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Heftige Probleme mit Mitmieter - Fristlose Kündigung durch Vermieter möglich?


| 16.02.2006 16:10 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Hallo,

ich (m, 26) und eine Bekannte (19) sind Ende Dezember zusammen mit einem jungen Mann (21) in eine Wohnung gezogen.

Mit diesem haben wir folgende Probleme, die letztendlich sogar in massiver körperlicher Bedrohung gipfelten:

Er konnte uns einiges vor Einzug vormachen, sich gut verstellen und lügen wie ein Weltmeister. Entgegen seinen Versprechungen kümmert sich dieser um überhaupt nichts - macht nie sauber, im Gegenteil: er saut alles total ein, "sammelt" volle Müllsäcke, ... Dazu kommt, das er von mir meinen Anteil für zwei Monate Strom- und Gasabschlag i.H. von 90,-€ nicht an die Stadtwerke bezahlt hat. Er hat nur 60,-€ überwiesen, die restlichen 30,-€ hat er für seine Internet-RG benutzt und seine 90,-€ hat er garnicht bezahlt. Daher wird uns in 10 Tagen Strom- und Gas abgestellt, kommen wir nicht selbst dafür auf...

Wir haben beide mehrfacht versucht, mit ihm zu reden, und das wirklich in ruhigen und freundlichen Ton. Die Konsequenzen war aber nur: er beleidigt uns ständig (mündlich und schriftlich), macht mitten in der Nacht oder früh morgens (in der Woche und am Wochenende) laut Musik oder andersweitig Lärm, stellt während wir duschen das Warmwasser ab und vieles mehr.

Nun passierte das Heftigste aber die letzten Tage: er schrie rum ,dass er mich abstechen wolle. Ich meinte, dann zeig mir mal Dein Messer (er besitzt garnichts, kein Besteck, kaum Klamotten, keine Wasch- oder Putzmittel, ...). Daraufhin versuchte er, eine Weinflasche auf einem Tisch zu zerschlagen (schaffte es aber nicht :-) und bedrohte mich dann, mir diese auf meinem Kopf zu zerschlagen. Da ich ja vorher bedroht wurde, habe ich direkt vor diesem Vorfall unbemerkt eine Videokamera angeschaltet, die alles aufgenommen hat (Bild+Ton).
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Da ich und meine Bekannte ungern ausziehen wollen (haben aber schon Ende Januar gekündigt, können diese Kündigung aber nach Rücksprache mit dem Vermieter), da die Wohnung sehr schön ist und wir auch keine Lust auf den ganzen Streß (sehr viel Möbel und Co) und die Kosten haben überlegen wir, ob wir den Mitmieter irgendwie loswerden können.

Wir wollten dem Vermieter vorschlagen, dem Mitbewohner zu kündigen. Wie könnte dieser Vorschlag aussehen bzw. was wären gerechtfertigte Gründe für eine außerordentliche Kündigung (mglst. ohne notwendige Abmahnung)? Mir würde einfallen:

- Massive Störung des Hausfriedens
- Verwarlosung der Wohnung (es sind bereits einige Schäden aufgetreten: nicht mehr entfernbare eingebrannte Lebensmittel in Ofen und Herd, Ungeziefer, Schimmel sowie Brandspuren an den Wänden im Zimmer dieses "WG-Störers")
- Anbau und Konsum von Drogen in der Wohnung (er baut psychoaktive, verbotene Pilze an (und verkauft und konsumiert diese) und raucht Cannabis)

Ich bitte um Ihre Hilfe und zahlreiche Tips :-)


Viele Grüße!
Sehr geehrte Ratsuchende,

für Ihre Anfrage bedanke ich mich und beantworte diese anhand des Sachverhaltes wie folgt:

Entscheiden ist zunächst, wie der Mietvertrag gestaltet ist.

1. Soweit jeder WG-Bewohner einen eigenen Mietvertrag mit dem Vermieter geschlossen hat, kann dieser auch jeden Vertrag separat kündigen.

2. Haben Sie alle drei einen Mietvertrag mit dem Vermieter geschlossen, bleibt nur die Möglichkeit einer fristlosen Kündigung gegenüber allen Mietern aus denen von Ihnen genannten Gründen, die allesamt eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Hierbei sollte in der Kündigung das Fehlverhalten genau bezeichnet werden, insbesondere vor dem Hintergrund wenn Sie zu zweit einen neuen Mietvertrag mit dem Vermieter abschließen.

3. Im Verhältnis zum Mitbewohner besteht möglicherweise eine GbR, welche sich infolge der Vorkommnisse kündigen und damit auflösen ließe. Hierdurch allerdings einen Räumungsanspruch zu erwirken und auch durchzusetzen, halte ich für äußerst schwierig. Weitere Ansprüche auf Räumung gegen den Mietbewohner stehen Ihnen meines Erachtens nicht zu.

4. Soweit Ihr Mitbewohner auf die fristlose Kündigung nicht reagiert bzw. keine Bereitschaft zeigt auszuziehen, sollten dem Mitbewohner mit entsprechenden Strafanzeigen drohen. Die Vorwürfe, die auch für die fristlose Kündigung § 543 BGB herangezogen werden, erfüllen zum Teil auch strafrechtliche Tatbestände. Auch das Einbehalten von Geld, ohne es für den vorgesehenen Zweck zu verwenden, (Strom bezahlen) ist strafbar. Wegen der Vorfälle mit der Weinflasche wäre ebenfalls eine Strafanzeige geboten.

5. Als Tipp würde ich vorschlagen, dass der Vermieter eine fristlose Kündigung gegenüber allen 3 mit eingeschriebenen Brief ausspricht. Anschließend oder bereits im Kündigungsschreiben sollte eine Besprechungstermin angesetzt werden zwischen den Mietparteien (Mieter und Vermieter), wobei ein Schreiben vorbereitet wird, dass die Mieter zu einem bestimmten Termin ausziehen. Soweit eine solche Erklärung nicht geschlossen wird, werden entsprechende Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft gegen den Mitbewohner aufgegeben. Ich denke die Anwesenheit des Vermieters bei einem solchen Gespräch wirkt deeskalierend.. Soweit dies funktioniert können Sie im Anschluß mit dem Vermieter einen neuen Mitvertrag abschließen.

Sollte auch mit den vorgenannten Mittel Ihrem Mitbewohner nicht beizukommen sein, sollten Sie den Termin für die ordentliche Kündigung ins Auge fassen und zu diesem Termin ausziehen. Dies sollte aber in jedem Fall mit dem Vermieter abgestimmt werden.

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen, stehe Ihnen im Rahmen der Nachfragefunktion weiterhin zur Verfügung und wünsche Ihnen wegen der unangenehmen Situation viel Erfolg.

Mit besten Grüßen

RA Schröter
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