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Rechte gegenüber Reiseveranstalter

| 04.09.2008 10:45 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Meine Frau und ich hatten über Jahn Reisen eine 14-tägige Urlaubsreise vom 16.8. - 30.8.08 in Puerto de la Cruz/Teneriffa gebucht. Der Reisepreis betrug zusammen € 1.844,--. Der Rückflug nach Zürich sollte am 30.8. um 17.45 Uhr sein. Wir wurden planmäßig am 30.8. gegen 13.30 Uhr vom Hotel abgeholt und zum Flughafen Teneriffa Süd gebracht, wo wir um 15.00 Uhr eintrafen. Dort eröffnete uns die Reiseleiterin, daß der Rückflug wegen technischer Probleme verschoben wird bzw. daß er erst am nächsten Tag, also am Sonntag, den 31.8., stattfinden könne. Sie hätte es erst erfahren, als der Bus bereits unterwegs war. Wir wurden dann um 16.00 Uhr mit einem Bus vom Flughafen abgeholt und zum 5-Sterne-Hotel El Mirador an der Playa Ducque gebracht, wo von der Fluggesellschaft Air Berlin Zimmer mit Halbpension gebucht worden waren. Dort wurden wir am 31.8. um 9.00 Uhr wieder abgeholt und zum Flughafen gebracht. Der Rückflug sollte ursprünglich um 11.27 Uhr sein, verschob sich aber nochmals, sodaß der Flieger erst um 12.40 Uhr startete. Als Grund für die Verschiebung des Fluges vom 30.8. auf den 31.8. nannte der Flugkapitän dann per Durchsage, daß man bei der Inspektion der Maschine in Zürich ein defektes Scharnier festgestelt habe, das aber am Lager in Zürich nicht gefunden wurde. Deshalb mußte man es erst per Taxi von Frankfurt nach Zürich bringen lassen.

Folgende Punkte sind noch wichtig:

- Die Fluggesellschaft hatte zwar in dem Hotel Halbpension bestellt. Wie uns eine Angestellte der Air Berlin am Flughafen sagte, sei auch ein Getränk beim Abendessen frei. Wir mußten jedoch die Getränke im Hotel selbst bezahlen mit dem lakonischen Hinweis, wir sollten die Rechnung an Air Berlin schicken (Rechnung liegt mir vor). Weitere Erfrischungen oder Getränke gab es von Air Berlin nicht.

- Weiterhin wurden uns keine Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt, d.h. wir mußten selbst per Handy unsere Bekannten und Verwandten, die uns auch vom Flughafen Zürich abholen wollten über die Verschiebung des Fluges informieren. Dadurch fielen für uns erhebliche Telefonkosten an. Weiterhin konnten wir den Bekannten, der uns von Zürich abholen wollte
(einfache Entfernung ca. 140 km), nicht erreichen, sodaß er am 30.8. unnötigerweise zum Flugplatz Zürich fuhr und erst dort feststellte, daß die Maschine nicht kommt (geplante Ankunftszeit war 22.25 Uhr!)

- Wir hatten selbst am Abflugtag keinerlei Informationen darüber, daß der Flug verschoben wird. Andere Fluggäste in Puerto de la Cruz, die bei Alltours gebucht hatten, waren jedoch bereits am 30.8. um 12.00 Uhr informiert worden und konnten an diesem Tag im Hotel bleiben. Andere Jahn-Gäste, die in Hotels an der Playa Ducque untergebracht waren, wußten dies auch bereits am 30.8. um 12.30 Uhr und konnten auch im Hotel bleiben. Wenn wir ebenfalls am 30.8. informiert worden wären, hätten wir ggfs. nicht schon am gleichen Tag unnötigerweise zum Flughafen Teneriffa Süd gebracht werden müssen, d.h. wir hätten den Tag noch anderweitig nutzen können.

- Der 31.8. als Sonntag war für uns durch die Verschiebung des Fluges verloren. Für uns war durch das ganz Hin und Her auch schon wieder ein Teil der Erholung verloren, da wir erst gegen 19.30 Uhr zuhause ankamen.

Frage: Welche Ansprüche kann ich gegenüber Jahn-Reisen geltend machen?

Guten Tag,

Der verspätete Rückflug stellt einen Reisemangel dar, der den Veranstalter grundsätzlich zum Schadensersatz verpflichtet.

