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Hotel nicht fertig

17.06.2017 15:09 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von


16:58

Zusammenfassung: Wenn ein Reiseveranstalter die vertraglich geschuldete Leistung nicht erbringen kann, bestehen Ansprüche auf Kündigung des Reisevertrages.
Der Reisepreis ist zurückzuzahlen und zusätzlich entstehen Ansprüche auf Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

Hallo,

wir haben im November 2016 ein kinderfreies 4 Sterne Hotel in Süditalien gebucht dass unter anderem folgendes bieten soll: Abendanimation, Sportprogramm, zwei Restaurants, Amphitheater, Strandbar, Lage direkt am Meer. Das Hotel ist nun, 4 Wochen vor Reisebeginn (Sommerferien), nicht rechtzeitig fertig. Vom Veranstalter wurde uns ein 3,5 Sterne Hotel 80km entfernt angeboten, welches wir abgelehnt haben. Das Reisebüro sucht nun nach Alternativen, es gibt aber zum einen kein vergleichbares Hotel am Ort und zum anderen wenn überhaupt nur noch wenige einfachere Hotel, ohne Animation, nur mit einem Restaurant usw. Die Preise liegen wenn überhaupt deutlich über dem was wir gebucht haben. Wenn wir nun ein Alternativhotel nehmen, haben wir trotzdem Schadensersatzansprüche?

Schließlich bekommen wir, wenn überhaupt bei weitem nicht was wir gebucht haben. Da wir vorher noch 4 Tage in Rom sind und von dort der Flug ibs Zielgebiet geht, können wir nicht einfach komplett von der Reise zurücktreten.

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Viele Grüße
17.06.2017 | 16:38

Antwort

von


(36)
Gutenbergplatz 1
65187 Wiesbaden
Tel: 0611-991660
Web: http://reiserechtsexperte.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,
gerne beantworte ich Ihre Frage unter Berücksichtigung des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes wie folgt:
Ich unterstelle, dass das Hotel bei einem Reiseveranstalter – so wie Sie es erwähnt haben – gebucht wurde. Nur wenn diese Annahme richtig ist, kann ein Reisevertrag gemäß § 651a Abs. 1 BGB zugrunde gelegt werden.

Sollte das Hotel entgegen dieser Annahme nicht bei einem Reiseveranstalter, sondern beispielsweise unter Zuhilfenahme eines Vermittlungsportals (beispielsweise Opodo, EXPEDIA oder HRS) gebucht worden sein, gilt nachfolgendes ausdrücklich n i c h t.

Mit der Buchung eines Hotelzimmers bei einem Reiseveranstalter kommt der Abschluss eines Reisevertrages zustande. Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, die Leistung so zu erbringen, wie sie geschuldet ist. Wenn der Reiseveranstalter die vertraglich geschuldete Leistung nicht erbringen kann, besteht ein Reisemangel. Im vorliegenden Fall ist nicht nur ein einfacher Mangel, sondern eine komplette Leistungsänderung zu verzeichnen. Diese hat zur Konsequenz, dass entweder unter Berufung auf Reisemängel der Vertrag gekündigt werden kann (Voraussetzung ist allerdings Fristsetzung zur Erfüllung der geschuldeten Leistung), andererseits kann aber auch der Rücktritt vom Vertrag gemäß § 651a Abs. 5 BGB erklärt werden. Der Rücktritt muss unverzüglich nach Kenntnis von der Leistungsänderung erklärt werden.

Rechtsfolge ist es, dass Ihnen der Reisepreis zurückerstattet werden muss und zusätzlich haben Sie Ansprüche auf eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit in Höhe von 50 % des Reisepreises.
Anschließend zitiere ich zur Ergänzung Ausführungen über die Rechtslage, die ich an anderer Stelle zum gleichen Sachverhalt im Internet veröffentlicht habe.

"Mit Urteil vom 10. November 2016 hat das Amtsgericht Bad Homburg einen Reiseveranstalter verurteilt, 50 % des Reisepreises als Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zu bezahlen, nachdem der Reisende den Reisevertrag wegen angekündigter Baumaßnahmen im Ferienhotel gekündigt hat.
Was war geschehen?
Der Kläger buchte eine Urlaubsreise auf die Malediven für die Zeit vom 15. bis zum 29. Juni 2016 zum Preis von 4.072,00 €. Die Vereinbarung über das Hotel hatte das Vorhandensein eines Swimmingpools zum Inhalt. Mit Schreiben vom 25. Februar 2016 teilte der Reiseveranstalter mit, dass der Swimmingpool der gebuchten Hotelanlage renoviert werde und es während des Aufenthaltes zu Lärm- und Staubeinwirkungen kommen kann. Der Kläger hat den Reisevertrag hiernach gekündigt. Der Reiseveranstalter hat den Reisepreis zurückgezahlt. Der Reisende verlangte zusätzlich eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit, da seine Reise aufgrund des Verhaltens des Reiseveranstalters vereitelt wurde. Eine vergleichbare Ersatzreise konnte nicht mehr gebucht werden.

