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aktuelle Gesetzeslage bzgl. Firmenwagen Homeoffice

29.06.2018 11:05 |
Preis: 40,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Diplom Kaufmann Peter Fricke


Zusammenfassung: Fahrtenbuch oder Entfernungspauschale und 1 Prozent Regelung vom Bruttolistenpreis,
eine Frage die gut durchdacht und durchgerechnet werden sollte. Ein Fahrtenbuch mag lästig
sein, kann aber erhebliche Summen an zu versteuerndem geldwerten Vorteil einsparen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in meinem neuen Job endet bald die Probezeit und mein Chef möchte mir einen Firmenwagen zur Verfügung stellen, den ich auch privat nutzen darf. 1% Regelung ist vorgesehen.

Eckdaten:
Ich bin als Vertriebsmitarbeiter mehrmals die Woche deutschlandweit bei Kunden, erledige die dazu nötige Büroarbeit von zuhause aus (Homeoffice, Nähe Heidelberg mit PC- und Arbeitsmittelgestellung durch den Arbeitgeber) und fahre nur 2-3 mal pro Monat für jeweils 1-2 Tage zur Abstimmung/Besprechung mit meinen Kollegen und teilweise auch mit Kunden in den ca. 180 km entfernten Firmensitz (Schwarzwald), in dem auch unser Showroom für Kunden-Workshops ist. Bei An- und Rückfahrt teilweise Kombination mit Kundenbesuchen, die auf dem Weg liegen.

Meine Frage:
Wie wird der geldwerte Vorteil beim Firmenfahrzeug abgerechnet bzw. versteuert?
1 %-Regelung + Entfernung Wohnort-Arbeitsstätte?
Entfällt in diesem Fall der geldwerte Vorteil für die Wohnort-Arbeitsstätte-Entfernung da ausschließlich Außendienst?
Ansonsten Fahrtenbuch erforderlich?

Wie ist Ihre Empfehlung und Berechnung bzw. die aktuelle Rechtslage diesbezüglich?
Was ist Ihrer Meinung nach die günstigste/ einfachste Lösung für mich?
Was muss ich tun, um spätere böse Überraschungen zu vermeiden?

Gerne erwarte ich Ihre Rückantwort.

Mfg.

Sehr geehrter Ratsuchender,

bei der von Ihnen angedachten Nutzung kommen hier zweimal Ansätze zur Versteuerung des geldwerten Vorteils zur Anwendung.

Monatlich wird 1 Prozent des Bruttolistenpreises herangezogen, womit je nach Preis des Fahrzeuges die monatliche Nutzung sich für den Arbeitnehmer lohnen oder auch nicht lohnen kann.

Für den Entfernungskilometer von zuhause aus zur ersten Arbeitsstätte werden dann als Zuschlag pauschal weitere 0,03 Prozent aus dem obigen Bruttolistenpreis zusätzlich herangezogen. Abzustellen ist bei diesem Zuschlag auf die einfache Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte; diese ist auf den nächsten vollen Kilometerbetrag dann abzurunden. Leider ist es hierbei unerheblich, wie oft das Fahrzeug tatsächlich für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte von Ihnen dann genutzt wird. Die Monatspauschale ist bereits dann anzusetzen, wenn der Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt auch nur einmal in der Woche zu seinem Arbeitgeber fährt und im Betrieb, Büro oder in einer sonstigen Arbeitgebereinrichtung oder auch bei Kunden seine dortige Tätigkeit verrichtet. Ob dies im Jahresdurchschnitt von Ihnen unterschritten werden kann, sollten Sie mit dem Arbeitgeber besprechen und mit einem Steuerberater verbindlich planen.

Die pauschale monatliche Versteuerung und der Zuschlag fallenalso erst einmal beide bei Ihnen an. Wenn diese beruflichen Fahrten gering und selten sind, sollte ein Fahrtenbuch überdacht werden. Dann würde nur der Anteil versteuert werden, der auch privat angefallen ist.

Meine Aussagen gelten grundsätzlich, aber es ist auch immer der Wert des Autos zu berücksichtigen. Wer einen Fiat für 10.000 Euro zur Verfügung gestellt bekommt ( Pflegedienste ), kann mit 120 Euro ungefähr monatlich sich ein Entgelt unterstellen lassen, das er zu seinem Steuersatz moderat monatlich versteuern kann.

Wer aber als Vertreter einen hochwertigen Wagen hat, der nur schon bei 40.000 Euro seinen Wert hat, zahlt hier durchaus drauf. Im Normalfall wären hier bei 20 km Weg von zuhause bis zum Arbeitsplatz bereits weitere 240 Euro ( 40.000 Euro x 0,03 Euro BLP x 20 km ) zu versteuern. Wenn in Ihrem Fall diese Entfernung zu einer ersten Arbeitsstäte bereits 180 km bis zur Firmenzentrale beträgt, wäre diese weitere Versteuerung als erheblich und irgendwann sogar auch ungerechtfertigt anzusehen. Aber diese Regelung ist bindend und kann auf einer Wertungsebene nicht beseitigt werden.

