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Schmerzensgeld wegen psysicher 'Körperverletzung'

04.07.2012 21:49 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von

Rechtsanwalt Peter Dratwa


Mein Vater ist am 02.06.2012 plötzlich verstorben. Meine Oma beschloss für ihn eine Urnenbeisetzung. Da ich aber für mich die Möglichkeit des Abschiedes und der Realisierung des Todes brauchte, einigten wir uns auf eine Trauerfeier vorab mit Aufbahrung des offenen Sarges.

Ich befragte die Dame vom Bestattungsinstitut ob ich mein Kind (10 Jahre) an dieser Aufbahrung teilnehmen lassen sollte, da er seinen Opa unbedingt nochmal sehen wollte. Mit ruhigem Gewissen bejahte die Dame dies, da es auch für ihn zur Trauerbewältigung ganz wichtig sei, sich verabschieden zu können. Mit 10 Jahren ist er alt genug...

Am 09.06.2012 fand die Trauerfeier statt. (8 Tage nach seinem Ableben)

Ich hatte wahnsinnige Angst davor in diese Halle zu gehen, nicht weil ich mich vor dem Anblick fürchtete sondern einfach davor, zu realisieren das mein Vater tot ist, was mir in der 1. Woche gar nicht möglich war (Vorbereitung Beerdigung ect.)

Was sich dann aber mir bot war im wahrsten Sinn ein Bild des Grauens. Ein Blick - sekundensache - und mein Mann hat mich schreiend rausgetragen. Bisher habe ich 2 Bekannte auf diese Art verabschiedet. Im Gedächtnis hatte ich das Bild "Schlafender". Mein Vater jedoch sah aus als wenn er zusammengeschlagen worde. Die ganze linke obere Gesichtshälfte blau, gelb, rot, die Nase schief (mit hoher wahrscheinlichkeit gebrochen) mit getrocknetem Blut o.ä. Einfach fuchtbar. Das war nicht mein Vater.

Total unter Schock habe ich es leider auch nicht geschaft die Kraft aufzubringen erneut rein zu gehen mich doch zu verabschieden. Zum Glück habe ich zu meinem Sohn vorab gesagt ich geh erstmal allein rein, so das er dieses Bild des Grauens nicht gesehen hat.

Nun meine Frage, kann ich das Bestattungsinstitut auf Schmerzensgeld verklagen? Hätten Sie mir die Zusatzdienstleistung der thanatopraxie anbieten müssen, hätten sie mich darauf hinweisen müssen das er nicht geschminkt wird? Oder hätte ich einen Tag nach dem ich erfahren habe das mein geliebter Vater verstorben ist fragen müssen, ob er geschminkt wird? Die Leiche muss doch so hergerichtet werden das die Hinterbliebenen die Möglichkeit haben sich am offenem Sarg zu verabschieden, gerade bei plötzlich eintretenem Tod. Ich konnte mich weder verabschieden noch realisieren das mein Vater verstorben ist, da ich an diesem Tag nicht mein Vater sah. Ich weiß auch nicht was schlimmer ist, dieses Bild im Kopf, oder nicht Abschied genommen zu haben.

Ich litt 3 Jahren unter Angstzuständen und Panikattacken. Seit 2 Jahren ging es mir wieder gut. Nun hab ich seit 4 Wochen wieder Angstzustände. Angst vorm Einschlafen da ich ständig aufwache, Verlustängsten. weiß nicht wie ich dies alles verarbeiten soll.

Was ich noch hinzufügen sollte:

im Kostenvoranschlag stand: hygienische Versorgung, einbetten und vorsorgen. Aber ich als Laie weiß nicht welche Dienstleistungen dies beinhaltet.


Was kann ich tun? Hab ich eine Chance zu klagen? (ich habe keine Rechtschutzversicherung)

Mit freundlichem Gruß

Nicole Rollfing

Sehr geehrte Fragestellerin,

zunächst bedanke ich mich für Ihre Anfrage.

Das Schmerzensgeld ist ein Schadenersatzanspruch, der bei Verletzung des Körpers oder der Gesundheit vom Schädiger verlangt werden kann ( § 253 Abs. 2 BGB).

Eine psychische Beeinträchtigung durch einen erlittenen Schock stellt eine Gesundheitsverletzung dar, wenn es zu medizinisch konstatierbaren Folgewirkungen kommt, die das Maß an Bestürzung und Betroffenheit überschreiten, mit denen normalerweise gerechnet werden muss. Die Beeinträchtigung muss medizinisch attestiert und einen echten Krankheitswert haben ( BGH Urteil v. 06.02.2007 Az: VI ZR 55/06). Dafür ausreichend sind z.B. Schlafstörungen oder Antriebsrücksichtslosigkeit mit Rückzugstendenzen.

