Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Geldwerter Vorteil Firmenwagen Zweitwohnsitz vs. Hotel

| 04.08.2020 21:17 |
Preis: 80,00 € |

Steuerrecht


Zusammenfassung:

Doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten.

Guten Tag,
mein Erstwohnsitz (gemeinsame Familienwohung) liegt in München, mein Arbeitsplatz 190km davon entfernt.
Aktuell habe ich eine Zweitwohnung angemeldet als Zweitwohnsitz vor Ort. Die Entfernung von der Zweitwohnung zur Arbeitsstätte beträgt 10km, ist bei HR für die Abrechnung auch so als Entfernung zur Arbeitsstätte hinterlegt und wird mit den 0,03 % versteuert.
Hinfahrt Montag, Rückfahrt Mittwoch oder Donnerstag. Freitag (und regelmäßig Donnerstag) Home Office.

Aufgrund diverser Geschäftsreisen sowie Urlaub bin ich oft wochenlang gar nicht in der Zweitwohnung und am eigentlichen Arbeitsplatz.

Nun überlege ich ob es nicht günstiger wäre statt einer festen Zweitwohnung vor Ort immer im Hotel zu übernachten. Und das ohne Zweitwohnsitz.

Welche Folgen hätte dies für die Versteuerung bzw. den geldwerten Vorteil des Firmenwagens?
Muss ein Zweiwohnsitz angemeldet werden auf die Hoteladresse?
Welche anderen steuerlichen Konsequenzen mit Bezug auf den Firmenwagen hätte dies?
Welche Informationen muss ich HR geben und welche Angaben in der Einkommensteuererklärung machen?
Macht es einen Unterschied ob ich eine oder drei Nächte im Hotel vor Ort bin?
Welche Nachweise benötigt das Finanzamt?
Was passiert - wie in aktueller Corona-Phase - wenn ich ein paar Wochen überhaupt nicht vor Ort bin?

Besten Dank vorab.

Eine Firmenwagen-Pendlerin

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Grundsätzlich gilt für Dienst- oder Firmenwagen folgendes:

Berufstätige, die mit einem Dienstwagen am Wochenende zur Familie fahren, dürfen dafür keine Werbungskosten in der Steuererklärung ansetzen. § 9 Abs. 1 Nr. 5 EStG bestimmt: Aufwendungen für Familienheimfahrten mit einem dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer Einkunftsart überlassenen Kraftfahrzeug werden nicht berücksichtigt. Andererseits gelten die Familienheimfahrten auch nicht als zusätzlicher geldwerter Vorteil. Der Dienstwagenfahrer muss diese Fahrten also nicht versteuern.
Heißt: Alle Fahrten, für die dem Fahrer eines Privatwagens der Werbungskostenabzug zustünde, sind für den Dienstwagenfahrer mit der monatlichen Entfernungspauschale von 0,03 % vom Bruttolistenneupreis für die Fahrten zwischen Zweitwohnung und erster Tätigkeitsstätte abgegolten.
Fährt der Dienstwagenfahrer häufiger als einmal in der Woche gen Heimat, dann entsteht jedoch ein zusätzlicher geldwerter Vorteil. Dieser berechnet sich je nach der Methode, nach der das Unternehmen des geldwerten Vorteil allgemein bewertet:
1 %-Regel: Für die zweite und jede weitere Familienheimfahrt muss das Unternehmen für jeden Entfernungskilometer 0,002 % vom Bruttolistenneupreis des Autos zum geldwerten Vorteil hinzurechnen.

Dann gibt es noch die Fahrtenbuchmethode: Der geldwerte Vorteil ist für jede zweite oder weitere Familienheimfahrt um den durch das Fahrtenbuch nachgewiesenen Kilometersatz pro gefahrenem Kilometer zu erhöhen.

Alle Einzelheiten finden Sie hier (Schreiben des BMF):

https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/523437/

Im einzelnen:

"Aufgrund diverser Geschäftsreisen sowie Urlaub bin ich oft wochenlang gar nicht in der Zweitwohnung und am eigentlichen Arbeitsplatz."

