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Elektriker Rechnung um 74% höher als das Angebot

| 04.12.2021 10:13 |
Preis: 49,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Hallo,
wir haben uns ein verbindliches Angebot von einer Elektrofirma für ein 58 qm großes einstöckiges Holzhaus erstellen lassen.
Dieses beinhaltete das benötigte Material und die Montage ("die Montage wird nach Aufwand berechnet, geschätzter Aufwand ca. 40 Arbeitsstunden").
Das Angebot vom 24.03.2021, belief sich auf 4613,-€ inkl. Mwst
Die Rechnung vom 26.11.2021 war dann 8479,70 € inkl. Mwst. Von dieser Rechnung müssen 436,-€ noch für zusätzliches benötigtes Material abgezogen werden, das ist dann eine Endsumme von 8024,- € ergibt einen Aufschlag von 74 %.
Ich habe nie einen Arbeitsschein für die geleisteten Stunden zu Prüfung und Unterschrift bekommen.
Die Differenz bezieht sich auf die Stunden die Abgerechnet wurden, statt der geschätzten 40 waren es am Ende 66 plus nochmals 31 Helferstunden für Azubis.
Zu keiner Zeit wurde ich während der Ausführung, darüber in Kenntnis gesetzt, dass es zu diesem Mehraufwand kommt.

04.12.2021 | 11:39

Antwort

von


(544)
Taunustor 1
60310 Frankfurt am Main
Tel: 0695050604431
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Wenn im Vertrag Abrechnung nach Stunden vereinbart wurde, ist die tatsächlich erbrechte Stundenzahl maßgeblich. Im Gegensatz zum Pauschalpreisvertrag wird hier kein Festpreis vereinbart. Im Angebot genannte Stundenzahlen sind keine Preisgarantie, sondern eine ungefähre Schätzung. So heißt es ja auch in Ihrem Vertrag: "Geschätzter Aufwand ca. 40 Arbeitsstunden".

Wenn der Unternehmer sich keine Stundenzettel hat abzeichnen lassen, muss er die Anzahl und Erforderlichkeit der erbrachten Arbeitsstunden nachweisen. Darlegungs- und beweispflichtig für die tatsächlich angefallenen Stunden sowie das verbrauchte Material einschließlich ihrer Erforderlichkeit für das Erreichen des geschuldeten Erfolges ist grundsätzlich der Auftragnehmer (OLG Hamm BauR 2002, 319, 320 f.; OLG Celle, Urteil vom 03.04.2003 - 22 U 179/01 (6. ZS), 22 U 179/01). Der Werkunternehmer muss deshalb, wenn der Auftraggeber die Erforderlichkeit der abgerechneten Stunden bestreitet, nachweisen, dass die Stunden im Rahmen einer wirtschaftlichen Betriebsführung erbracht wurden und einen wirtschaftlich vertretbaren Aufwand an Arbeitszeit darstellen. Abgerechnet werden können nur die Stunden, die bei einer Ausführung mit durchschnittlichem Arbeitstempo anfallen (OLG Düsseldorf OLGR 2000, 367).

Darüber hinaus darf der Unternehmer die im Angebot genannte Schätzung auch nicht grenzenlos überschreiten. Nach § 649 Abs. 2 BGB hat der Unternehmer dem Besteller eine wesentliche Überschreitung eines Kostenvoranschlags unverzüglich anzuzeigen. Diese wesentliche Überschreitung ist bei 15 - 20%, in besonderen Fällen bis 25% der Angebotssumme anzusetzen. In diesem Fall hat der Besteller ein Kündigungsrecht und muss dann auch nur die bis zur Kündigung erbrachten Arbeiten bezahlen (§ 649 Abs. 1 BGB).

Der Unternehmer hat den Besteller bei einem Verstoß gegen die Anzeigepflicht nach § 649 Abs. 2 BGB so zu stellen, wie er stände, wenn ihm die zu erwartende Kostensteigerung rechtzeitig angezeigt worden wäre. Hierbei muss er sich den höheren Wert anrechnen lassen, den er dadurch erlangt, dass der Unternehmer die ihm übertragenen Arbeiten in vollem Umfang ausgeführt hat, die bei einer vorzeitigen Kündigung des Vertrages entfallen wären (OLG Celle, Urteil vom 06.07.2000 - 22 U 108/99, in: BauR 2000, 1493; Urteil vom 03.04.2003 - 22 U 179/01 (6. ZS), 22 U 179/01 Rz. 52; so auch OLG Frankfurt NJW-RR 1989, 209, 210). Diese tatsächlich vorhandene Wertschöpfung kann nicht durch die prozentuale Begrenzung einer noch zulässigen Überschreitung des Kostenanschlags begrenzt werden. Anderenfalls würde der im Schadensersatzrecht allgemein anerkannte Gedanke des Vorteilsausgleichs außer Betracht bleiben.

Nach anderer Auffassung kann der Besteller Schadenersatz verlangen, wenn er das Werk behält, und er nachweisen kann, dass er das Werk anderweitig günstiger bekommen hätte (BGH, NJW 1970, S. 2018; OLG Saarbrücken, NJW-RR 2015, S. 879 Tz. 24). Das OLG Saarbrücken führt in der zitierten Entscheidung aus:

"Hat ein Unternehmer schuldhaft seine Anzeigepflicht verletzt, dann besteht seine Schadensersatzpflicht darin (sog. negatives Interesse), dass er den Besteller so stellen muss, wie dieser stehen würde, wenn ihm die zu erwartende Kostenüberschreitung rechtzeitig angezeigt worden wäre (OLG Celle, NJW-RR 2003, 1243; OLG Frankfurt, a.a.O.; Palandt/Sprau, a.a.O., Rz. 3; Köhler, NJW 1983, 1633 f). Dies bestimmt sich zuvörderst nach der hypothetischen Frage, ob der Besteller bei rechtzeitiger Anzeige der Kostenüberschreitung den Werkvertrag gekündigt hätte. Hätte der Besteller den Vertrag nicht gekündigt, insbesondere weil er auf den Werkerfolg angewiesen ist und ihn auch anderweitig nicht preisgünstiger hätte erreichen können, so fehlt es an einem Schaden (OLG Frankfurt, a.a.O.; MünchKomm-BGB/Busche, a.a.O., Rz. 16; Voit in: BeckOK BGB, § 650, Rz. 16)."

Sie müssten also nachweisen, dass Sie die mit der Kostenüberschreitung abgerechneten Mehrleistungen anderweitig hätten preisgünstiger bekommen können. Die sich daraus ergebende Differenz könnten Sie als Schadenersatz verlangen.

Helferstunden für Azubis waren im Vertrag nicht vereinbart und können nicht berechnet werden.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Carsten Neumann

Bewertung des Fragestellers 06.12.2021 | 10:05

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