Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

183-tage regelung

| 22.05.2014 19:18 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


ich habe mich 2007 von meinem mann getrennt (nicht geschieden). im juli 2007 habe ich eine stelle im nichteuroäischen ausland angenommen. insofern fällt für 2007 die 183-tage regelung nicht ins gewicht. von 2008 bis 2011 war ich im durchschnitt 10 bis 10,5 monate im ausland tätig. in deutschland war ich in diesem zeitraum max. 5-6 wochen pro jahr.

mein mann hatte sich eine wohnung genommen, in der ich nie gewohnt habe, keine einzige nacht verbracht habe und die ich bis 2010 überhaupt nicht gesehen hatte. allerdings hatte ich ihn gebeten, seine adresse als postanschrift angeben zu können. jeder mensch bekommt kontoauszüge, schreiben von versicherungen und sonstigen kram. er erklärte sich bereit, meine post zu erhalten, allerdings durfte ich bis zum o.g zeitpunkt nichtmal seine wohnun sehen, da er mir die trennung sehr übel nahm. aber auch danach war ich nur mal kurz zu besuch bei ihm, vielleicht 2 stunden.

2008 hatte ich meine steuerberater eine einkommensbescheinigung gescannt zur steuerrklärung. das zuständige finanzamt lehnte die getrennte veranlagung, die mein steuerberater beantragt hatte, zwar ab, schrieb aber, dass meine einkünfte im ausland nicht steuerrelevant wären. ab 2009 wurde dann getrennte veranlagung sozusagen genehmigt. 2009 bis 2011 habe ich dann keine bescheinigung mehr vorgelegt, denn zwingend ergab sich für mich und meinen steuerberater, wenn 2008 nicht steuerrelevant war, dann auch 2009 bis 2011.

ende 2011 kam ich zurück und gab meinem steuerberater alle unterlagen für die erlärung 2012, auch die meiner konten im ausland, auf die ich meinen verdienst immer überwiesen habe.

jetzt habe ich vom finanzamt für fahndung und strafsachen einen brief bekommen, dass gegen mich ein strafverfahren eingeleitet wurde, wegen des verdachtes der hinterziehung der einkommensteuer 2007 bis 2011. für 2007 hatte ich mein einkommen dargelegt, da, wie schon erwähnt, die 183 tage-regelung noch nicht zutraf.

sobald ich wieder in deutschland war, habe ich alles für die steuer 2012 dargelegt.

nochmal, in 2008 hatte das finanzamt geschrieben, meine einkünfte im ausland seien nicht steuerrelevant. ab 2009 wurde dann getrennt veranlagt, ich war beschränkt steuerpflichtig und meine einkünfte waren da auch nicht relevant.

ich hatte von juli 2007 bis ende 2011 keinen wohnsitz hier, nur eine postadresse und war weitaus mehr als 183 tage in meinem tätigkeitsland.

was kann ich tun, wie sieht die rechtslage aus? ich fürchte, mein steuerberater weiss auch nicht so genau. die behörde möchte, dass ich mein konto im ausland nacherkläre. aber wieso, wenn ich in diesem zeitraum (ausser 2007) gar nicht steuerpflichtig in deutschland war?

ich hoffe, sie können mir den sachverhalt erklären und mir helfen.

mit freundlichen grüßen









Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die Frage nach Ihrer Steuerpflicht ist grundsätzlich an die Frage des Wohnsitzes geknüpft. Sobald Sie in Deutschland aus steuerrechtlicher Sicht einen Wohnsitz haben, sind Sie mit Ihrem auf der gesamten Welt erzielten Einkommen in Deutschland steuerpflichtig.(Für die vollständige Beurteilung der Frage sind noch einige Angaben notwendig, z.B. das Land Ihres Aufenthaltes (Stw.: Doppelbesteuerungsabkommen))

Dies ist ein heikler Einstige in die Problematik Ihres Falles. Für die Beurteilung, wo Sie lebenm, kommt es nicht darauf an wo Sie gemeldet sind, sondern wo der Lebensmiitelpunkt ist. verfügen Sier über eine Wohnung in Deutschland, führt dies zu einer grds. Steuerpflicht hier. Ebenso, wenn die Wohnung vermietet oder dem Ehegatten überlassen ist. Haben Sie jedoch "nur" eine Briefkastenadresse und gegebenfalls nicht einmal einen Wohnungsschlüssel, so haben Sie in Deutschland gerade keinen Wohnsitz. Die Abgrenzung ist oft nicht einfach und immer von vielen Einzelfragen abhängig, die man unter Umständen auch beweisen muss. Zu der Thematik gibt es einiges an Rechtsprechung und Literatur, die ich ihnen auf Anfrage gerne nenne.

Paragraph 9 Abgabenordnung (AO) beschreibt dies wie folgt:

"Den gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er sich an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend aufhält."