Das ändert aber gar nichts daran, dass Sie die doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend machen können. Insofern ist es unerheblich, ob Sie eine eigene Wohnung anmieten oder etwa im Hotel übernachten.

"Nun überlege ich ob es nicht günstiger wäre statt einer festen Zweitwohnung vor Ort immer im Hotel zu übernachten. Und das ohne Zweitwohnsitz."

Ich weiß gar nicht unbedingt, was Sie mit "günstiger" meinen. Die Kosten übernimmt ja entweder Ihr Arbeitgeber (das müsste dann vertraglich/arbeitsvertraglich geregelt sein), oder aber Sie machen die Kosten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung geltend. Natürlich würden Sie bei der Hotelübernachtung die Zweitwohnungssteuer vermeiden, wenn sie dort erhoben wird, wo Sie übernachten. Steuerlich ist es - wie gesagt - unerheblich, welche Kosten Sie geltend machen. Entscheidend ist lediglich, dass Sie eine doppelte Haushaltsführung nachweisen. Das sehe ich aber in Ihrem Fall als unproblematisch an.

"Welche Folgen hätte dies für die Versteuerung bzw. den geldwerten Vorteil des Firmenwagens?"

Keine. Zu den Einzelheiten: Siehe oben.

"Muss ein Zweiwohnsitz angemeldet werden auf die Hoteladresse?"

Nein. Eine Hoteladresse ist kein Zweitwohnsitz im melderechtlichen Sinne. Für die doppelte Haushaltsführung kommt nur darauf an, dass Sie diese nachweisen können. Das ist aber sowohl durch einen Mietvertrag für eine Zweitwohnung als auch durch Hotelrechnungen unproblematisch belegbar.

"Welche anderen steuerlichen Konsequenzen mit Bezug auf den Firmenwagen hätte dies?"

Andere als die bereits dargestellten keine.

"Welche Informationen muss ich HR geben und welche Angaben in der Einkommensteuererklärung machen?"

Welche Angaben Sie gegenüber ihrem Arbeitgeber machen müssen, hängt von Ihren arbeitsvertraglichen Regelungen ab. Gegenüber dem Finanzamt müssen Sie (wie gesagt) lediglich die doppelte Haushaltsführung nachweisen, also das Vorhandensein eines Familienwohnsitzes und eine auswärtige Arbeitsstätte, die in erheblicher Entfernung vom Familienwohnsitz liegt. In der Einkommensteuererklärung sind ja Felder für die Angaben über eine doppelte Haushaltsführung vorhanden.

"Macht es einen Unterschied ob ich eine oder drei Nächte im Hotel vor Ort bin?"

Nein. Das hängt ja von Ihrer Tätigkeit ab und welche Aufgaben Sie in der auswärtigen Tätigkeitsstätte vornehmen müssen. Im Rahmen der doppelten Haushaltsführung werden ja gerade die jeweiligen Aufenthalte an der auswärtigen, weit entfernten Tätigkeitsstätte berücksichtigt. Im Rahmen der doppelten Haushaltsführung würden Sie ja die einzelnen Hotelrechnungen als Nachweis einreichen. Daraus würde sich dann ja die Anzahl der Nächte ergeben, die jeweils erforderlich waren. Der Sinn der doppelten Haushaltsführung liegt ja gerade darin, dass Sie sich am auswärtigen Tätigkeitsort länger aufhalten müssen, weil Sie nicht täglich zwischen Wohnung und Arbeitsstätte hin und her pendeln können. Diese auch finanzielle Belastung will der Steuer-Gesetzgeber mit dem Institut der doppelten Haushaltsführung ausgleichen. Wie Ihre Tätigkeit im Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber ausgestaltet ist, ist erst einmal steuerlich nicht relevant. Üblicherweise wird steuerlich von einer Familienheimfahrt pro Woche ausgegangen, das heißt, Sie verlassen Ihren Familienwohnsitz am Sonntagabend (beispielsweise) und kehren dann am Freitagabend zurück. Diese Heimfahrten werden dann - wenn Sie mit dem Firmenwagen unternommen werden - von ihrem Arbeitgeber versteuert. Wenn sich die Anzahl der Familienheimfahrten durch weitere Dienstreisen oder auch durch Urlaubstage verändert, so ist das im einzelnen darstellbar und steuerlich entsprechend zu berücksichtigen. Das ändert aber am grundsätzlichen Vorhandensein der doppelten Haushaltsführung erst einmal nichts.

