Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Trennungsunterhalt - Wie sieht wohl die Kostenrechnung aus?


04.09.2007 13:11 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Ernst G. Mohr



Hallo,
mein Mann und ich streben die Trennung an. Mich interessiert die Höhe des mir zustehenden Unterhalts. Wir sind 22 Jahre verheiratet, 2 Kinder, 1 Tochter = 22 Jahre (Ausbildung, Monatseinkommen ca. 580,00 €), 1 Sohn = 18 Jahre (Schule). Beide Kinder leben in meinem Haushalt. Nach Abzug aller Kosten bleiben meinem Mann und mir ca. 4.300,00 € netto. Wie sieht wohl die Kostenrechnung aus?

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte Ratsuchende,

derjenige Ehegatte, der ein geringeres Einkommen hat als der andere Ehegatte, hat während der Trennuung grundsätzlich immer einen Unterhaltsanspruch gegen den anderen Ehegatten. Das ergibt sich aus § 1361 Abs. 1 BGB. Hiernach hat ein getrennt lebender Ehegatte gegen den anderen einen Anspruch auf angemessenen Unterhalt hat, der sich nach den ehelichen Lebensverhältnissen und den Erwerbs- und Vermögensverhältnissen der Ehegatten richtet. Es kommt aber nicht darauf an, was auf der Gehaltsabrechnung steht, sondern darauf, was nach Abzug von Schulden, vorrangigen Unterhaltspflichten usw. übrig bleibt. Entscheidend ist das unterhaltsrelevante Einkommen eines jeden Ehegatten. Für eine genaue Unterhaltsberechnung wäre im Rahmen einer gesonderten Beratung die Angabe zahlreicher Einzelangaben zu den jeweiligen finanziellen Situationen erforderlich.

Der eheliche Lebensstandard ist in der Regel dadurch geprägt, dass jedem Ehegatten die Hälfte des Gesamteinkommens zusteht, nachdem Schulden und Kindesunterhalt vom Gesamteinkommen abgezogen wurden. Selbst wenn der unterhaltsberechtigte Ehegatte seine eigenen Lebenshaltungskosten begleichen kann, steht ihm also möglicherweise ein ergänzender Unterhaltsanspruch zu. Beispiel: Die Ehefrau verdient 1.300,- EURO netto. Sie könnte also ihren Lebensunterhalt selbst bezahlen. Verdient der Ehemann aber 3.000 ,- EURO netto, haben beide Ehegatten zusammen also ein Nettoeinkommen von 4.300,- EURO, so steht der Ehefrau trotzdem noch ein Unterhaltsanspruch gegen den Mann zu. Denn der Lebensstandard war von einem Gesamteinkommen von 4.300,- EURO geprägt, wovon (vorausgesetzt es gab keine Kinder und keine Schulden) der Frau die Hälfte, also 2.150,- EURO zustand. Ihr "fehlen" also noch 850,- EURO, um den alten Lebensstandard halten zu können.

Anders als beim nachehelichen Unterhalt kommt es für einen Anspruch auf Trennungsunterhalt auch nicht darauf an, ob zu irgend einem Zeitpunkt irgend ein spezieller Unterhaltstatbestand des BGBs (z.B. Unterhalt wegen Kinderbetreuung, Unterhalt wegen Alters etc.) gegeben ist. Trennungsunterhalt gibt es, sobald eine Einkommensdifferenz besteht.

Für die Berechnung des Unterhaltsanspruchs kommt es entscheidend auf die Ermittlung des unterhaltsrelevanten Einkommens an, und zwar sowohl beim Unterhaltsgläubiger als auch beim Unterhaltsschuldner. Insoweit wäre - wie gesagt - im Rahmen einer weiteren Beratung die Angabe der einzelnen Einkommen, Nettoeinkommen, Ratenzahlungen auf Darlehn/Schulden, etwaige Wohnvorteile, etc. erforderlich.