Allerdings und das ist die in Ihrem Fall bestehende Problematik, werden diese Schockschäden, die zu einem Schmerzensgeldanspruch führen, nur im Bereich des Unfallrechts von der Rechtsprechung anerkannt und auch nur dann, wenn der Angehörige, der vom Unfalltod erfährt oder mit ansehen muss, bedingt durch die erlittene seelische Erschütterung, selbst krank wird. In diesem Fall steht ihm ein Schmerzensgeldanspruch gegen den Unfallverursacher vor. In allen anderen Fällen lösen Schockschäden keinen Schmerzensgeldanspruch gegen den Schädiger aus.

Insoweit sehe ich leider keine Möglichkeit, gegen das Bestattungsinstitut erfolgreich gerichtlich auf Zahlung von Schmerzensgeld vorzugehen. Die in der Rechtsprechung anerkannten Fälle auf Zahlung von Schmerzensgeld bei Schockschäden mit Krankheitswert beschränken sich allein auf Angehörige bei der Verletzung oder Tötung von Angehörigen durch ein Unfallereignis. Dies hat der BGH in seinem Urteil vom 20.03.2012 - VI ZR 114/11 noch einmal ausdrücklich festgestellt.

Ich bedaure, Ihnen keinen günstigeren Bescheid geben zu können und stehe bei Unklarheit gerne für eine Nachfrage zur Verfügung.


Mit freundlichem Gruß

Peter Dratwa
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 05.07.2012 | 17:17

Sehr geehrte Frau Dratwa,

vielen Dank für Ihre Antwort. Gibt es denn eine andere Möglichkeit wie ich gegen diese Fahrlässigkeit vorgehen kann. Eine Schadensersatzklage vielleicht? Ich bin Laie, aber irgendwas muss ich doch tun können. Das kann man doch nicht hinnehmen. Ich und auch mein Sohn werden nie die Möglichkeit erhalten sich zu verabschieden. Und zum Glück hab ich nicht auf die Dame gehört, sonst müsste auch mein Sohn mit diesem Bild leben. Hätte der Leichnahm nicht geschminkt werden müssen? Gibt es da keine Pflicht bei sichtbaren Verletzungen? Ich habe auch Foto´s als Beweis.

Wenn es keine Pflicht ist, hätte mich das Bestattungsinstitut nicht drauf hinweisen müssen? Anstelle hat der Friedhofsgärtner (Gehilfe) zu mir gesagt "er" sieht gut aus, als wenn er schläft ich brauche keine Angst haben.

Ich bedanke mich im voraus für Ihre hoffentlich positive Antwort.

Mit freundlichem Gruß


Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.07.2012 | 19:10

Sehr geehrte Fragestellerin,

bei dem mit dem Bestattungsinstitut abgeschlossenen dem Vertrag handelt es sich um einen gemischten Vertrag, der überwiegend werkvertraglichen Charakter hat, so dass Werkvertragsrecht Anwendung findet.

Das Bestattungsinstitut war somit verpflichtet, ein mangelfreies Werk gem. § 633 Abs. 1 BGB zu verschaffen. Die nicht vorgenommene Thanatopraxie an Ihrem verstorbenen Vater, die hier unbedingt erforderlich gewesen wäre, um Ihnen eine würdige Abschiednahme im Rahmen der Trauerfeier zu ermöglichen, stellt einen erheblichen Mangel der Vertragsleistung im Sinne des § 633 Abs. Nr. 2 BGB dar. Zumindest hätte das Bestattungsinstitut Sie entsprechend aufklären müssen, dass der Kostenvoranschlag keine Thanatopaxie enthält und aufgrund dessen der Anblick des ihres aufgebahrten Vaters nur schwerlich zu ertragen sein wird. Als Rechtsfolge hiervon besteht die Möglichkeit der Minderung des Werklohnanspruches des Bestattungsinstitutes gem. § 634 Nr. 3 i.V.m. § 638 BGB. D.h., die Vergütung des Bestattungsinstitutes ist vorliegend in dem Verhältnis abzusetzen, in welchem zur Zeit des Vertragsschlusses der Wert des Werkes in mangelfreiem Zustand zu dem wirklichen Wert gestanden haben würde.

Bei einer Trauerfeier handelt es sich um einen emotionalen Ausnahmezustand, der eine besonders sensible Vorgehensweise seitens des Bestattungsinstitutes erfordert hätte. Die fehlende Aufklärung bezüglich der Nichtvornahme der Thanatopraxie ist in Ihrem Fall derart schwerwiegend, dass der Vergütungsanspruch des Bestattungsinstitutes möglicherweise sogar ganz entfällt oder ganz erheblich zu mindern wäre. Insoweit kommt es letztlich darauf an, welchem Anblick Sie ausgesetzt waren und welche nachhaltigen Folgen dies für Sie noch hat.

Sie können sich diesbezüglich an mich gerne per E-Mail wenden:p.dratwa@t-online.de

Mit freundlichem Gruß

Peter Dratwa
Rechtsanwalt

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