorgehalten wird, den Sie jederzeit nutzen können. Dies kann beispielsweise auch nur ein Zimmer im ausgebauten Dachboden sein, in welchem Ihr Bett und Ihr Kleiderschrank sowie Kleider ständig zur Verfügung stehen. ( Bsp. berühmter deutscher Tennisspieler der 80er und 90er)

b) Ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben Sie laut §9 AO:

Den gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt. Als gewöhnlicher Aufenthalt im Geltungsbereich dieses Gesetzes ist stets und von Beginn an ein zeitlich zusammenhängender Aufenthalt von mehr als sechs Monaten Dauer anzusehen; kurzfristige Unterbrechungen bleiben unberücksichtigt. Satz 2 gilt nicht, wenn der Aufenthalt ausschließlich zu Besuchs-, Erholungs-, Kur- oder ähnlichen privaten Zwecken genommen wird und nicht länger als ein Jahr dauert.

Wichtig für beide Alternativen, Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt, ist dass es stets nur um die tatsächlichen Verhältnisse geht. Die melderechtliche Meldung in D ist nur ein Indiz und Ihr Fehlen sagt nichts aus, wenn Ihnen nachgewiesen werden kann, sich grundsätzlich in D aufzuhalten, vor allem wegen des Familienlebens.

3. Sollte dennoch eine Steuerpflicht in D geschaffen werden so gilt die Anwendung des DBA mit Großbritannien, welches für die selbständigen oder ähnlichen Einkünfte das Besteuerungsrecht dem Ansässigkeitsstaat zu spricht. Ansässig ist man wiederum nach den tatsächlichen Verhältnissen zu bemessender Prüfung in dem Staat in dem man wohnt, wohnt man in beiden, in dem in dem man mehr gesellschaftliche Wurzeln hat ua. Alles in allem müsste dann also eine konkrete Einzelfallprüfung anhand Artikel II des DBA vorgenommen werden.

4. Für die Besteuerung für Kapitaleinkünfte kommt es wiederum auf die Ansässigkeit an. Art. VII bestimmt, dass Zinsen aus dem einen Staat in dem anderen Staat zu versteuern sind, wenn der Steuerpflichtige in diesem anderen Staat ansässig ist. Sollten Sie also Zinserträge in D haben und die Ansässigkeitsprüfung ergäbe, dass Sie in GB ansässig sind, sind die Zinsen dort zu versteuern. Dass es sich um gemeinsames Kapital handelt ändert daran nichts, es werden dann nur die Zinsen, die Ihnen zu stehen, im Zweifel die Hälfte, in GB versteuert.

Das DBA kann ich Ihnen bei Interesse gerne zu kommen lassen.

Nachfrage vom Fragesteller 20.10.2009 | 14:02

Vielen Dank für ihre Antwort.

Was kann ich nun also im konkreten Fall machen, um den "tatsächlichen" Wohnsitz, auch juristisch nach UK zu legen. Ich werde sicherlich weniger als 100Tage im Jahr in D verbringen, den Rest in UK. In UK unterhalte ich eine eigene Wohnung, in D könnte man mir nur eine Wohnmöglichkeit bei meiner Frau unterstellen ( welche selbst wiederum bei ihren Eltern lebt). Was kann ich hier vorbeugend machen?

Angenommen das DBA greift nun und es wird festgestellt, dass mein "tatsächlicher" Wohnsitz in UK ist und somit das "Einkommen" also dort zu versteuern ist. Koennte es dann aufgrund der Nicht-Besteuerung von Poker-Einnahmen in UK doch zur Besteuerung in D kommen?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 20.10.2009 | 15:05

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Nachfragen möchte ich wie folgt beantworten:

1. Die Finanzämter vermuten stets, unter Duldung der Rechtsprechung, dass Ehegatten einen gemeinsamen Wohnsitz haben. Dies kann durch den Steuerpflichtigen widerlegt werden. Hierzu könnte vorgebracht werden, dass der Wohnraum der Ihrer Frau zur Verfügung steht nur für eine Person ausreicht, nur ein Einzelbett enthält und auch nur einen Kleiderschrank und Sie praktisch nur als Besuch sich dort vereinzelt aufhalten. Unterstützt würde dies bspw. dadurch dass Ihre Frau häufiger Sie in UK besucht als umgekehrt.
Die Argumentation wäre also, dass der Familienwohnsitz UK ist, und Ihre Frau wiederum nur aus beruflichen Gründen, eine für Sie angemessene Wohnung in D unterhält. Da die Entscheidung aber eine Einzelfallentscheidung des Finanzamtes bzw. des Gerichts sein würde kann im Voraus nur darauf geachtet werden soviele tatsächliche Belege wie möglich dafür zu sammeln, dass Ihr Aufenthalt in D nur zu Besuchszwecken dient. Sie also auch keinerlei persönliche Gegenstände, Kleidung oder ähnliches in D besitzen, wenn möglich sollten all diese Angaben im Streitfall von Ihren Schwiegereltern bezeugt werden können.
Weiterhin spricht für Sie, dass Sie direkt aus Australien nach UK ziehen und nur Ihre Frau nach D zieht.

2. Den zweiten Teil Ihrer Frage verstehe ich wie folgt, weil sich nur dann die Fragestellung ergibt. Das deutsche Finanzamt geht von einer Steuerpflicht in D aus. Gleichzeitig haben Sie in Uk Ihren Wohnsitz und sind damit auch dort steuerpflichtig. In diesem Fall greift das DBA und führt, angenommen die Einnahmen wären in D steuerbar, dazu, dass dem Ansässigkeitsstaat das Besteuerungsrecht zu fällt. Kommt die Abwägung also dazu, dass UK Ihr Ansässigkeitsstaat ist, so darf alleine UK besteuern. Tut es das nicht, führt dies NICHT dazu, dass das deutsche Besteuerungsrecht wieder auflebt, eine solche "Rückfallklausel, wie sie bspw. im DBA D-Namibia besteht, besteht in dem DBA-D-UK nicht.

Ich hoffe Ihre Nachfragen ausreichend beantwortet zu haben und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

Mit freundlichen Grüßen

Haberbosch

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70866 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,8/5,0
Sehr kompetent , sachlich und schnell. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr gut Beratung ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank für Ihre sehr freundliche und kompetente Antwort. Ich weiß jetzt Bescheid und werde entsprechend handeln. Vielen herzlichen Dank! ...
FRAGESTELLER