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Differenzbesteuerung


07.08.2005 10:33 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Guten Tag,

ich handel mit alten Motorrädern und Teilen. Außerdem restauriere ich auch einige davon. Da ich die Sachen meist ohne Umsatzsteuer ankaufe, verkaufe ich sie auch wieder, ohne die Umsatzsteuer auszuweißen. Lediglichauf auf die Differenz zwischen Kauf und Verkauf, abzüglich meiner Materielkosten, muß ich Umsatzsteuer abführen. Die Zuordnung der einzelnen Materialkosten ist schon ziehmlich Mühsam, da ich ja auch nicht blos für ein Motorad Teile pro Rechnung kaufe. Die Umsatzsteuer von diesen Rechnungen kann ich mir nicht wiederholen, sondern lediglich gegen rechnen wurde mir gesagt. Aber was ist mit meinen sonstigen Anschaffungen, wie Maschienen und Werkzeuge, Computer und Lieferwagen? Davon darf ich mir nie die Steuer wiederholen oder Gegenrechnen, weil es keinem Spez. Kauf oder Verkauf zugeordnet werden kann und ich ja auch ohne ausgewiesene Umsatzsteuer verkaufe.
Dieser Umstand ist für mich nicht ganz nachvollziehbar.
Wer kann mir noch einige Erläuterungen oder Anregungen liefern, die mir Helfen Alle anfallenden Kosten gegen zu rechnen ohne nicht die Gesamte Umsatzsteuer immer auszuweisen?
Weiter Detailfragen beantworte ich gern?
Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Anfrage beantworte ich Ihnen wie folgt.

Aufgrund des dargestellten Sachverhaltes gehe ich davon aus, dass es sich bei dem Umfang Ihrer Tätigkeit um einen Kleinunternehmen handelt, für das gewisse Erleichterung im Hinblick auf die Umsatzsteuerpflicht gelten. Im folgenden sind die dafür maßgeblichen Umsätze dargestellt. Sollte sich der Sachverhalt anders darstellen, stehe ich Ihnen gerne im Rahmen der Nachfragefunktion zur Verfügung.

1. Das Umsatzsteuergesetz (UStG) sieht für die sogenannten Kleinunternehmen Erleichterungen vor. Dies ist in § 19 UStG geregelt.

a) Als Kleinunternehmer gilt hiernach, wer im vorangegangenen Kalenderjahr einen Umsatz von bis zu 17.500,- Euro hatte und im laufenden Kalenderjahr der Umsatz den Betrag von 50.000,- Euro nicht übersteigt. Falls der Betrieb während des Jahres beginnt, so muss der voraussichtliche Umsatz auf einen Jahresgesamtumsatz hochgerechnet werden. Da in diesem Fall kein Vorjahresumsatz vorhanden ist, gilt als Umsatzschwelle 17.500,- Euro für das Jahr des Geschäftsbeginns.

b) Die Umsätze eines Kleinunternehmers unterliegen dann keiner Umsatzsteuer. Der Kleinunternehmer darf allerdings keine MWSt in seinen Rechnungen ausweisen und seinen Abnehmern somit keine Vorsteuer vermitteln. Die MWSt, die ihm selbst berechnet wurde kann er auch nicht als Vorsteuer vom Finanzamt erstattet bekommen. Letztlich werden Kleinunternehmer damit wie Privatpersonen behandelt.

c) Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass der Kleinunternehmen keinesfalls die Umsatzsteuer ausweisen darf. Denn wenn ein Kleinunternehmer trotzdem MWSt in Rechnung stellt, so schuldet er diese Steuer und muss sie an das Finanzamt abführen. Es gibt zwar im Umsatzsteuerrecht grundsätzlich die sogenannte Rechnungsberichtigung, aber in einigen Fällen sieht der Gesetzgeber eine Rechnungsberichtigung nicht vor - unberechtigter Steuerausweis nach § 14 Abs. 3 UStG - mit der Rechtsfolge, dass der leistende Unternehmer den Steuerbetrag zwar schuldet, aber der Rechnungsempfänger keinen Anspruch auf Vorsteuerabzug hat. Dies gilt insbesondere wenn ein Unternehmer in der Rechnung einen Steuerbetrag ausweist, obwohl er als Kleinunternehmer nach § 19 UStG nicht dazu berechtigt ist.

d) Für Kleinunternehmer gilt darüber hinaus eine vereinfachte Aufzeichnungspflicht. Es sind nur die Einnahmen für die ausgeführten Lieferungen bzw. sonstigen Leistungen sowie der Eigenverbrauch aufzuzeichnen (§ 65 UStDV).

