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Wohnen und Home Office in der Schweiz - arbeiten in D, A, CH für ein deutsche Firma

16.03.2010 10:04 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Ich bin vor 10 Jahren aus Deutschland in die Schweiz gekommen und lebe mit meiner Familie (Frau und 2 Kinder) im Kanton Zug. In Deutschland haben wir keinen Wohnsitz mehr. Der „Lebensmittelpunkt“ ist seit 10 Jahren in der Schweiz

Nun habe ich ein Job Angebot einer Firma aus Düsseldorf (D) bekommen: Sales Manager für die Länder D, A, CH, optional vom Home Office in der Schweiz aus zu betreuen.

Wie ist da die steuerliche Situation, wenn ich:

•15% meiner Arbeitszeit im Markt Österreich
•15% meiner Arbeitszeit im Markt Schweiz
•20% meiner Arbeitszeit im Home Office in der Schweiz
•50% meiner Arbeitszeit in Deutschland verbringe

Meine Überlegungen:

1.Best Case: Ist es irgendwie (?) machbar dass ich komplett in der Schweiz besteuert werde? Da ich ja max. 110 Arbeitstage ( 50% von 220 Arbeitstagen) in Deutschland sein werde und dann im Hotel wohnen werde?

2.Intermediate Case: Kann ich zu 50% in der Schweiz und 50% in Deutschland besteuert werden?

3.Worst Case: Würde ich evtl. sogar komplett in Deutschland besteuert?

4.Sollte ich die prozentuale Aufteilung meiner Arbeitszeit auf die jeweiligen Märkte (D A CH) im Arbeitsvertrag fixieren, um bessere Aussichten auf Anerkennung der Feistellung von der Einkommensteuer bei den Steuerbehörden in D zu haben.

Wie schätzen Sie die Situation ein?

Auf was bezieht sich die 183 Tage Regelung? nur auf Arbeitstage oder alle Tage in der Schweiz?

Vielen Dank für ihre Unterstützung in dieser Angelegenheit.

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf der Grundlage der von Ihnen gemachten Angaben wie folgt beantworte.

1.Best Case: Ist es irgendwie (?) machbar dass ich komplett in der Schweiz besteuert werde? Da ich ja max. 110 Arbeitstage ( 50% von 220 Arbeitstagen) in Deutschland sein werde und dann im Hotel wohnen werde?

Grundsätzlich gilt in Deutschland das sog. Wohnsitzprinzip. Dies bedeutet, dass Sie grundsätzlich mit dem gesamten Welteinkommen der deutschen Besteuerung unterliegen. Dadurch kann es zwangsläufig zu Doppelbesteuerungen kommen. Insofern existiert zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA).

Das DBA stellt hinsichtlich der Besteuerungspflicht auf die Ansässigkeit ab. Dies bedeutet eine Person, die nach dem in diesem Staat geltenden Rechtdort unbeschränkt steuerpflichtig ist. Folglich sind Sie in Deutschland nicht ansässig, wenn Sie dort keinen Wohnsitz hab. Dies ist nach Ihrer Aussage der Fall.

Im Hinblick auf Ihr erklärtes Ziel einer Besteuerung Ihrer Einkünfte in der Schweiz ist auf Art. 4 Abs. 4 des DBA hinzuweisen. Demnach kann die Bundesrepublik auch noch fünf Jahre nach Ihrem Wohnsitzwechsel Einkünfte, die aus der Bundesrepublik oder von dort belegenen Vermögenswerten stammen, besteuern.

Gemäß Art. 15 Abs. 1 DBA können Gehälter, Löhne und ähnliche
Vergütungen, die eine in einem Vertragstaat ansässige Person aus
unselbständiger Arbeit bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden, es sei denn, daß die Arbeit in dem anderen Vertragstaat ausgeübt wird. Wird die Arbeit dort ausgeübt, so können die dafür bezogenen Vergütungen in dem anderen Staat besteuert werden.

Dies bedeutet für Ihren Fall, dass Sie grundsätzlich 100% in der Schweiz versteuern, da Sie dort ansässig sind. Dies gilt jedoch nur sofern Sie Ihre Tätigkeit in der Schweiz ausüben.

Abs. 2 der Norm gewährt eine Ausnahme, wonach Vergütungen, die eine in einem Vertragstaat ansässige Person für eine in dem anderen Vertragstaat ausgeübte unselbständige Arbeit bezieht, nur in dem erstgenannten Staat besteuert werden können, wenn
a) der Empfänger sich in dem anderen Staat insgesamt nicht länger als 183 Tage während des betreffenden Kalenderjahres aufhält,
b) die Vergütungen von einem Arbeitgeber oder für einen Arbeitgeber gezahlt werden, der nicht in dem anderen Staat ansässig ist, und
c) die Vergütungen nicht von einer Betriebstätte oder einer festen Einrichtung getragen werden, die der Arbeitgeber in dem anderen Staat hat.

