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Urheberrecht bei Replik eines Fossils


| 16.11.2015 21:07 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Dr. Danjel-Philippe Newerla



Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich möchte von einer Replik eines Fossils aus Kunstharz eine Replik aus Ton herstellen und diese gewerblich verkaufen.

Für die Herstellung der Replik sind folgende Arbeitsschritte notwendig:
1. Von der Kunstharz-Vorlage wird ein Abdruck mit Latex oder einem anderen Material gemacht
2. Der Abdruck dient dazu eine Replik aus Ton zu erstellen
3. Der Tonabdruck wird „veredelt", d.h. angemalt, glasiert und mehrmals gebrannt.

Meine Frage:
Was ist zu beachten, dass ich mit dem Verkauf meiner Replika keine Urheberrechte verletze?

Einsatz editiert am 18.11.2015 11:05:33
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich Ihnen gerne wie folgt beantworten möchte:

Die Ausgangsfrage, die es zu klären gilt ist, ob die Replik des Fossil (also Ihre Vorlage) urheberrechtlich geschützt ist. Eine abschließende Antwort auf diese Frage ist ohne die Replik gesehen zu haben und insbesondere im Rahmen dieser Erstberatung leider sehr schwierig.

Sofern hier aber zumindest ein gewisser Gestaltungsspielraum gegeben ist (was bei einer Republik zum Beispiel in Bezug auf das Material und ähnliches durchaus der Fall ist), ist vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung davon auszugehen, dass diese Replik urheberrechtlichen Schutz genießt.

Die Frage nach dem urheberrechtlichen Schutz ist deshalb wichtig, weil ohne einen solchen Schutz eine Kopie grundsätzlich möglich wäre.

Unterstellt also, es besteht ein urheberrechtlicher Schutz, während zweiten Schritt zu prüfen, ob die von ihnen beabsichtigte Vorgehensweise rechtlich zulässig ist oder nicht.

Alleine der Umstand, dass Sie ein anderes Material verwenden und es bemalen, genügt grundsätzlich nicht.

Letztendlich kommt es darauf an, ob es eine sogenannte freie Verwendung (das wäre zulässig) oder lediglich eine Bearbeitung (das wäre nicht zulässig) im Hinblick auf das ursprüngliche Werk darstellt.

Ob dieses der Fall ist, ist oftmals eine Gratwanderung, die im Auge des Betrachters liegt und im Streitfall von einem Gericht entschieden werden müsste, das immer auch einen gewissen Beurteilungsspielraum hat. Eine 100%ige Antwort ist aus diesem Grund leider zumindest aus meiner Sicht nicht möglich, zumindest nicht an dieser Stelle.

Zur Abgrenzung, ob es sich um eine freie Verwendung oder um eine Bearbeitung handelt hat der BGH in laufender Rechtsprechung die so genannte Verblassensformel entwickelt.

Hiernach liegt eine (zulässige) freie Verwendung vor, wenn das ursprüngliche Werk hinter dem neuen Werk hinsichtlich seines Charakters bzw. werktypischen Gepräges verblasst. Anders ausgedrückt darf ansatzweise erkennbar sein, dass man sich hat inspirieren lassen von einem Werk, es darf aber nicht lediglich eine untergeordnete Abänderung dieses ursprünglichen Werkes sein.

Wie gesagt handelt es sich um eine Gratwanderung und eine abschließende Beurteilung ist im Rahmen dieser Erstberatung leider nicht möglich. Auf die konkreten Arbeitsschritte kommt es jedenfalls nicht an, sondern auf das fertige Produkt, ob dieses ein eigenständiges urheberrechtlich geschütztes Werk darstellt und nicht lediglich eine unzulässige Abänderung des Ursprungswerkes.
Das von Ihnen beschriebene „Veredeln" dürfte meiner Einschätzung nach alleine nicht genügen, um hier aus der eben beschriebenen urheberrechtlichen Problematik herauszukommen.

Um also keine Probleme zu bekommen, sollten Sie sicherheitshalber den Urheber, also den Ersteller der Replik um Erlaubnis bitten oder eben selber eine entsprechende Replik von einem Fossil herstellen.

