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Steuerpflicht bei Wohnsitz im Ausland und Arbeit in Deutschland (Freiberufler)


03.12.2015 12:14 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Umsatzsteuerpflicht bei Dienstleistung eines Drittländers in DE. Ggfs. Beurteilung der Tätigkeit als von einer deutschen Betriebsstätte ausgeführt


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin deutscher Staatsbürger, seit 2011 Freelancer und bereits seit 2012 nicht mehr in Deutschland gemeldet. Seit mehr als zwei Jahren lebe ich in Bahrain. Von 2013 bis Mai dieses Jahres ging ich dort einer freiberuflichen Tätigkeit als Berater nach, seit knapp einer Woche habe ich nun wieder eine freiberufliche Position in Deutschland für einen deutschen Auftraggeber angetreten und lebe seither in einer Ferienwohnung, ohne in Deutschland gemeldet zu sein. Den Wohnsitz in Bahrain möchte ich aus privaten Gründen gern behalten und kann dies auch durch verschiedene Belege (Miete, Telefon, Einkäufe, etc.) zweifelsfrei nachweisen.

Meine Fragen sind nun:
1. Wenn ich meine Rechnungen an die deutsche Firma schicke, muss ich dann die deutsche USt. mit vereinnahmen und auch meine alte USt.-ID mit angeben, die ich damals hier bekommen habe? Mein Lebensmittelpunkt ist zumindest für 2015 noch in Bahrain, welches weder USt. noch Einkommenssteuer kennt.
2. Falls ich zur Einnahme und Weiterleitung der USt. verpflichtet bin, an welches Finanzamt führe ich diese ab, solange ich in D noch nicht gemeldet bin?
3. Meines Wissens nach bin ich in 2015 nur für den Einkommensanteil, der hier in D erwirtschaftet wurde, einkommensteuerpflichtig. Ist dies korrekt, und muss ich meinen Auslandsaufenthalt gegenüber dem FA proaktiv nachweisen?
4. Es ist geplant, dass ich ab nächstem Jahr nahe meines Wohnorts ein Apartment suche und mich dann dort auch mit einem Nebenwohnsitz anmelde. Wie sieht die Situation dann aus, bezogen auf die Fragen 1 & 2? Es ist davon auszugehen, dass das Projekt hier in D min. bis Jahresende 2016 dauern wird.
5. Wird mein Hauptwohnsitz in Bahrain auch nach Anmeldung des deutschen Nebenwohnsitzes noch steuerlich anerkannt, d.h. kann ich Flüge und sonstige Kosten für Heimreisen nach Bahrain steuerlich geltend machen?

Vielen Dank für Ihre Antworten!

03.12.2015 | 13:36

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

auf Grundlage der angegebenen Informationen möchte ich Ihnen wie folgt eine erste Einschätzung der rechtlichen Lage geben. Bitte beachten Sie dabei, dass Weglassungen oder Änderungen des zu beurteilenden Sachverhaltes mitunter schwerwiegende Folgen für die rechtliche Lösung haben können.

Sachverhalt:

ich bin deutscher Staatsbürger, seit 2011 Freelancer und bereits seit 2012 nicht mehr in Deutschland gemeldet. Seit mehr als zwei Jahren lebe ich in Bahrain. Von 2013 bis Mai dieses Jahres ging ich dort einer freiberuflichen Tätigkeit als Berater nach, seit knapp einer Woche habe ich nun wieder eine freiberufliche Position in Deutschland für einen deutschen Auftraggeber angetreten und lebe seither in einer Ferienwohnung, ohne in Deutschland gemeldet zu sein. Den Wohnsitz in Bahrain möchte ich aus privaten Gründen gern behalten und kann dies auch durch verschiedene Belege (Miete, Telefon, Einkäufe, etc.) zweifelsfrei nachweisen.

Meine Fragen sind nun:

1. Wenn ich meine Rechnungen an die deutsche Firma schicke, muss ich dann die deutsche USt. mit vereinnahmen und auch meine alte USt.-ID mit angeben, die ich damals hier bekommen habe? Mein Lebensmittelpunkt ist zumindest für 2015 noch in Bahrain, welches weder USt. noch Einkommenssteuer kennt.

Ihre Leistung ist grundsätzlich in DE nach § 3a II UStG steuerbar und unterfällt hier nach § 13b II Nr.1 iVm. V dem sog. Reverse-Charge-Verfahren. Das heißt, dass der Leistungsempfänger die USt schuldet und Sie auf der Rechnung keine deutsche USt aufzuführen haben. Dies gilt jedoch nur, wenn man Sie als ausländischen Unternehmer betrachtet. Aufgrund der Spezialität Ihres Falles ist dies zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht abschließend zu beurteilen.
In Betracht käme hier auch, dass Ihre Tätigkeit in DE als eigene inländische umsatzsteuerliche Betriebsstätte oder Sie aufgrund Ihres deutschen Wohnsitzes iSd. § 8 AO auch gänzlich als deutscher Unternehmer einzuordnen wären. Dafür spricht m.E. einiges.
Rechtsfolge daraus wäre, dass Sie dann doch in DE zur Abgabe von Steuererklärungen verpflichtet wären und deutsche USt auf Ihren Rechnungen ausweisen müßten. Das Reverse-Charge-Verfahren greift nur bei ausländischen Leistenden. Dazu müsste man genau prüfen, welche Leistungen Sie in DE ausführen und wie diese in concreto ausgeführt werden (z.B. Hilfsmittel).