"Welche Nachweise benötigt das Finanzamt?"

Zum Nachweis der doppelten Haushaltsführung genügt Ihre arbeitsvertragliche Regelung, der Mietvertrag einer angemieteten Zweitwohnung oder eben Hotelrechnungen, ansonsten die Tankbelege etc., welche die Familienheimfahrten und sonstige Dienstreisen belegen. Letztere werden aber gar nicht mehr vorzulegen sein, wenn Sie eine elektronische Steuererklärung vornehmen (ELSTER), denn gesonderte Belege fordert das Finanzamt nur im Einzelfall an. Letztlich ist das Institut der doppelten Haushaltsführung ja soweit anerkannt, dass es dazu lediglich der Grundinformationen bedarf, das heißt der Angabe Ihrer Arbeitsstätte und des Umstandes, dass Sie einen Familienwohnsitz haben, der von der Tätigkeitsstätte weiter entfernt liegt.

"Was passiert - wie in aktueller Corona-Phase - wenn ich ein paar Wochen überhaupt nicht vor Ort bin?"

Mit "vor Ort" meinen sie Ihre eigentliche Tätigkeitsstätte, nehme ich an? Das heißt, weil Sie weitere Dienstreisen unternehmen müssen? Das ist - wie gesagt - für die doppelte Haushaltsführung erst einmal unerheblich, denn diese soll ja zunächst steuerlich berücksichtigen, dass Ihr Familienwohnsitz von Ihrer Tätigkeitsstätte weiter entfernt liegt. Dass Sie zudem noch weitere Dienstreisen unternehmen müssen und deshalb nicht an Ihrem Tätigkeitsort anwesend sind, hat darauf keine Auswirkung. Und alles das, was "Corona" angeht, ist für alle in diesem Land so ungewöhnlich und bisher nicht im einzelnen klar, dass ich mir darüber erst einmal keine Gedanken machen würde. Alles, was mit "Corona" zusammenhängt, können Sie natürlich zweifellos darstellen, da wird es Ihnen nicht anders ergehen als allen anderen Steuerpflichtigen.

Wenn noch etwas unklar geblieben ist, fragen Sie gerne nach. Vorerst verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin

Rückfrage vom Fragesteller 05.08.2020 | 07:38

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort hierzu. Die meisten Fragen sind beantwortet.

Für mich noch offen sind konkrete Aussagen zu:
"Welche Informationen muss ich HR geben und welche Angaben in der Einkommensteuererklärung machen?"

Sollte ich nun in einem Hotel übernachten statt der Zweitwohnung und vielleicht nicht jede Woche das gleiche Hotel buchen können: Welche Informationen muss ich HR geben bzgl. Entfernungsangaben Wohnung und erster Tätigkeitsstätte.
Hierzu muss HR ja Angaben haben damit die Versteuerung der Strecke vorgenommen werden kann ("monatlichen Entfernungspauschale von 0,03 % vom Bruttolistenneupreis").
Eine durchschnittliche Strecke? Monatlich neu mitteilen?
Jährlich im Nachhinein korrigieren ggf. über Angaben in der Steuererklärung? Wenn ja: wo?

Bei einer festen Wohnung ist das einfach und klar.