Um dies zu umgehen, können und sollten Sie ein Fahrtenbuch führen.

Aber, soweit noch weitere Fragen vor dem obigen Hintergrund bestehen sollten, bin ich gerne bereit, noch Klarstellungen und Ergänzungen vorzunehmen.

In der Hoffnung, Ihnen erst einmal behilflich gewesen zu sein verbleibe ich


Fricke
Rechtsanwalt und Diplom Kaufmann






Nachfrage vom Fragesteller 29.06.2018 | 14:22

Sehr geehrter Herr Fricke,

vielen Dank zunächst für Ihre sehr informative Antwort.
Welche Möglichkeit habe ich konkret, damit das Finanzamt meine Wohnung als erste Arbeitstätte anerkennt und ich somit 0 km Arbeitweg angeben kann? Reicht herzu eine schriftliche Erklärung meines Arbeitgebers, oder stehen die Chancen diesbezüglich eher schlecht?
Welche Fahrten genau werden bei einer Fahrtenbuchvariante versteuert und in welcher Form wäre dies zu führen/vorzulegen?

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

Mfg.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.06.2018 | 11:45

Sehr geehrter Nachfragender,

beim Entfernungskilometer wird auf die erste Arbeitsstätte abgestellt, die bei Ihnen dann so ausgerichtet sein sollte, daß diese zuhause ist.

§ 9 Absatz 4 des EStG regelt hierzu:

"Erste Tätigkeitsstätte ist die ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, eines verbundenen Unternehmens (§ 15 des Aktiengesetzes) oder eines vom Arbeitgeber bestimmten Dritten, der der Arbeitnehmer dauerhaft zugeordnet ist. Die Zuordnung im Sinne des Satzes 1 wird durch die dienst- oder arbeitsrechtlichen Festlegungen sowie die diese ausfüllenden Absprachen und Weisungen bestimmt. Von einer dauerhaften Zuordnung ist insbesondere auszugehen, wenn der Arbeitnehmer unbefristet, für die Dauer des Dienstverhältnisses oder über einen Zeitraum von 48 Monaten hinaus an einer solchen Tätigkeitsstätte tätig werden soll. Fehlt eine solche dienst- oder arbeitsrechtliche Festlegung auf eine Tätigkeitsstätte oder ist sie nicht eindeutig, ist erste Tätigkeitsstätte die betriebliche Einrichtung, an der der Arbeitnehmer dauerhaft

-typischerweise arbeitstäglich tätig werden soll oder
-je Arbeitswoche zwei volle Arbeitstage oder mindestens ein Drittel seiner vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit tätig werden soll.

Es sollte also mit dem Arbeigeber festgelegt werden, wo diese erste Arbeitsstätte liegt, namentlich das Home Office. Weitere Fahrten zu der Niederlassung selber sollten dann wöchentlich gering gehalten werden und eigentlich 2 Tage erst einmal nicht erreichen, damit man Ihnen hier keinen Gestaltungsmissbrauch untersagt. Es solllte offenkundig alles so ausgerichtet sein, daß Fahrten zu einem Arbeitsplatz nach Art und Sinn des Arbeitsverhältnisses eigentlich gar nicht ergeben können.

Das Fahrtenbuch wird bei Antritt einer jeden Fahrt ausgefüllt. Datum, Kilometerstand und Ort der beginnenden Fahrt. Bei Ankunft wird wieder das gleiche eingetragen. Dies muss handschriftlich erfolgen, da spätere Exeltabellen änderungszugänglich sind. Es ist zeitnah zu führen, wobei wöchentliche Nachtragungen auch nicht genügen. Bei privaten Fahrten ist lediglich privat anzugeben, gleichzeitig aber auch Datum, Kilometerstand und die jeweilige Unterschrift des Fahrers zu leisten.

Ich denke, das wird die günstigere Variante sein, so könnte der Entfernungskilometer als pauschaler monatlicher Ansatz entfallen und die Prozentregelung würde dann auch entfallen. Versteuert werden müsste dann nur der häufig geringere Satz der privat gefahrenen Kilometer, womit aber die 1 Prozent Höhe des BLP nicht erreicht werden würde.

Bei Beratungsbedarf zu Verträgen oder bei Rücksprache hierzu steht Ihnen jederzeit meine Kanzlei zur Verfügung.

Mit besten Grüßen und "gute Fahrt"

Fricke
Rechtsanwalt

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