2. Falls ich zur Einnahme und Weiterleitung der USt. verpflichtet bin, an welches Finanzamt führe ich diese ab, solange ich in D noch nicht gemeldet bin?

Wenn Sie als deutscher Unternehmer einzuordnen wären, wäre das Wohnsitz-FA zuständig.

3. Meines Wissens nach bin ich in 2015 nur für den Einkommensanteil, der hier in D erwirtschaftet wurde, einkommensteuerpflichtig. Ist dies korrekt, und muss ich meinen Auslandsaufenthalt gegenüber dem FA proaktiv nachweisen?

Dies wäre nur bei einer beschränkten Steuerpflicht richtig. Aufgrund der Ferienwohnung haben Sie jedoch nach § 8 AO einen Wohnsitz in DE. Dies macht Sie hier unbeschränkt steuerpflichtig. Ihre selbständigen Einkünfte sind daher in DE voll zu versteuern und Sie sind hier auch zur Abgabe einer ESt-Erklärung verpflichtet.


4. Es ist geplant, dass ich ab nächstem Jahr nahe meines Wohnorts ein Apartment suche und mich dann dort auch mit einem Nebenwohnsitz anmelde. Wie sieht die Situation dann aus, bezogen auf die Fragen 1 & 2? Es ist davon auszugehen, dass das Projekt hier in D min. bis Jahresende 2016 dauern wird.

Die wohnrechtliche Meldung ist für die Beurteilung der Steuerpflicht nicht maßgeblich. Es kommt alleine auf das Vorliegen eines Wohnsitzes im Sinne der AO an. S.o.

5. Wird mein Hauptwohnsitz in Bahrain auch nach Anmeldung des deutschen Nebenwohnsitzes noch steuerlich anerkannt, d.h. kann ich Flüge und sonstige Kosten für Heimreisen nach Bahrain steuerlich geltend machen?

Worauf genau zielt diese Frage ab? Grundsätzlich sind nur die Kosten steuerlich absetzbar, die mit Ihrer Selbständigkeit wirtschaftlich zusammenhängen. Es käme also auf den Grund der Reisen an. Die Rückreise allein aus privaten Gründen wäre daher grundsätzlich nach § 12 Nr.1 EStG nicht steuerlich absetzbar. Anders ggfs. bei Rückreisen aus geschäftlichen Gründen. Dazu bräuchte ich jedoch weitere Informationen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen. Bitte vergessen Sie auch nicht die Vornahme der Bewertung der rechtlichen Begutachtung.

P.S: Aufgrund der Spezialität Ihres Falles kann ich Ihnen nur raten, insbesondere die umsatzsteuerliche Frage eingehend von einem Experten prüfen zu lassen. Dazu bedürfte es weiterer umfangreicher Abklärung des genauen Sachverhaltes und insbesondere der Klärung Ihrer genauen Tätigkeit in DE, in Bahrain und der genauen Beschreibung wie die Leistungen hier ausgeführt werden. Als Experte für das Umsatzsteuerrecht stehe ich Ihnen hierfür gerne zur Verfügung.

www.umsatzsteuer-kompetenz.com


Mit freundlichen Grüßen

Barzik


Rechtsanwalt Falk-Christian Barzik, Diplom-Finanzwirt (FH)

Nachfrage vom Fragesteller 03.12.2015 | 13:56

Sehr geehrter Hr. Barzik,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.
Ich denke, eine wichtige Kleinigkeit ist aus meiner Anfrage möglicherweise missverstanden worden: die Ferienwohnung, in der ich mich derzeit aufhalte, ist lediglich gemietet und nicht meine eigene Wohung. Diese Unterkunft kann daher mit einem Aufenthalt in einem Hotel oder einer Pension gleichgesetzt werden. Ich habe hier in Deutschland keinen Grundbesitz und hatte, abgesehen von den Einnahmen seit letzter Woche, auch keinerlei deutsche Einkünfte für 2015. Woraus leitet sich daher Ihre Einschätzung ab, ich wäre in D nicht nur beschränkt steuerpflichtig?

Ihre Antwort zu 2.: Aufgrund der o.g. Klarstellung, wäre dies das Finanzamt meines letzten deutschen Wohnsitzes oder meines derzeitigen Aufenthalts- und Leistungserbringungsorts?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.12.2015 | 14:39

Sehr geehrter Fragesteller,

da hatte ich Sie richtig verstanden. Nur sind die Anforderungen an die Begründung eines deutschen Wohnsitzes relativ niedrig. Bereits die Anmietung eines Hotelzimmers kann einen Wohnsitz begründen. Etwas anderes wäre nur anzunehmen, wenn die Anmietung von vornherein nur vorübergehend angedacht ist. Dies wäre jedoch nur der Fall, wenn die Anmietung unter 6 Monaten liegen würde. Ich hatte Sie jedoch so verstanden, dass die Anmietung für das Projekt länger dauert.

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