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Behandlungsfehler bei Herzinfarkt?


| 04.11.2007 14:28 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht



Vor ein paar Jahren erlitt ich einen Herzinfarkt. Es gab keinerlei Vorboten (auch in den Jahren davor keinerlei nennenswerte anderen Erkrankungen und Fehlzeiten), ich war 43 Jahre alt und als Angestellter im Schichtdienst tätig. Sonntag, gegen 19:20, Schmerzen im Rücken, stärker werdende Beschwerden wie Atemnot und kalter Schweiß, Übelkeit gegen 20:30. Notarzt kam kurz vor 21:00 Uhr. Einweisung in eine auf Herzerkrankung spezialisierte Klinik um 21:30; der Verdacht auf schweren Herzinfarkt ist dokumentiert. Am Folgetag, ein Montag, gegen 08:00 (?), wurde eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt und ein subtotaler Verschluss geöffnet.
Krkhs 15 Tage, danach Reha und AU über etwa 10 Monate. Es verblieb eine starke Schädigung des Herzens ( Restleistung dokumentiert etwa um 20-25 %)
Nach dem Infarkt dauerhaft durch starke Leistungsminderung, Brustschmerzen und Atemnot eingeschränkt, seit 2005 zusätzliche insulinabhängige Diabetes. Zwangsweise auf anderen Arbeitsplatz versetzt mit Einkommenseinbuße. 2000-2005 mit zunehmend andauernden Krankschreibungen und permanenten ärztlichen Untersuchen in kurzen Abständen berufstätig, ab 2006 in befristeter Erwerbsunfähigkeitsrente.

Im September 2007 beim Vertrauensarzt ( Kardiologie ) des RV Bund. Er stellte mir nach Akteneinsicht und eingehender Untersuchung eine Frage, die ich nicht beantworten konnte:
"Warum haben die Sie in dieser renomierten Fachklinik so lange liegen lassen?" Er dokumentiert diese Frage zusätzlich in seinem Befund ( mit Empfehlung der dauerhaften Berentung ), in dem er formuliert: "Erst am nächsten Tage..."

Meine Frage ist nun:
1. Hätte eine sofort durchgeführte Herzkatheteruntersuchung mich tatsächlich vor diesen schmerzhaften, ernsthaft lästigen und einschränkenden Folgen und der jetzt eingetretenen vollen Erwerbsunfähigkeit bewahren können?
2. Macht es Sinn, jetzt noch über einen Behandlungsfehler und eine eventuelle Entschädigung nachzudenken?
3. Wenn ja, in welcher Größenordnung denkt man dann?

Ich bitte Sie um eine unverbindliche Einschätzung. Immerhin ist diese Sache einige Jahre alt, aber erst jetzt, seit mir der Kardiologe diese Frage stellte, mache ich mir Gedanken darüber. Bis dato war ich eigentlich nur froh, überlebt zu haben.

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Sehr geehrter Fragesteller,



vielen Dank für Ihre Anfrage, welche ich - die Richtigkeit Ihrer Angaben vorausgesetzt - anhand der von Ihnen gemachten Angaben gerne wie folgt summarisch beantworten möchte:


Inwieweit eine sofort durchgeführte Herzkatheteruntersuchung Sie vor den Folgen Ihres Herzinfarkts und der jetzt eingetretenen vollen Erwerbsunfähigkeit hätte bewahren können, kann man natürlich weder aus medizinischer noch aus juristischer Sicht zuverlässig beantworten. Denn es handelt sich hierbei letztlich um den hypothetischen Fall, dass man die Untersuchung sofort und nicht erst am darauffolgenden Morgen durchgeführt hätte.

Viel entscheidender für Ihren Fall - und diese Frage kann man juristisch beantworten - ist daher die Frage, zu wessen Lasten die bestehende Unsicherheit aus beweisrechtlicher Sicht geht.