Im einfachsten Fall liegt der Wohnsitz liegt dort, wo man gemeldet ist oder eine selbstgenutzte Wohnung besitzt oder sich überwiegend aufhält, also wenigstens 183 Tage im Jahr. Diese Regelung haben Sie zu Recht angesprochen.

Nun aber kommt der Knackpunkt, der dazu geführt hat, dass Sie das unangenehme Schreiben von den steuerstrafbehörden erhelten haben!

Eheleute mit selbstgenutzter Wohnung in Deutschland haben gerade hier einen Wohnsitz, auch wenn sie im Ausland gemeldet sind und die deutsche Wohnung deshalb das ganze Jahr über leersteht. Dann wird Ihnen letztlich zum Verhängnis, dass sie -theoretisch- jederzeit und ohne tatsächlichen Aufwand nach Deutschland zurückkommen und dort leben könnten. Wie das Verhältnis zu Ihrem Mann im einzelnen ist, speilt dabei keine Rolle- dies ist die Erklärung für das gegen Sie eingeleitete Strafverfahren.Was nun?

Wenn Sie im Bundesgebiet weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, unterliegen Sie dann wwahrscheinlich nach § 1 Abs. 4 EStG der beschränkten Einkommensteuerpflicht . Beschränkt steuerpflichtig heißt, dass sich die Steuerpflicht nur auf die inländischen Einkünfte i. S. des § 49 EStG erstreckt, nicht aber auf die ausländischen Einkünfte. Sie schreiben zutreffend, dass dies in Ihrem Falle auch (zu Recht) ab 2009 angenommen worden ist.

Nun gilt es die Dinge richtig zu stellen. Die Finanzämter gehen ( meines Erachtens) nunmehr davon aus, dass Sie noch über einen Wohnsitz in Deutschland verfügt haben, obwohl sie mehr als 183 Tage im Ausland gewesen sind. Wie oben beschrieben, ist dies bei einer gemeinsamen, wenn auch nicht einmal wirklich genutzten Wohnung mit dem (noch nicht geschiedenen) Ehegatten ohne weiteres möglich! Dies ist das einzige Problem, das es zu lösen gilt.

Es ist verständlich, dass sie die Wohnung nicht als Wohnsitz ansehen. Davon gilt es aber nun die Behörden zu überzeugen. Instrumente dafür sind eidesstattliche Versicherungen, Zeugenaussagen u.ä., beispielsweise darüber, dass Sie nicht einmal über einen Schlüssel zur Wohnung verfügt hätten oder bspw. nicht im Mietvertrag stehen.Nur so können Sie der ( in Ihrem Falle sicherlich besonders ärgerlichen) Steuerpflicht in Deutschland entgehen.

Erste Schritte zur Beseitigung des Problems wären der "Einspruch" bzw. Stellungnahmen und Beweisvorlagen,um die Einleitung des Steuerstrafverfahrens bzw. des Eröffnungsbeschlusses zu verhindern.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Rückfrage vom Fragesteller 22.05.2014 | 20:24

ich war in afghanistan, es besteht kein doppelbesteurungseinkommen mit diesem land

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 22.05.2014 | 23:26

In diesem Fall müssen Sie prinzipiell in Deutschland die Steuererklärung abgeben und die im Ausland erzielten Einkünfte dem deutschen Steuersatz unterwerfen – immer vorausgesetzt es liegt ein Wohnsitz in Deutschland vor.

Es wird, wie vermutet, nur auf die Wohnsitzfrage ankommen.

"Eine „ständige" Wohnstätte ist im Streitfall (...) zu bejahen, da der Kläger auf Grund längerfristiger Mietverträge jederzeit über die Räumlichkeiten verfügen konnte und diese auch regelmäßig nutzte."

BFH vom 23.10.85, BStBl 86 II, 133

Eine ständige Wohnstätte setzt dabei nicht einmal etwa ein ständiges Bewohnen der Mietsache oder ein Mindestmaß an Nutzung in jedem Veranlagungszeitraum voraus.

Ich kann Ihnen aber für die folgende Auseinandersetzung mit den behörden mitteien: Nicht ausreichend ist grndsätzlich nach der Rechtsprechung die "alleinige Tatsache, dass der Steuerpflichtige über eine inländische Wohnung verfügt, ohne sie mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu bewohnen".

Um eine (aufwendige, aber nicht unmögliche) Dokumentation zu Ihrer Entlastung werden sie somit nicht drumherumkommen..

Bewertung des Fragestellers 24.05.2014 | 13:16

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"

herr asthoff hat mir die rechtslage ausführlich, nachvollziehbar und damit sehr verständlich erläutert. meine rechtsberatung vor ort war dazu nicht in der lage. für mich selbstverständlich, dass ich selbst auch verstehen muss, wie die rechtslage aussieht und wo die wichtigen punkte liegen. mir dies zu erörtern ist herrn asthoff gelungen. dazu blieb er auch bei nachfragen freundlich, hat den punkt meiner nachfrage sofort verstanden und erläutert. ich danke ihm sehr und würde mich jederzeit wieder an ihn wenden.

"