2.) Befreiung von der Umsatzsteuer
a) Die Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht ist einerseits ein Vorteil, denn der Verwaltungsaufwand wird somit relativ gering gehalten und ein aufwendiges Umsatzsteuerverfahren mit der Finanzbehörde entfällt.

b) Andererseits steht diesem Vorteil allerdings der Nachteil gegenüber, dass der Kleinunternehmer die ihm selbst berechnete und von ihm auch gezahlte MWSt nicht als Vorsteuer erstattet bekommen kann.

c) Dieser Nachteil wirkt sich insbesondere immer dann aus, wenn der Kunde ein vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen ist. Denn ein Aufschlag in Form der MWSt auf den Rechnungsbetrag wäre für diesen letzlich kein Mehraufwand, da der Rechnungsempfänger die Vorsteuer von Finanzamt erstattet bzw. angerechnet bekommen würde.

3.) Alternativen
a) Als Ausweg bietet sich der Verzicht auf die Befreiung von der Umsatzsteuer an. Mit dieser Option können Sie als Kleinunternehmer den Verzicht auf die Steuerbefreiung erklären und sich damit wie ein "normaler" Unternehmer besteuern lassen.

b) Die Erklärung ist formlos gegenüber dem Finanzamt abzugeben, bindet dann allerdings für fünf Kalenderjahre. Diese Option auszuüben ist immer dann sinnvoll, wenn zu Beginn der Geschäftstätigkeit hohe Investitionen anstehen und daher viel MWSt bezahlt werden muß, selbst aber nur geringe Ausgangsumsätze anfallen.

c) Durch Ausübung der Option kommen Sie dann in den Genuß des Vorsteuerabzugs und können so die Einstandskosten senken. Sie können außerdem in den Rechnungen die MWSt ausweisen, sodass ihre Abnehmer, die selbst Unternehmer sind, die gesondert ausgewiesene MWSt ihrerseits als Vorsteuer geltend machen können. Für diese ist die MWSt dann nur ein durchlaufender Posten, aber keine echte Belastung.

4. Ergebnis
Die Ausübung der Option sollte daher im Ergebnis von Ihnen geprüft werden. Sie sollten hierbei nachrechnen, ob es sich lohnen würde,

- Umsatzsteuer in Rechung zu stellen und die von Ihnen gezahlte Vorsteuer abzuziehen. Den verbleibenden Differenzbetrag hätten Sie dann an das Finanzamt abzuführen. Soweit Ihre Vorsteuer höher sein sollte als die vereinnahmte Umsatzsteuer erhalten Sie ein entsprechende Gutschrift hierfür. Für Ihre Abnehmer, soweit es Unternehmen sind, ist der Anfall der Umsatzsteuer für diese kostenneutral.

- Der Aufwand für die Erstellung der regelmäßigen Umsatzsteuervoranmeldung Ihnen für die Steuerersparnis zu groß ist (monatlich oder vierteljährlich) und Sie nicht zur Umsatzsteuerpflicht optieren möchten.

- Eine nur teilweise Abführung der Umsatzsteuer, wie geschildert wird, vorbehaltlich einer genaueren Prüfung, vom Finanzamt sicherlich nicht akzeptiert werden.

Bei Unklarheiten stehe ich Ihnen gerne im Rahmen der Nachfragefunktion zur Verfügung.

Mit besten Grüßen

Marcus Schröter
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 08.08.2005 | 11:00

Hallo,
Danke für Ihre Ausführungen. Leider ist der Sachverhalt doch etwas anders als von Ihnen angenommen.
Seit ca. 3 Jahren führe ich Umsatzsteuer an das Finanzamt ab und zwar nur auf den Differrenzbetrag zwischen Kauf und Verkauf, abzüglich meiner entstandenen Kosten für die Aufbereitung des Fahrzeuges.
Leider fehlt mir durch die erfordeliche Zuordung von Teilen und Material die Möglichkeit meine sonstigen Anschaffungen, wie Maschienen und Werkzeuge, Computer und Lieferwagen, mir die Steuer wiederholen oder Gegenrechnen zu können, weil es keinem Spez. Kauf oder Verkauf zugeordnet werden kann und ich ja auch ohne ausgewiesene Umsatzsteuer verkaufe.
Sollte Ihnen diese spez. Art der Differenzbesteuerung unbekannt sein würde ich mich freuen, wenn Sie sich in dieser Richtung kundig machen könnten, da Ihre letzlich gemachten Ausführungen für meinen Spez. Fall etwas zu Allgemeingültig sind.
Mein Unternehmen fällt nicht unter die Kleinunternehmer Regelung und ich erstatte Quartalsweise.