Grundsätzlich müssen Sie als Patient in einem Arzthaftungsprozess beweisen, dass die Ärzteseite einen Behandlungsfehler begangen hat (was der Fall wäre, wenn eine sofortige Herzkatheteruntersuchung geboten gewesen wäre), dass Ihnen hieraus ein Schaden entstanden ist und dass den Arzt ein Verschulden trifft. Bereits der Nachweis, dass der eingetretene Schaden auf dem Behandlungsfehler beruht, fällt dem Patienten jedoch traditionell schwer, insbesondere, wenn der Vorfall bereits einige Jahre zurückliegt. Daher hat die Rechtsprechung Beweiserleichterungen für den Fall geschaffen, dass ein grober Behandlungsfehler vorliegt.

Ein grober Behandlungsfehler liegt vor, wenn ein Arzt gegen elementare Behandlungsregeln und gesicherte Erkenntnisse der Medizin verstößt, ihm also ein Fehler unterläuft, der einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf. Sie müssen dann nur noch beweisen, dass der behandelnde Arzt einen groben Behandlungsfehler begangen hat. Die Ärzteseite muss nun - entgegen des oben geschilderten Grundsatzes, dass Sie einen Zusammenhang zwischen Behandlungsfehler und Schaden beweisen müssen - ihrerseits beweisen, dass der Behandlungsfehler gar nicht ursächlich für den eingetretenen Schaden war bzw. dass es - z.B. wegen der körperlichen Konstitution des Patienten - auch ohne diesen Behandlungsfehler zu den schädigenden Folgen gekommen wäre. Dieser Nachweis fällt dem behandelnden Arzt naturgemäß schwer.

Ein Patient, bei dem der Verdacht auf einen akuten und schweren Herzinfarkt besteht, ist auf eine umfassende und schnelle medizinische Hilfe angewiesen. Denn es ist in der Medizin mittlerweile anerkannt, dass bei einem Herzinfarkt jede Sekunde zählt. Denn durch den Verschluss eines Blutgefäßes wird das Blut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, es kann zu einem Absterben von Muskelgewebe kommen. Die sich hieraus ergebenden Folgen sind schwer und irreversibel. Daher tendiere ich dazu, bei Unterlassen der gebotenen Maßnahmen einen groben Behandlungsfehler anzunehmen. Da die Frage, ob ein grober Behandlungsfehler vorliegt oder nicht, auch eine juristische Wertungsfrage ist, können hier natürlich abweichende Meinungen vertreten werden. Eine endgültige juristische Einschätzung kann aber ohnehin erst nach Sichtung aller Patientenakten und Krankenunterlagen abgegeben werden. Denn es kann sich aus der Akte ergeben, dass andere Maßnahmen durchgeführt wurden, die nach dem medizinischen Standard als ausreichend anzusehen sind und einen sofortigen Einsatz eines Herzkatheters nicht notwendig gemacht haben.

Soweit man eine Haftung der Ärzteseite bejaht, haben Sie grundsätzlich Anspruch auf Zahlung eines angemessenen Schmerzensgeldes sowie auf Ersatz des Ihnen entstandenen Schadens.

Die Höhe des Schmerzensgeldes ist u.a. abhängig von Art, Umfang, Intensität Ausmaß der Schmerzen und der erlittenen Folgen und kann seriös und zuverlässig erst nach Sichtung der kompletten Krankenunterlagen beurteilt werden. Es ist jedoch je nach Ausprägung des Falles möglich, dass hier fünf- bis sechsstellige Beträge bezahlt werden.

Viel entscheidender ist jedoch die Frage der Verjährung. Seit dem 01.01.2002 verjähren Ansprüche aus dem ärztlichen Behandlungsvertrag sowie aus unerlaubter Handlung nach § 195 BGB nämlich innerhalb von drei Jahren. Nach § 199 Abs. 1 BGB beginnt diese Verjährungsfrist mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und in dem der Gläubiger von den den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste. Für vor dem 01.01.2002 entstandene, jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht verjährte Ansprüche gilt nach Art 229 § 6 Abs. 4 EGBGB ebenfalls eine dreijährige Verjährungsfrist beginnend ab dem 01.01.2002, wenn - was vorliegend der Fall ist, da nach altem Recht eine 30jährige Verjährungsfrist galt - diese Frist zu einer kürzeren Verjährung führt als die alte Rechtslage.