Urteil des Amtsgerichts Bad Homburg
Das Amtsgericht hat der Klage im vollen Umfang stattgegeben. Zur Begründung hat es ausgeführt, dem Kläger und seiner mitreisenden Ehefrau stehe ein Anspruch auf Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit nach § 651f Abs. 2 BGB zu, denn ausweislich der Prospektbeschreibung sollte die Unterkunft über einen Swimmingpool mit Whirlpool, Poolbar und Terrasse zum Strand verfügen. 
Nach den Ankündigungen des Reiseveranstalters sei mit erheblichen Beeinträchtigungen der Reise zu rechnen, die angekündigten Abweichungen vom Vertrag würden die Minderung des Reisepreises in Höhe von 35 % nach sich ziehen, sodass die Kündigung berechtigt war. Danach galt die Reise als vereitelt im Sinne des § 651f Abs. 2 BGB. Die Höhe der geltend gemachten Entschädigung (50 % des Reisepreises) stehe im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Urteil vom 11. Januar 2005). 
Gegen das Urteil hat der Reiseveranstalter Berufung zum Landgericht Frankfurt erhoben. Über die Berufung ist noch nicht entschieden.
Anmerkungen zum Urteil
Das Urteil das Amtsgerichts Bad Homburg überzeugt in jeder Hinsicht. Wenn der Reiseveranstalter Beeinträchtigungen der zukünftigen Reise vorhersieht, muss er den Reisenden hierüber informieren, damit er mögliche Schritte ergreifen kann. Im vorliegenden Fall waren die Beeinträchtigungen so gravierend, dass die Reisenden – hätten sie die Reise angetreten – keine Freude an dem Urlaubsaufenthalt gehabt hätten. Bauarbeiten während der Reise in unmittelbarer Nähe zur Unterkunft stellen stets eine der erheblichsten Beeinträchtigungen der Reise vor, die denkbar sind. Aus diesem Grund ist es gerechtfertigt, den Reisevertrag zu kündigen.
Da die Gründe für die Kündigung aus der Sphäre des Reiseveranstalters stammen, ist es konsequent, dem Reisenden den Anspruch auf Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zuzusprechen. Etwas anderes kann nur dann gelten, wenn der Reiseveranstalter für Abhilfe sorgt und mit dem Reisenden eine Einigung über eine zumutbare Ersatzunterkunft herbeiführt. Erfolgt eine solche Einigung nicht und bucht der Reisende dann aber entweder beim selben oder einem anderen Reiseveranstalter eine Ersatzreise, so besteht der Anspruch auf Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit weiter."


Für die Beratung zu den Ansprüchen nach Reisemängeln jeglicher Art steht Ihnen advocatur Wiesbaden – die Spezialkanzlei für Reise- und Luftverkehrsrecht – gerne zur Verfügung.
Ich hoffe, die Ausführungen waren für Sie hilfreich.


Nachfrage vom Fragesteller 17.06.2017 | 16:47

Hallo Herr Hopperdietzel,

vielen Dank für Ihre Antwort. Die Reise würde über TUI gebucht, der Rom Teil vorab jedoch extra. Wenn wir nun an TUI herantreten und um ein anderes Hotel bitten, was wie gesagt nicht gleichwertig sein kann, können wir dann nachträglich trotzdem die Dinge geltend machen die das neue Hotel nicht erfüllt? Wir möchten auf keinen Fall komplett zurücktreten, da wir wie gesagt vorab in Rom sind und von dort per Inlandsflug ins Zielgebiet reisen und sonst befürchten keinen Rückflug von Rom zu bekommen.

Wie verhalten wir uns vor der Reise korrekt um im Nachhinein Ansprüche geltend machen zu können?

Erneut herzlichen Dank

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.06.2017 | 16:58

Sehr geehrter Fragesteller,
Ihre Nachfrage beantworte ich gerne wie folgt: so wie ich es verstanden habe, kann der Reiseveranstalter lediglich ein minderwertiges Hotel anbieten, das Sie nicht annehmen möchten. Alternativen findet Ihr Reisebüro (wohl bei anderen Anbietern) nicht.
Damit steht für mich fest, dass Sie sowohl von TUI als auch von anderen Veranstaltern keine vertragsgemäße und akzeptable Leistung erhalten können.
Bei dieser Ausgangslage empfiehlt es sich, den Vertrag mit TUI zu kündigen und bei irgend einem anderen Anbieter eine Leistung in Anspruch zu nehmen. Diese Variante hätte zur Folge, dass Sie sich den Anspruch auf Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit erhalten. Sollten noch Fragen bestehen, so müssten diese dann im Gespräch zwischen uns geklärt werden. zur Entgegennahme und Abstimmung eines Termins steht Ihnen meine Kanzlei ab kommenden Montag gerne zur Verfügung.

Ergänzung vom Anwalt 17.06.2017 | 16:42

Wenn Sie die Reiseleistungen, die Ihnen alternativ angeboten werden, annehmen, bestehen lediglich Ansprüche auf Minderung des Reisepreises.
Zu denken wäre aber auch an eine sogenannte Selbstabhilfe, d. h. Sie suchen sich im Zielgebiet eine vergleichbare Unterkunft, müssen die allerdings zunächst selbst bezahlen und verlangen die Aufwendungen hierfür vom Reiseveranstalter zurück. Auch hier ist Voraussetzung, dass Sie dem Reiseveranstalter eine Frist zur Erfüllung der geschuldeten Leistungen gesetzt haben.


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