Ich hoffe ihnen geholfen zu haben und wünsche Ihnen noch einen angenehmen Donnerstagnachmittag und alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen von der Nordsee

Dr. Danjel-Philippe Newerla
-Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht-

Nachfrage vom Fragesteller 21.11.2015 | 08:44

Vielen Dank fuer Ihre umfassende Antwort. Einen Sachverhalt möchte ich jedoch gerne noch besser verstehen: Sie schreiben: "...ist vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung davon auszugehen, dass diese Replik urheberrechtlichen Schutz genießt. "

Das ursprüngliche Original-Fossil hat keinen Urheber im eigentlichen Sinne, da es sich um ein natürlich entstandenes Artefakt handelt. Wie von Ihnen ausgeführt, kann eine schöpferischer Beitrag nur durch die Wahl des Materials erreicht werden, da ansonsten das Ziel einer Replik eine möglichst exakte Nachbildung ist und es keinen künstlerischen Beitrag gibt. Für die Beantwortung der Frage können Sie davon ausgehen, dass die Replik eine 1:1 Nachbildung des Original-Fossils darstellt, die Wahl des Materials die einzige Variationsmöglichkeit darstellt und das Material von einem Laien nur schwer zu unterscheiden ist.

Das Material ist gleichfalls der Aspekt, in welchem sich meine Herstellungsmethode von der Vorlage unterscheidet: Die Vorlage ist aus Kunstharz, meine Replik aus Ton.

Daher meine Frage: Geniesst der Urheber der Replik daher tatsächlich einen urheberrechtlichen Schutz und wenn ja auf welcher schöpferischen Leistung wäre dieser begründet?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 23.11.2015 | 11:22

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihren Nachtrag.
Es freut mich, dass ich Ihnen schon etwas weiterhelfen konnte.
Gerne möchte ich Ihnen Ihre Nachfrage wie folgt beantworten:

Im Urheberrecht ist auch die sog. „kleine Münze", das heißt auch ein im Einzelfall sehr geringer urheberrechtlicher Beitrag geschützt.
Bei der Replik gibt es mehrere Möglichkeiten im Hinblick auf die Gestaltung, dieses wäre die Wahl und Beschaffenheit des Materials, die Größe (falls diese verändert werden sollte, was vorliegend offenbar nicht der Fall ist) und die Oberflächenbeschaffenheit (rau, glatt, etc.) sowie die Farbgebung (angemalt, Muster, mit Steinchen besetzt, etc.) um nur einige zu nennen.

Wie Sie sehen gibt es also auch im Hinblick auf eine Replik verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten. Auch wenn der Gestaltungsrahmen sehr gering ist (was bei einer Republik eines Fossil zugegebenermaßen wohl der Fall sein dürfte) steht dieses einem urheberrechtlichen Schutz nicht entgegen.

Wenn es eine eins zu eins Nachbildung des Fossils ist und praktisch nicht erkannt bzw. nachgewiesen werden kann, dass sie die andere Replik als Vorlage genommen haben, ist ihre Frage schätze ich eher von theoretischer Natur.

Theoretisch spräche dann einiges dafür, dass es eine nicht zulässige urheberrechtliche Vervielfältigung ist, sofern keine gravierenden Unterschiede vorliegen.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist nicht nur das Material anders, sondern auch die Farbgebung und die Beschaffenheit. Dieses wiederum spricht dafür, dass keine Urheberrechtsverletzung vorliegt.

Hierbei handelt es sich allerdings um meine persönliche juristische Einschätzung. Ich habe eine Kurzrecherche durchgeführt und musste (was zu erwarten war) feststellen, dass es keine höchstrichterliche oder zumindest obergerichtliche Rechtsprechung zu diesem konkreten Thema gibt, so dass es zu dieser Frage keine absolute Rechtssicherheit gibt.

Daher lautet meine Antwort insoweit, dass meiner Meinung nach einiges gegen eine nachweisbare Urheberrechtsverletzung spricht, wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie jedoch die Einwilligung der Person einholen, welche die Vorlage angefertigt hat.

Ich hoffe Ihnen weitergeholfen zu haben und wünsche Ihnen noch einen guten Wochenstart!


Mit freundlichem Gruß

Dr. Danjel-Philippe Newerla
-Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht-




Bewertung des Fragestellers 23.11.2015 | 14:36


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