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Flugverschiebung Pauschalreise - Höhe der Entschädigung?

03.10.2012 23:22 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von


2 Tage vor Ende unseres pauschal in Spanien gebuchten Urlaubs erhielten wir die Nachricht, daß unser Rückflug um mehr als 10 Stunden nach hinten verschoben und außerdem statt nach Düsseldorf nach Köln führen würde, von wo aus ein Bustransfer nach Düsseldorf organisiert war. Ankunft in Köln um 0.30 Uhr des auf den Rückreisetag folgenden Tages, in Düsseldorf nach 2.00 Uhr. Um 7.30Uhr desselben Tages hatte ich einen wichtigen geschäftlichen Termin wahrzunehmen und unsere beiden kleinen Kinder waren völlig übermüdet.
Der Reiseveranstalter hat uns (2 Erw., 2 Kinder) nun pauschal 135 Euro sowie einen bei ihm innerhalb der nächsten 2 Jahre einzulösenden Reisewertgutschein von 50 Euro als Entschädigung angeboten.

Können wir in diesem Fall eine höhere Entschädigung einfordern? Wenn ja, in welcher ungefähren Höhe mit welchen Argumenten?
04.10.2012 | 01:05

Antwort

von


(33)
Braamkamp 14
22297 Hamburg
Tel: (040) 87 50 47 34
Web: http://www.kanzlei-alsterland.de
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Sehr geehrte Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gern wie folgt beantworten möchte:

Da Sie den Mangel der Reise bereits bei Ihrem Reiseveranstalter geltend gemacht haben, haben Sie bisher schon einmal alles richtig gemacht – denn hier gilt die Frist von einem Monat nach Ende der Reise.

Vorweg sagen kann ich Ihnen definitiv jedenfalls schon einmal, dass Sie zumindest eine Entschädigung (auch teilweise) in Gestalt eines Reisegutscheines nicht akzeptieren müssen. Ob dies für Sie im Einzelfall sinnvoll sein kann, müssen Sie selbst beurteilen. Leider kann ich anhand Ihrer bisherigen Angaben nicht abschätzen, ob dies gegebenenfalls ein finanzieller Vorteil für Sie sein könnte.

Zum Hintergrund: Pauschalreisen sind komplexe Dienstleistungen, die – im Gegensatz zu einem reinen Transport, beispielsweise durch ein Flugzeug – regelmäßig nicht mit bestimmten Mängeln stehen und fallen. Gegenüber dem Reiseveranstalter haben Sie daher "nur" das Recht der Minderung und zwar in dem Maße, wie sich die Flugverspätung auf die gesamte Reise ausgewirkt hat.

Eine solche Minderung richtet sich zunächst einmal danach, wie lange der Mangel aufgetreten ist und wie schwer dieser zu beurteilen ist.

Vorliegend handelte es sich um die letzten Reisetag, also um einen Tag. D.h., Sie müssen zunächst den Gesamtpreis der Reise nehmen und durch die Anzahl der Tage dividieren. Nur als einfaches Rechenbeispiel: Haben Sie für 14 Tage 1400 € bezahlt, während dies also 100 €.

Ab der vierten Stunde der Reiseverzögerung haben Sie nach der "Frankfurter Tabelle" grundsätzlich einen Anspruch auf Minderung von 5 % pro weiterer Stunde, die Sie warten mussten. Das wären nach meiner Rechnung also 30 % des TAGESreisepreises. Hierbei ist allerdings einschränkend zu sagen, dass diese Frankfurter Tabelle Richtlinien beinhaltet, die das Frankfurter Landgericht aufgestellt hat und lediglich eine Orientierung für durchschnittliche Fälle bildet. Andere Gerichte sind daran zwar nicht gebunden, richten sich jedoch regelmäßig danach. Das bedeutet, dass bestimmte Erschwernisse (durch Kinder, die späte Ankunft in der Nacht, der frühe Geschäftstermin) im Einzelfall durchaus berücksichtigt werden können. In der Praxis neigen jedoch viele Gerichte (der Einfachheit halber) dazu, diese Richtschnur relativ schematisch anzuwenden.

Da ich den Gesamtpreis der Reise nicht kenne, kann ich Ihnen den Reiseveranstalter betreffend keine ungefähre Höhe nennen. Aber soweit ich die Berechnungsmethode verständlich darstellen konnte, dürfte es für Sie jetzt keine große Schwierigkeiten bereiten, den Minderungsbetrag mittels Taschenrechner selbst herauszufinden und entsprechend zu beurteilen, ob das Angebot des Reiseveranstalters fair ist.