mfG

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.08.2005 | 23:02

Sehr geehrter Ratsuchender,

ich nehme Bezug auf Ihre Nachfrage bei frag-einen-anwalt.de. Nachdem meine erste Antwort den Fall nicht in der erforderlichen Tiefe getroffen hat, habe ich mich, nach Ihrem Hinweis, mit der für diese Problemtik einschlägigen Regelung und Kommentierung befasst.

Anwendbar für Ihren Fall der Differenzbesteuerung ist § 25 a UStG. Maßgebend ist dabei die Bemessungsrundlage für die Berechung der abzuführenden Umsatzsteuer. Nun gibt der Gesetzestext als auch die dazugehörigen Umsatzsteuerrichtlinie keine Anhaltspunkte, wie mit den Nebenkosten zu verfahren ist. In der Richtlinie heißt es nur, daß die Bemessungsgrundlage sich aus dem Einkaufs- und dem Verkaufspreis ergibt. Nebenkosten, wie Reparaturkosten sollen dabei nicht die Bemessungsgrundlage mindern

Gleichwohl sind Vorsteuerbeträge aus Reparaturen und für Zubehörrechnungen in voller Höhe abzugsfähig, selbst wenn die Veräußerung des Gegenstands der Differenzbesteuerung unterliegt.

Leider gibt es für den von Ihnen geschilderten Fall keine gesetzliche Regelung bzw. Rechtsprechung wie mit sonstigen Anschaffungen zu verfahren ist. Dies heißt allerdings nicht, daß der Vorsteuerabzug von Rechnungen für sonstige Anschaffungen, wie Maschinen, Werkzeuge, Fahrzeuge etc. nicht möglich ist, da eine unmittelbare Zuordnung nicht herbeigeführt werden kann.

Insoweit ist die Praxis des jeweiligen Finanzamtes maßgebend. Diese Verwaltunsgpraxis ist aber leider nicht zugänglich und kann auch zwischen den Finanzämtern varieren. Jedenfalls gibt es keine verbindliche gesetzliche Regelung hierzu. Jedoch muß im Ergebnis bei einer entsprechenden Zuordnung ein Vorsteuerabzug gewährt werden. Ein Vorschlag wie diese Zuordnung bewerkstelligt werden kann, habe ich nachfolgend skizziert.

Sie ermitteln die jeweilige Abschreibungszeit einer sonstigen Anschaffung. Entsprechend der steuerlichen Lebensdauer des Gutes verteilen Sie die Vorsteuer auf die Anzahl der Jahre. Z.B. Kfz, Abschreibung (Lebensdauer) 5 Jahre. Vorsteuer gesamt 800 €. Vorsteuer pro Jahr € 160,-. Da Sie quartalsweise abrechnen sollten Sie dann die Vorsteuer für das Kfz, im Beispielsfalle € 40,- als Verwaltungs- oder Verkaufskosten in jedem Quartal 5 Jahre lang in Abzug bringen.

Eine Zuordnung der sonstigen Anschaffungen zu jedem einzelnen Geschäftsvorfall ist sicherlich technisch möglich, aber sehr aufwendig und kann nicht im Interesse des Finanzamtes sein.

Soweit dies von ihrem zuständigen Finazamt nicht akzeptiert wird, wäre die gewünschte Praxis abzustimmen. Bei meinen Recherchen habe ich festgestellt, daß die jeweiligen IHK´s in dieser Thematik über entsprechendes Know How verfügen. Ich denke hier lohnt es sich nachzufragen, wie dieses Problem in der Praxis gehandhabt wird.

Ich hoffe Ihnen fürs erste weitergeholfen zu haben auch wenn ich Ihr Anliegen mangels gesetzlicher Regelungen nicht unmittelbar beantworten konnte. Soweit von Ihnen gewünscht wende ich mich gerne an das zustänige Finanzamt, um die dort gängige Praxis der Differenzbesteuerung zu erfragen.

Bei Nachfragen stehe ich Ihnen natürlich weiterhin zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

RA Schröter

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