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Steuerrecht UK/Deutschland

18.09.2020 15:32 |
Preis: 63,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


16:54

Hintergrund meiner Fragen:

Ich bin Paartherapeutin, ausgebildet an der Tavistock Klinik London. Seit 4 Jahren habe ich eine Privat-Praxis in Epping (UK), und habe seit Maerz 2020 umgestellt auf Online-Therapie in Folge des Coronavirus-Problems. Ende des Jahres haben mein Partner und ich vor nach Deutschland zurueck zu siedeln, und ich habe vor, weiterhin Online-Therapie auf dem Britischen Markt anzubieten. Meine Fragen beziehen sich auf den steuerrechtlichen Rahmen einer solchen Taetigkeit auf dem Britischen Markt, bei gleichzeitigem Hautwohnsitz in Deutschland.

Fragen:

(1) In welchem dieser beiden Laender kann/musz die Versteuerung meiner Einnahmen erfolgen? Genauer, musz/kann das in den UK erfolgen, da meine Einnahmen auf dem UK-Markt generiert werden, oder musz/kann das in Deutschland erfolgen als meinem Hauptwohnsitz, oder ist beides moeglich, und was ist dabei an Vor- und Nachteilen zu beachten?

(2) Wird sich die von Ihnen zu erlaeuternde rechtliche Situation mit Ende der Brexit-Uebergangsphase (d.h. vom 1. Januar 2021 an) veraendern, und wenn ja, dann in welcher Weise?

18.09.2020 | 16:29

Antwort

von


(496)
Charlottenstr. 14
52070 Aachen
Tel: 0241 - 53809948
Web: http://www.rechtsanwalt-andreaswehle.de
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Sehr geehrte Ratsuchende,

gern beantworte ich Ihre Fragen aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Die einkommenssteuerlichen rechtlichen Voraussetzungen ändern sich mit den Austritt Großbritanniens aus der EU nicht.
Das schon einmal hinsichtlich Ihrer 2. Frage.

zu 1) Mit einem Wohnsitz in Deutschland unterfallen Sie nach § 1 EStG: Steuerpflicht der unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland. Sie haben ab diesem Zeitpunkt Ihr gesamtes Welteinkommen in Deutschland zu erklären.
Die Frage der Besteuerung ist aufgrund des unverändert bestehend bleibenden (EU Austritt) Doppelbesteuerungsabkommens GB/D zu beurteilen.

In Unkenntnis Ihrer tatsächlichen Betriebsorganisation möchte ich hier auf Art. 7 und Art. 21 hinweisen. Zur Definition des Begriffes Betriebsstätte ist auf Art. 5 des DBA zu verweisen. https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Internationales_Steuerrecht/Staatenbezogene_Informationen/Laender_A_Z/Grossbritannien/2010-11-23-Grossbritannien-Abkommen-DBA-Gesetz.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Die Rechtsprechung des BFH zum Ort der Leitung der Betriebsstätte möchte ich erwähnen, nach der Sie diese arbeitstäglich aufsuchen können (Entfernung) und in dieser auch überwiegend tätig sind.

Insoweit fällt die Vorstellung einer Betriebsstätte in GB nach Ihrem Umzug nach Deutschland recht vage aus, so dass ich vorliegend davon ausgehen möchte, dass Sie Ihre auf dem englischen Markt generierten Umsätze dennoch in Deutschland (Sitz der hiesigen Betriebsstätte bzw. Ort der Ansässigkeit) zu versteuern haben bzw. Deutschland das Besteuerungsrecht Ihrer Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit nach den o.g. Regelungen zufällt.

Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass sich die Unterscheidung zwischen Haupt und Nebenwohnsitz aus den Regelungen des Bundesmeldegesetzes ergeben, das ausschließlich in Im Inland Anwendung findet. So Sie noch über eine weitere Wohnung in GB verfügen, ist das einfach eine weitere Wohnung. Hier ist dann ggf. die Unterscheidung Ihrer Ansässigkeit nach Art. 4 DBA zu klären.

Zusätzlich möchte ich auf die Sozialversicherungspflicht an Ort des Wohnsitzes aufmerksam machen. Sie benötigen indes zwingend eine Kranken- und Pflegeversicherung bei einem dauerhaften Aufenthalt in Deutschland.

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen


Rechtsanwalt Andreas Wehle

Rückfrage vom Fragesteller 28.09.2020 | 10:29

Sehr geehrter Herr Wehle,

Haben Sie vielen Dank fuer Ihre ausfuehrliche und hilfreiche Antwort. Bitte entschuldigen Sie meine verspaetete Reaktion, aber ich habe laengere Zeit mit Fieber und einer schweren Bronchitis zu kaempfen gehabt. Meine Nachfrage ist folgende:

Gibt es fuer mich als Therapeutin mit Wohnsitz in Deutschland und Taetigkeit in den UK eine besonders geeignete Gesellschaftsform/Betriebsorganisation meiner Taetigkeit, die Steuervorteile bietet; macht es eventuell Sinn eine eigene Firma zu gruenden (allein oder mit meinem Partner, der aber kein Therapeut ist, oder einem anderen Therapeuten)?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 28.09.2020 | 16:54

Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Nachfrage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Gibt es fuer mich als Therapeutin mit Wohnsitz in Deutschland und Taetigkeit in den UK eine besonders geeignete Gesellschaftsform/Betriebsorganisation meiner Taetigkeit, die Steuervorteile bietet?