Die Anwendung dieser Ausnahmevorschrift auf Ihren Fall gestaltet sich aus zwei Gesichtspunkten problematisch. Zum einen üben Sie in Deutschland im Hinblick auf die Home Office Tätigkeit keine Tätigkeit aus unselbständiger Arbeit aus. Dies weil Sie in Home Office aus der Schweiz arbeiten. Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes die Wohnung bei einer Home Office Tätigkeit die ständige Arbeitsstätte dar. Folglich über Sie Ihre Täigkeit in der Schweiz aus.

Zum anderen überschreiten Sie die 183 Tage-Regelung nicht. Diese bezieht sich auf Aufenthalt in Deutschland (unabhängig von Arbeitszeit in Deutschland) Insofern ist die Vorschrift eindeutig.

Damit erfüllen Sie bereits 2 Voraussetzungen der Norm nicht.

Fazit: Eine Besteuerung in der Schweiz zu 100% ist angezeigt.

2.Intermediate Case: Kann ich zu 50% in der Schweiz und 50% in Deutschland besteuert werden?

vgl. Antwort 1

Eine Besteuerung 50 % -50% ist angezeigt, wenn Sie die 183-Tage-Regelung überschreiten.

3.Worst Case: Würde ich evtl. sogar komplett in Deutschland besteuert? Dies ist insofern denkbar, als die Steuerbehörde bei Überschreitung der 183-Tage-Regelung eine generelle Ausübung in Deutschland annimmt.

4.Sollte ich die prozentuale Aufteilung meiner Arbeitszeit auf die jeweiligen Märkte (D A CH) im Arbeitsvertrag fixieren, um bessere Aussichten auf Anerkennung der Feistellung von der Einkommensteuer bei den Steuerbehörden in D zu haben.

Nein, dies würde ich nicht in den Arbeitsvertrag aufnehmen. Besser wäre, den Einsatzort/ Tätigkeitsort Schweiz anzugeben. Und eine Regelung aufzunehmen, dass Präsens in den "Zweigstellen" in Deutschland / Österreich je nach Bedarf stattfindet.

Dann können Sie den Nachweis der 183-Tage-Regelung am Besten gestalten.


Wie schätzen Sie die Situation ein?

Auf was bezieht sich die 183 Tage Regelung? nur auf Arbeitstage oder alle Tage in der Schweiz? vgl. Frage 1

________________________________________
Ich darf Sie abschließend darauf hinweisen, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann. Es wird ausschließlich das Ziel verfolgt, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres geschilderten Rechtsproblems auf Grundlage der von Ihnen übermittelten Informationen von einem Rechtsanwalt zu erhalten. Die von mir erteilte rechtliche Auskunft basiert ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen im Rahmen Ihrer Sachverhaltsschilderung kann eine völlig andere rechtliche Beurteilung die Folge sein.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und meine Ausführungen helfen Ihnen weiter. Sie können sich gern im Rahmen der Nachfrageoption auf diesem Portal mit mir in Verbindung setzen. Für eine kostenlose Rückfrage stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Sollten Sie eine darüber hinausgehende Vertretung in Erwägung ziehen, empfehle ich Ihnen eine Kontaktaufnahme über die unten mitgeteilte E-Mail-Adresse. Die moderne Kommunikation ermöglicht insoweit auch die Überbrückung größerer Entfernungen.


Mit freundlichen Grüßen

Ergänzung vom Anwalt 16.03.2010 | 19:19

Paragraphen und Artikel sind grundsätzlich im Zusammenhang (vorhergehende und nachfolgende Paragraphen bzw. Artikel sowie Absätze) zu lesen. D. h. für diesen Fall (bezogen auf den äußert kollegialen Kommentar von RA Haberosch):

Art. 15 Abs. 1 S. 2 DBA besagt, dass grundsätzlich eine in einem anderen Staat ausgeübte Tätigkeit aus unselbständiger Arbeit dort versteuert werden muss (und nicht im "Ansässigkeitsstaat"). So der Grundsatz.

Art. 15 Abs. 2 DBA normiert nunmehr eine Ausnahme für die Tätigkeit in einem anderen als dem "Ansässigkeitsstaat", wonsch einer Besteuerung (auch für diese Tätigkeit) im Ansääsigkeitsstaat erfolgen kann, wenn die 183-Tage-Regelung nicht überschritten ist UND die Vergütungen von einem Arbeitgeber oder für einen Arbeitgeber gezahlt werden, der nicht in dem anderen Staat ansässig ist, UND die Vergütungen nicht von einer Betriebstätte oder einer festen Einrichtung getragen werden, die der Arbeitgeber in dem anderen Staat hat.

Folglich ist die Beantwortung der gestellten Frag durch meine Person wohl keiner pauschalen Antwort zugeführt worden. Allerdings stellt sich die Frage, ob das (pauschale) Zitieren einer Kommentarstelle (für den Regelfall Art. 15 Abs.1 DBA) hier weiterhilft.

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