Auch wenn sich Ihre Frage hierauf nicht direkt bezog, möchte ich jedoch Ihre Aufmerksamkeit auch noch auf die Fluggesellschaft lenken, die Sie befördern sollte. Wenn diese für die Verzögerung verantwortlich war (und beispielsweise keine höhere Gewalt oder "außergewöhnliche Umstände" im Spiel waren) haben Sie hier gegebenenfalls einen direkten Anspruch gegen die Fluglinie auf Entschädigung. Nach EU-Verordnung 261/2004 könnten Sie hier einen direkten Anspruch geltend machen, da nach der Rechtsprechung des BGH und EuGH eine dreistündige Verspätung so gewertet wird, als ob der Flug überhaupt nicht stattgefunden hat. Die in der EU-Verordnung genannten Beträge sind 250 € pro Person bei einem Flug bis 1500 km, 400 € pro Person bei einem Flug zwischen 1500-3500 km und 600 € pro Person bei einem Flug, der mehr als 3500 km reicht. Wenn Sie nicht bis in den äußersten Norden Spaniens geflogen sind, gehe ich in Ihrem Fall also von 400 € pro Person aus, mithin wäre eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 1600 € grundsätzlich möglich.

Hierzu müsste man natürlich die genaueren Hintergründe kennen, um den Fall abschließend beurteilen zu können. Wichtig für Sie ist im Moment, dass Sie diese Forderung gegenüber der Fluggesellschaft geltend machen müssen, nicht gegenüber dem Reiseveranstalter.

Abschließend als ergänzenden Hinweis: Zumindest in der Vergangenheit sperrten sich Fluggesellschaften regelmäßig gegen die Zahlung einer solchen Entschädigung, sodass oftmals der Klageweg beschritten werden musste. Um hier Anwaltskosten im Vorfeld zu sparen (jedenfalls wenn Sie nicht rechtschutzversichert sind), sollten Sie bei der Aufstellung Ihrer Forderung gegenüber der Fluggesellschaft eine Frist setzen und vor allem einen Nachweis dafür haben, dass ihre Forderung dort eingegangen ist. Damit wäre die Fluggesellschaft in Verzug und müsste auch die Kosten für die Beauftragung eines Anwalts als weiteren Schadensersatz zahlen, wenn sie die Entschädigung zu Unrecht verweigert.

Für eine weitere Überprüfung, bzw. Geltendmachung dieser Forderung stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Ich hoffe, dass Sie durch meine Antwort einen ersten Überblick gewonnen haben. Wenn etwas unklar geblieben ist, stehe Ihnen gerne über die kostenlose Nachfragefunktion weiter zur Verfügung.

Rein vorsorglich, aber immer wieder wichtig: Bei den hier gegebenen Antworten handelt es sich regelmäßig lediglich um eine erste Orientierung für Sie, um Ihnen einen Eindruck von der rechtlichen Lage zu vermitteln. Die „klassische" Erstberatung bei einem Anwalt kann nur bei ganz konkreten Fragen ersetzt werden, denn häufig ergeben sich später weitere Punkte. Auch können manche Tatsachen und Umstände, die nicht erwähnt wurden oder gar nicht zutreffen, zu einer völlig anderen rechtlichen Bewertung führen.

Aber wenn Sie bisher zufrieden waren und weitergehenden Beratungsbedarf haben, können Sie sich gern direkt bei mir melden.

Mit freundlichen Grüßen

Jörn Blank
Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Jörn Blank

Nachfrage vom Fragesteller 04.10.2012 | 22:42

Sehr geehrter Herr Blank,

vielen Dank für Ihre prompte Antwort.

Bezüglich der Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber der Fluggesellschaft ist mir nicht klar, wie ich jetzt noch - mehr als 6 Wochen nach Ende der Reise aktiv werden kann, zumal diese ja gar nicht mein Vertragspartner war/ist.

Vielen Dank und viele Grüße, Clemens Miller

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.10.2012 | 09:29

Sehr geehrter Fragesteller,

auch wenn die Reise bereits vor sechs Wochen ihr "vertraglich vorherbestimmtes Ende" genommen hat, wäre das gegenüber der Fluggesellschaft kein Problem. Die in meiner ersten Antwort erwähnte Ausschlussfrist von einem Monat gilt lediglich in Bezug auf Reisemängel, die gegenüber dem Reiseveranstalter geltend gemacht werden.

Soweit deutsches Recht anzuwenden ist – wovon ich jetzt ausgehe – gilt bei Ansprüchen, die sich auf die EU-Fluggastverordnung stützen, die dreijährige Regelverjährungsfrist (BGH Urteil v. 10.12.2009, Az. Xa ZR 61/09). Ob ein solcher Anspruch im Ergebnis auch besteht, lässt sich natürlich nicht abschließend beurteilen, da ich keine Hintergrundinformationen über die Umbuchung habe.

Aber wenn die Fluggesellschaft nicht Ihr Vertragspartner war, ist das jedenfalls kein Problem. Sie würden in diesem Fall keine vertraglichen Ansprüche geltend machen. Der Anspruch lässt sich direkt auf die EU-Fluggastverordnung stützen.

Die ursprüngliche Buchung und die spätere tatsächliche Teilnahme an einem Flug wird sich anhand der Flugdokumente nachvollziehen lassen. Mit diesen Angaben können Sie sich dann an die Fluggesellschaft wenden.

Mit freundlichen Grüßen
Jörn Blank

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