Grundsätzlich nicht, als Einzelunternehmen unterfällt Ihr Einkommen dem entsprechenden Steuersatz (bis 42% bei einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von über ca. 57.000 Euro), zuzüglich des Solidaritätszuschlages.
Auf die Neuregelung zum Solidaritätszuschlag ab 2021 möchte ich verweisen.

Entsprechend der Einordnung Ihrer Tätigkeit fällt ggf. noch Gewerbesteuer an, so Ihrer Tätigkeit zusammen mit Ihrer persönlichen Qualifikation nicht unter die Voraussetzungen des § 18 EStG eingeordnet werden können.
Bei einer Organisation Ihrer Unternehmung als UG bzw. GmbH oder ähnliches, handelt es sich um einen Gewerbebetrieb, bei dem immer Gewerbesteuer in Höhe des Gewerbesteuersatzes der jeweiligen Gemeinde, in der Ihr Unternehmen ansässig ist, bereits ab dem ersten Euro Gewinn anfällt.

Einzelunternehmer und Personengesellschaften haben hier einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro. Erst nach Überschreitung dessen fällt hier die entsprechende Gewerbesteuer an.
Sog. Partnerschaftsgesellschaften mit begrenzter Haftung können auch von der Regelung der Gewerbesteuerung ausgenommen werden (Achtung! Bei berufsfremden Einkünften (gewerblichen Einkünften) färben diese Einkünfte auf die befreiten Einkünfte ab und der gesamte Gewinn der PartG unterliegt dann der Gewerbesteuer.) Das gilt aber auch bei allen übrigen gemeinschaftlichen Betätigungen. https://www.iww.de/pfb/steuern-und-recht-aktuell/gewerbesteuer-die-partg-mbb-ist-nicht-kraft-rechtsform-gewerbesteuerpflichtig-n71175

Im Gegensatz zu o.g. individuellen Einkommensteuer steht dieser bei Kapitalgesellschaften (UG, GmbH, AG) ein Körperschaftssteuersatz in Höhe von nur 15% plus Soli in Höhe von 5,5% gegenüber.
Die Gründung einer Firma sollte dennoch nicht nur aufgrund des erheblichen Steuersatzunterschiedes in Angriff genommen werden, denn auch fällt die Gewerbesteuer hier unmittelbar an.
Der voranstehenden Enthaftung des Gesellschafters stehen einer latenten Durchgriffshaftung des Geschäftsführers und einem nicht zu unterschätzenden Verwaltungsaufwand für die Kapitalgesellschaft (Bilanzierung, Veröffentlichung der Handelsbilanz jährlich usw.) gegenüber, gefolgt von einem wesentlicheren Nachteil der Kapitalgesellschaft, der Verwertung des Gewinns der Firma für Ihre privaten Belange.
Denn das Geld der Firma ist strikt von Ihrem Vermögen zu trennen, auch wenn Sie 100%iger Eigner des Unternehmens sind. Bei der Gewinnentnahme fällt insoweit noch die pauschale Abgeltungssteuer auf Gewinnentnahmen an (25 % plus Soli 5,5% = 26,375% ohne Kirchensteuerbelastung).

Gemessen an einen Einstiegssteuersatz von 14% bei natürlichen Personen ab einen zu versteuernden Einkommen von 9.409 Euro (bis hin zu den o.g. 42% bei 57.052 Euro; Reichensteuersatz bei Einkünften ab 270.501 Euro beträgt 45%, jeweils zzgl. Soli, 2020) ist die Wahl der Unternehmung stark abhängig von den zu erwartenden zu versteuernden Einkünften (§ 2 EStG: Umfang der Besteuerung, Begriffsbestimmungen ).

Hier sollte ein Steuerberater zu Rate gezogen werden und mit den zu erwartenden Gewinnen Beispielrechnungen vorgenommen werden. Achtung ein StB darf grundsätzlich nicht im Recht beraten, soweit es den Bereich Steuern nicht betrifft. Sichern Sie sich durch entsprechende Vereinbarungen ab, denn der StB haften im Falle einer Falschberatung nur persönlich unbeschränkt, da dessen Vermögenshaftpflichtversicherung im Falle einer falschen Rechtsberatung regelmäßig nicht eintritt.

Weiterhin gut Besserung. Ich verbleibe
Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

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