Wann genau sie den Herzinfarkt erlitten haben, schildern Sie nicht. Ich entnehme Ihren Ausführungen, dass der hier geschilderte Vorfall mindestens bis ins Jahr 2000 zurückreichen muss (weil seit diesem Jahr regelmäßige Krankschreibungen erfolgten). Daher wären in Ihrem Fall Ansprüche aus einem ärztlichen Behandlungsfehler nach den §§ 195, 199 Abs. 1 BGB iVm. Art 229 § 6 Abs. 4 EGBGB grundsätzlich ebenfalls innerhalb von drei Jahren ab dem 01.01.2002 verjährt (mithin zum 31.12.2004), soweit zu diesem Zeitpunkt der Schaden bereits entstanden war und Sie Kenntnis von den anspruchsbegründenden Umständen (nämlich der Tatsache, dass ein Behandlungsfehler des Krankenhauses zu einem Schaden geführt hat) erlangt haben oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätten erlangen müssen (vgl. Urteil des BGH vom 23.01.2007, Az. XI ZR 44/06).

Der Schaden war bereits am Tag nach dem Herzinfarkt eingetreten, spätestens jedoch mit Feststellung der Herzinsuffizienz zehn Monate später. Daher kommt es nunmehr entscheidend darauf an, wann Sie von den anspruchsbegründenen Tatsachen (nämlich dem ärztlichen Behandlungsfehler) Kenntnis hatten. Diese Kenntnis ist dann gegeben, wenn Sie von solchen Tatsachen Kenntnis erlangen, aus denen sich für Sie als medizinischen Laien ergibt, dass der Arzt vom üblichen medizinischen Vorgehen abgewichen ist oder Maßnahmen nicht getroffen hat, die nach ärztlichem Standard erforderlich waren (vgl. BGH NJW 88, 1516; BGH NJW 91, 2350; BGH NJW 01, 885).

Und hier fängt die eigentliche Schwierigkeit an: denn man könnte Ihnen natürlich entgegenhalten, dass Sie bereits am Tag nach dem Herzinfarkt Kenntnis davon hatten, dass die Herzkatheteruntersuchung erst mit zeitlicher Verzögerung erfolgte. Dabei darf man jedoch nicht verkennen, dass Ihnen als medizinischem Laien mit Sicherheit gar nicht bewusst war, dass diese Verzögerung zu einem Schaden geführt hat (es sei denn, diese Einsicht hätte sich Ihnen geradezu aufdrängen müssen). Daher könnte man auch vertreten, dass Sie erst durch den Besuch beim Vertrauensarzt im Jahre 2007 Kenntnis davon erhalten haben, dass die Herzkatheteruntersuchung damals zu spät kam. Denn wie Sie selbst sagen, machen Sie sich selbst erst seit dem Besuch beim Kardiologen Gedanken darüber, ob das Krankenhaus damals fehlerhaft gehandelt hat.

Um hier zu einer abschließenden Entscheidung zu kommen, werden Sie um ein persönliches Gespräch mit einem Anwalt nicht herumkommen. Denn es kommt auf die genauen Umstände der damaligen Behandlung an. Diese Erörterung kann im Rahmen der hier stattfindenden Erstberatung nichtzuverlässig erfolgen.

Sie können sich aber jederzeit per Email oder telefonisch an mich wenden. Meine Kanzlei bearbeitet schwerpunktmäßig Fälle aus dem Arzthaftungsrecht und kann Sie bei der Verwirklichung Ihrer Interessen professionell begleiten.


Ich hoffe, Ihnen mit meiner Prüfung der Rechtslage eine erste rechtliche Orientierung vermittelt zu haben. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann, sondern ausschließlich dazu dient, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres Rechtsproblems von einem Rechtsanwalt zu erhalten.

Sofern Sie eine abschließende Beurteilung Ihres Sachverhaltes wünschen, empfehle ich, einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens zu kontaktieren und die Sachlage mit diesem konkret zu erörtern. Bitte beachten Sie, dass bei dieser Vorgehensweise weitere Kosten für die Beratung anfallen.

Gerne bin ich auch bereit, die weitere Vertretung und Beratung in der Angelegenheit für Sie zu übernehmen. Sie können mich jederzeit für eine weitere Beauftragung kontaktieren.



Mit freundlichen Grüßen


Jorma Hein
Rechtsanwalt

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