Grundsätzlich hat das unterhaltsrelevante Einkommen nichts mit dem steuerlichen Nettoeinkommen zu tun, welches für Unterhaltsberechnungen weitgehend irrelevant ist. Einerseits gibt es z.B. steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, die unterhaltsrechtlich nicht anerkannt werden; andererseits können im Unterhaltsrecht Beträge abgezogen werden, die steuerlich nicht absetzbar sind.

Zum Einkommen zählen zunächst die tatsächlichen Einkünfte. Zum Einkommen zählt auch der Wohnvorteil der selbstgenutzten Immobilie. Daneben können ggf. fiktive (theoretische) Einkünfte anzurechnen sein. Evtl. bleiben Teile des Einkommens anrechnungsfrei. Vom Einkommen sind sodann Abzüge für Sozialabgaben, Steuern, Werbungskosten, Kindesunterhalt, Schulden etc. vorzunehmen


Ich gehe davon aus, dass es sich hier um eine Doppelverdienerehe handelt, also beide Eheleute Erwerbseinkommen erzielen. Es wird dann zunächst bei beiden Ehegatten das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen zu ermitteln sein. Bei beiden Ehegatten werden in der Regel 5% berufsbedingte Aufwendungen abgezogen, bei Nachweis ggf. mehr. Sind gemeinsame Kinder vorhanden, so wird vom Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen sodann der Kindesunterhalt abgezogen, und zwar der volle Tabellenunterhalt. Hat sich nach der Trennung das Nettoeinkommen verändert durch Wechsel der Steuerklasse, so wird das neue, gegenwärtige Nettoeinkommen zugrundegelegt. Der Unterhaltsanspruch wird nach folgender Formel berechnet: 3/7 x (Einkommen Unterhaltspflichtiger ./. Einkommen Unterhaltsberechtigter). Ggf. ist ein etwaiger Selbstbehalt zu berücksichtigen.

Für das noch zur Schule gehende Kind gilt:
Ist das Kind unverheiratet und maximal 21 Jahre alt, geht es noch zur Schule und lebt es im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils, so richtet sich der Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle, Altersklasse "ab 18".

Für das in Ausbildung befindliche Kind, 22 Jahr alt, gilt:
Ein volljähriges Kind hat keinen Anspruch mehr auf Naturalunterhalt (Betreuung), sondern nur noch auf Barunterhalt (Geld). Gegenüber volljährigen Kindern sind beide Eltern barunterhaltspflichtig, und zwar auch derjenige Elternteil, bei dem das Kind lebt. Für den Barunterhalt eines volljährigen Kindes haften beide Elternteile. Das heisst, mit Eintritt der Volljährigkeit haben grundsätzlich beide Eltern Unterhalt in Geld zu zahlen. Das gilt auch für denjenigen Elternteil, bei dem das Kind lebt. Dieser Elternteil kann dem nicht entgegenhalten, er leiste (weiterhin) Naturalunterhalt. Der Naturalunterhalt kann aber mit dem Barunterhalt verrechnet werden. Da beide Eltern barunterhaltspflichtig sind, stellt sich die Frage, wie der Unterhaltsanspruch des Kindes auf beide Elternteile aufzuteilen ist. Keineswegs ist es etwa so, dass jeder Elternteil die Hälfte schuldet. Das wäre nur der Fall, wenn beide Eltern gleich viel verdienen. Vielmehr haftet jeder Elternteil anteilmäßig in Höhe seines unterhaltsrelevanten Einkommens abzüglich des Selbstbehalts.

Bei Auszubildenden bleiben von einer Ausbildungsvergütung 90,- Euro anrechnungsfrei. Der Rest wird angerechnet.

Für das Kindergeld gilt: Kindergeld gilt bei minderjährigen Kindern nicht als Einkommen des Kindes, denn es steht den Eltern zu. Bei volljährigen Kindern dagegegen gilt es als Einkommen und mindert den Unterhaltsanspruch.

Ich hoffe, Ihnen hiermit einen ersten Überblick gegeben zu haben und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Ernst G. Mohr
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER