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Knieprothese defekt: Behandlungsfehler? Herstellerfehler?

23.09.2014 21:10 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Liubov Zelinskij-Zunik, M.mel.


Zusammenfassung:
Produkthaftung bei Herstellung einer Hüftgelenks-Totalendoprothese

Meine Mutter, 67 Jahre, hat 2006 im rechten Bein eine knie-vollprothese eingebaut bekommen und seitdem starke Schmerzen. Nach der Operation musste das Knie unter Vollnarkose mobilisiert werden. Sie war häufig bei Orthopäden vorstellig, doch niemand konnte die Ursache konkret benennen. Es wurde gesagt, dass die Achse nicht stimmt. Seit Anfang des Jahres 2014 waren die Schmerzen kaum mehr erträglich, der behandelnde arzt stellte fest, dass das Gelenk sich gelockert hat und es wurde entschieden, dass die Prothese gegen eine neue prothese ausgetauscht wird. Diese op fand heute statt. Der operierende Chefarzt konnte heute keine neue Prothese einbauen, da sich beim öffnen des Beins folgendes bild zeigte: das künstliche Kniegelenk war schwarz, da die beiden Metallteile jahrelang aneinandergerieben hatten. Die Kunststoffscheibe, die zwischen den beiden gelenkteilen sitzen soll, (Polyethylenkomponente o. Ä.) war hinten, in der Kniekehle. Überall in der knieregion waren Kunststoffsplitter, laut Arzt haben Sie sogenannte "fresszellen" gebildet, welche dazu da sind, die kunststoffsplitter "aufzufressen". diese fresszellen haben die Knochen massiv angegriffen, es sind große Löcher in Ober und Unterschenkel, sodass heute soviel knochensubstanz entfernt werden musste, dass keine herkömmliche Prothese eingesetzt werden kann. Es muss eine spezialanfertigung hergestellt werden, meine Mutter muss nun mind. 4 Wochen ohne Gelenk im Krankenhaus liegen, und dann erneut operiert werden, wenn die spezialanfertigung fertiggestellt ist. Der Ausgang dieser weiteren op ist ungewiss. Der arzt meinte, es sieht nicht so aus, als sei die Prothese kürzlich kaputt gegangen. Wahrscheinlich sei das kurz nach dem Einbau passiert. Ein Kollege hätte einen ähnlichen Fall mit einer Prothese des gleichen Herstellers gebabt. Ggf. handle es sich um einen HerstellerFehler. Der Arzt will die Prothese zur Klärung zum Hersteller schicken. Nun meine Frage: wie sollen wir uns verhalten, um wenigstens Schmerzensgeld zu bekommen und wie schätzen sie die Aussicht ein, dass meiner Mutter Schmerzensgeld zusteht? Ist die Prothese beim Hersteller richtig aufgehoben, müsste sie nicht eher zur Prüfung an eine neutrale Einrichtung übergeben werden? Wie kann es sein, dass Ärzte trotz ständiger besuche 8 Jahre nicht die Ursache des Problems finden konnten? Es steht im Raum, die Achse des Gelenks sei falsch, was bedeutet, dass ein Arzt die Prothese falsch eingebaut hat. An wen können wir uns wenden und wie sind die einzelnen Schritte? Ich möchte vermeiden, dass der Hersteller die Prothese "verschwinden" lässt und somit das wichtigste Beweismittel fehlt. Vielen Dank im Voraus.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. wie sollen wir uns verhalten, um wenigstens Schmerzensgeld zu bekommen und wie schätzen sie die Aussicht ein, dass meiner Mutter Schmerzensgeld zusteht?

Gem. § 1 ProdHaftG schuldet der Hersteller eines Produkts Schadensersatz, wenn durch den Fehler eines Produkts jemand getötet, sein Körper oder seine Gesundheit verletzt oder eine Sache beschädigt wird.

Ein Fehler liegt gem. § 3 ProdHaftG vor, wenn das Produkt nicht die Sicherheit bietet, die unter Berücksichtigung aller Umstände erwartet werden kann. Maßstab hierfür ist die berechtigte Erwartung der Allgemeinheit bezüglich aller Umstände, der Darbietung und des Gebrauchs des Produktes im maßgeblichen Zeitpunkt. Zu unterscheiden sind drei Fehlerkategorien: Konstruktionsfehler, Fabrikationsfehler und Instruktionsfehler.
Ein Fabrikationsfehler entsteht während der Herstellung. Er haftet nur einzelnen Stücken an und beinhaltet eine Abweichung des konkreten Stücks vom allgemeinen Standard, den der Hersteller für die Produktserie vorgesehen hat und an dem der Verwender seine Sicherheitserwartungen orientiert. Zu ihnen gehören insbesondere die sogenannten Ausreißer, nämlich Fabrikationsfehler, die trotz aller zumutbarer Vorkehrungen unvermeidlich sind.

Ob ein Fehler vorliegt wird vom Sachverständigen für chirurgisch invasive Implantate und deren Werkstoffe beurteilt. Die Erfolgsaussichten können daher momentan nicht eingeschätzt werden.



2. Ist die Prothese beim Hersteller richtig aufgehoben,

nein

müsste sie nicht eher zur Prüfung an eine neutrale Einrichtung übergeben werden?

Ja, dafür ist Sachverständiger für chirurgisch invasive Implantate und deren Werkstoffe zuständig, z.B. http://www.bsm-mp.de/mitglieder/name/40-mitglieder/14-holzwarth-ulrich

3. Wie kann es sein, dass Ärzte trotz ständiger besuche 8 Jahre nicht die Ursache des Problems finden konnten?

Hier muss man prüfen, on ein Befunderhebungsfehler vorliegt, z.B. durch das Unterlassen der notwendiger Untersuchungen.

4. Es steht im Raum, die Achse des Gelenks sei falsch, was bedeutet, dass ein Arzt die Prothese falsch eingebaut hat.

Nach dem Einsetzen des Prothese muss der Arzt prüfen und dokumentieren (!) , dass die Prothese passt. Das muss geprüft werden.

5. An wen können wir uns wenden und wie sind die einzelnen Schritte?

Sie können sich entweder an Ihre Krankenkasse oder an einer Schlichtungsstelle wenden. Dort wird – für Sie kostenlos- ein Gutachten erstellt zu den Fragen der Behandlungs- und Herstellungsfehler. Dazu hier:
http://www.arzthaftung-wegen-behandlungsfehler.de/sachverstaendige/29-schlichtungstelle


6. Ich möchte vermeiden, dass der Hersteller die Prothese "verschwinden" lässt und somit das wichtigste Beweismittel fehlt.

Ja, dann sollen Sie die Prothese nicht an den Hersteller schicken (lassen).
Dazu Urteile hier:
http://www.arzthaftung-wegen-behandlungsfehler.de/urteile-zum-medizinrecht/70-produkthaftung-bei-herstellung-einer-hueftgelenks-totalendoprothese-hueftkopf-ist-fabrikationsfehlerhaft


http://www.arzthaftung-wegen-behandlungsfehler.de/urteile-zum-medizinrecht/68-produkthaftung-schmerzensgeldanspruch-fuer-die-psychische-belastung-durch-ein-fehlerhaftes-medizinprodukt-fehlerhafte-hueftendoprothese


Die Information kann für Sie auch nützlich sein:
http://www.arzthaftung-wegen-behandlungsfehler.de/medien/pdf/Knieprothese.pdf


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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