• Telefonkosten können Sie grundsätzlich ersetzt verlangt werden. Eventuell werden Sie sich allerdings ein Mitverschulden anzurechnen lassen haben, wenn Sie per Handy telefoniert und nicht z. B. ein Kartentelefon am Flughafen benutzt haben (sofern vorhanden und gegenüber ggfs. angefallenen »Roaming«-Tarifen günstiger).

• Ihre Kosten für Getränke im Hotel können Sie ersetzt verlangen.

• Die unnötige Fahrt des Bekannten zum Flughafen ist kein ersatzfähiger Schaden, da der Bekannte nicht vom Schutzzweck der Pflichten aus dem Reisevertrag erfasst ist. Insoweit bestehen also keine Ansprüche.

• Da der Abflug für den 30. geplant war, ist Ihnen insoweit kein Urlaubstag entgangen (der Rückreisetag gilt bei Pauschalreise nicht als Urlaubstag). Dass Sie also diesen Tag nicht im Urlaubshotel verbringen konnten, begründet für sich keinen Reisemangel und daher keinen Anspruch auf Reisepreisminderung. Dass eine Ungleichbehandlung mit anderen Gästen vorliegt, ist unerheblich (die anderen Gäste haben einfach Glück gehabt und einen zusätzlichen Urlaubstag gewonnen).

• Grundsätzlich kann eine Reisepreisminderung für den gesamten Urlaub in Betracht kommen, wenn auf der Rückreise besondere Unannehmlichkeiten entstehen. Dies müssten allerdings schwerwiegende Gründe sein. Der BGH hat kürzlich für den Fall eines Beinahe-Absturzes auf dem Rückflug eine rückwirkende Reisepreisminderung angenommen. Eine vergleichbare Situation ist in Ihrem Fall nicht gegeben. Die »Frankfurter Tabelle« sieht für den Fall des verzögerten Rückflugs keine Minderungsquote vor. Sie haben allerdings einen Anspruch gegen die ausführende Fluggesellschaft (dazu noch unten).


Fazit: Sie können gegenüber dem Reiseveranstalter Ihre Telefon- und Getränkekosten ersetzt verlangen.

Daneben haben Sie einen Anspruch gegen die ausführende Fluggesellschaft aus der Fluggastverordnung (EG-Verordnung Nr. 261/2004) in Höhe von 400,00 EUR pro Person. Beachten Sie bitte, dass dieser Anspruch direkt gegenüber der Fluggesellschaft geltend gemacht werden muss. Ob Sie den Anspruch letztlich durchsetzen können, hängt davon ab, ob der technische Defekt am Flugzeug durch unvermeidbare »außergewöhnliche Umstände« verursacht wurde.


Mit freundlichen Grüßen

M. Juhre
Rechtsanwalt


_______________
ra-juhre@web.de

Nachfrage vom Fragesteller 05.09.2008 | 08:01

Zum letzten Absatz habe ich noch eine Frage, bevor ich meinen Anspruch an Air Berlin abschicke. Als Begründung gab der Kapitän auf dem Rückflug per Durchsage an, daß bei Wartungsarbeiten in Zürich ein Scharnier beschädigt wurde, das nicht ausgetauscht werden konnte, weil es am Lager in Zürich nicht gefunden wurde. Deshalb mußte es per Taxi von Frankfurt nach Zürich gebracht werden. Ich und meine Frau erinnern sich deshalb noch so gut an diese Begründung, da sie im Flugzeug allgemeines Gelächter und Kopfschütteln hervorgerufen hat. Handelt es sich hierbei um einen "außergewöhnlichen Umstand"? Meiner Meinung liegt da sogar ein Eigenverschulden der Fluggesellschaft vor.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.09.2008 | 15:33

Zu Ihrer Nachfrage:

Ihr Anspruch ist nur dann ausgeschlossen, wenn die Fluggesellschaft sich durch die außergewöhnlichen Umstände entlasten kann. Air Berlin müsste also nachweisen, dass sich die Verspätung (bzw. Annullierung des ursprünglichen Flus) auch dann nicht hätte vermeiden lassen, wenn alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen worden wären. Wenn es in Ihrem Fall so ist, dass ein für die Flugsicherheit notwendiges Ersatzteil nicht auf Lager gehalten wurde, dann dürfte dieser Entlastungsbeweis nicht gelingen. Sie können also nach erster Einschätzung davon ausgehen, dass Ihr Anspruch begründet ist.


Mit freundlichen Grüßen

M. Juhre
Rechtsanwalt

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