Vielen Dank vorab.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 05.08.2020 | 11:14

Sehr geehrter Fragesteller,

welche Angaben Sie gegenüber Ihrem Arbeitgeber konkret machen müssen, ist mit Ihrem Arbeitgeber zu klären. Da kommt es auf den konkreten Einzelfall an, und dazu kann ich naturgemäß nicht sagen. Das muss ich aus Ihrem Arbeitsvertrag ergeben. Das bezieht sich ja auch nur auf Ihre Dienstreisen. Wie dargestellt, können Sie ja einmal in der Woche Familienheimfahrten unternehmen. Diese werden nicht als geldwerter Vorteil versteuert. Nur zusätzliche Familienheimfahrten pro Woche werden lohnsteuerlich erfasst.

Benutzen Sie also den Dienstwagen sowohl für zusätzliche Familienheimfahrten während der Woche als auch für Fahrten zwischen Zweitwohnung und erster Tätigkeitsstätte, ist neben der monatlichen Entfernungspauschale von 0,03 % für die Fahrten zwischen Zweitwohnung und erster Tätigkeitsstätte zusätzlich der auf der Grundlage von 0,002 % berechnete geldwerte Vorteil für die mehr als einmal pro Woche durchgeführten Familienheimfahrten anzusetzen. Die Verwaltung stellt hierbei auf die Entfernungskilometer ab, die Beschäftigungsort und Erstwohnung trennen.

Wenn das so gehandhabt wird, dann haben Sie in ihrer Steuererklärung ja gar nichts anzugeben, da Sie keine Werbungskosten für diese Fahrten geltend machen können. Ganz allgemein ist zu sagen, dass die Entfernung zwischen den jeweiligen Hotels ja keinen so großen Unterschied machen können, da Sie sich am selben Ort befinden. Hier genügt ja ein Näherungswert. Wie gesagt, ist das mit Ihrem Arbeitgeber zu klären, inwieweit Sie das konkret angeben müssen und ob es tatsächlich auf den einzelnen Kilometer mehr oder weniger ankommt.

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass es für die doppelte Haushaltsführung nicht darauf ankommt, ob Sie in einer angemieteten Wohnung oder im Hotel oder etwa bei einem Freund übernachten. Dass ich hierbei unterschiedliche Kilometerangaben ergeben könnten, ist nicht auszuschließen, und ich verstehe Ihren Einwand, dass Sie die unterschiedlichen Übernachtungsmöglichkeiten auch hinsichtlich der verschiedenen Kilometerangaben abbilden möchten. Das ist eine sehr korrekte Sichtweise. Allerdings müssen Sie mit Ihrem Arbeitgeber klären, welche Angaben er tatsächlich benötigt (bzw. das Lohnbüro). Für die Versteuerung ändert sich aber wie gesagt nichts. Wenn Sie später meinen, dass zu wenig oder zu viel Kilometer angesetzt wurden, dann können Sie das selbstverständlich korrigieren. Allerdings nicht in Ihrer eigenen Einkommensteuererklärung, wenn es sich um vom Arbeitgeber übernommene Pauschalversteuerung handelt.

Vielleicht erhält sich der Sachverhalt, wenn Sie sich dieses konkrete Beispiel anschauen:

https://www.iww.de/mbp/experten-berichten-aus-der-praxis/der-praktische-fall-firmenwagen-bei-doppelter-haushaltsfuehrung-darauf-ist-im-lohnbuero-zu-achten-f56251

Oder auch hier:

https://www.haufe.de/finance/haufe-finance-office-premium/firmenwagenueberlassung-an-arbeitnehmer-5-familienheimfahrten-mit-firmenwagen-bei-doppelter-haushaltsfuehrung_idesk_PI20354_HI9247533.html

Nochmals freundliche Grüße!

EvD

Bewertung des Fragestellers 05.08.2020 | 12:01

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"

Vielen Dank für die schnelle und umfassende Erläuterung.

"
Stellungnahme vom Anwalt:

Sehr gerne!