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Vermietung von Technik als Freiberufler

| 12.11.2015 16:18 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Hans-Jochen Boehncke


Zusammenfassung: Übt ein Steuerpflichtiger sowohl eine freiberufliche als auch eine gewerbliche Tätigkeit aus, so kommt es für die Zuordnung darauf an, ob es sich um trennbare Tätigkeiten handelt oder nicht. Hinsichtlich der gewerblichen Tätigkeit bedarf des der Gewerbeanmeldung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich arbeite freiberuflich als Toningenieur.
Darf ich als Freiberufler Technik vermieten. In meinem Fall würde es sich um die Vermietung von Tonstudiotechnik handeln, oder müsste ich dafür ein Gewerbe anmelden?

Könnte ich die Tonstudiotechnik auch an einen Auftraggeber per Rechnungsstellung vermieten, wenn ich beim selben Auftraggeber angestellt bin. Das könnte notwendig sein, wenn ich zu wenig andere Auftraggeber habe und als scheinselbständig gelten würde. Im Fall der Anstellung wäre die Studiotechnik auch die, mit der ich selber bei dem Auftraggeber arbeite. (Ich hatte schon mal gelesen, dass das von Belang sein könnte)

Die Bereitstellung der Technik auf Basis der Vermietung per Rechnung wäre im Interesse beider Seiten, sowohl für mich als auch für den Auftraggeber.

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1.
Sie haben zunächst vollkommen Recht, das der Toningenieur Kraft seiner Ausbildung und der von ihm auszuübenden geistigen Arbeit als Freiberufler bei dieser Tätigkeit einzustufen ist.

Ein Hinweis enthält dazu etwa die Einkommensteuerrichtlinie H 136:

"Folgende Tätigkeiten zählen in der Regel zu den freien Berufen... ... Tontechniker, der aus Darbietungen einzelner Musiker ein bestimmtes Klangbild herstellen soll".

Allerdings kann sich die Ausübung der Tätigkeit sehr rasch mit gewerblichen Tätigkeiten teilweise überscheiden. Dann kann es vorkommen, dass Sie sowohl freiberufliche Einnahmen erzielen, als auch gewerbliche Einnahmen. Das ist durchaus zulässig, muss aber deutlich voreinander getrennt sein. Und erfordert hinsichtlich des gewerblichen Teils einer Gewerbeanmeldung.

Es ist zutreffend, dass die Vermietung von Tontechnik wohl dem gewerblichen Bereich zugeordnet werden muss. Denn diese reine Technikvermietung ist keine geistige, schöpferische Arbeit, die bei einer freiberuflichen Tätigkeit im Vordergrund steht.

2.
Hier eine sehr interessante Fundstelle, welche sich gerade mit Ihrer Frageproblematik befasst:

Quelle:
Dr. Willi Oberlander M.A.Institut für Freie Berufe an der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg e.V. (IFB)
Februar 2013

"Zur Frage der gemischten Tätigkeit hier ebenfalls "Originalton" BFH:
(Zitat) Übt ein Steuerpflichtiger sowohl eine freiberufliche als auch eine gewerbliche Tätigkeit aus, so kommt es für die Zuordnung darauf an, ob es sich um trennbare Tätigkeiten handelt oder nicht. Sind verschiedenartige Tätigkeiten nach der Verkehrsauffassung ohne Schwierigkeiten zu trennen, so sind sie auch steuerlich getrennt zu beurteilen. Sind sie jedoch derart miteinander verflochten, dass sie sich gegenseitig unlösbar bedingen, liegt eine einheitliche Tätigkeit vor, die steuerlich danach zu qualifizieren ist, ob das freiberufliche oder das gewerbliche Element vorherrscht (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 30. März 1994 I R 54/93, BFHE 175, 40, BStBl II 1994, 864; vom 24. April 1997 IV R 60/95, BFHE 183, 150, BStBl II 1997, 567). (Zitatende)

Es ist auch denkbar, Tätigkeiten rechtlich zu trennen in unterschiedliche Unternehmen und dann jeweils spezifisch zu versteuern."

Aus diesen Ausführungen wird hoffentlich ersichtlich, dass gegenüber dem Finanzamt eine Trennung beider Einkunftsarten erfoderlich ist. Und natürlich bedarf die gewerbliche Vermietung der Tontechnik einer Gewerbeanmeldung.

Eine Trennung ließe sich ggf. dadurch herstellen, dass Sie z.B. eine kleine Kapitalgeselslchaft gründen und diese den Unternehmensgegenstand "Vermietung von Tontechnik" hat. Allerdings ist auch die Gründung und Verwaltung solch einer kleinen Kapitalgesellschaft noch kostenintensiv. Daher rate ich Ihnen, mit Ihrem zuständigen Finanzamt zu sprechen und zu klären, dass Ihnen persönlich die Trennung von freiberuflicher Toningeniuertätigkeit und gewerblicher Tontechnikvermietung gefahrlos möglich ist.

Die "Gefahr" besteht nämlich darin, dass ein Finanzamt annehmen könnte, dass die gewerbliche Tätigkeit überwiegt und daher- wegen des oben beschriebenen "einheitlichen Tätigkeit"- mit einem mal auch die Rechnungen aus der freiberuflichen Tätigkeit als gewerbliche Einnahmen gewertet und entsprechend mit Gewerbesteuer belegt werden.

3.
Es ist Ihnen gestattet, Tontechnik auch dann gewerblich zu vermieten, wenn Sie von jemanden abhängig beschäftigt werden, also Angestellter sind. Der Vermietungsvertrag ist ein Rechtsgeschäft, welches auch Arbeitgeber und Arbeitehmer abschließen dürfen. Allerdings sollte dabei sehr auf eine angemessene Vergütung der Arbeitnehmertätigkeit geachtet werden, damit das Finanzamt nicht meint, es sei deshalb weniger Lohn geflossen, weil ein Mietvertrag zu (ggf. überhöhten) Konditionen abgeschlossen wurde.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 17.11.2015 | 11:19

Vielen Dank für die umfangreiche Antwort.

Zu dem Punkt, dass ich die Technik an den Auftraggeber vermiete, bei dem ich angestellt bin, wollte ich noch mal nachfragen.
Ist die Technikvermietung auch dann nicht ohne Gewerbeanmeldung möglich, wenn ich, und nur ich, die Technik für meine freiberufliche Tätigkeit nutze?
Hintergrund der Frage ist, ob ich die Gewerbeanmeldung unter diesen Umständen nicht benötige.

Nochmals vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.11.2015 | 14:49

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Nachfrage, welche ich gerne wie folgt beantworte:

Freiberufler setzen regelmäßig neben Ihrer eigenen Arbeitskraft technische Hilfsmittel sein, welcher zur Erfüllung der Aufgabe sinnvoll sind. So bedarf der Jurist aktueller Gesetze und Kommentare oder Sie als Toningenieur Ihr technisches Equipment. Es ist Ihnen (und uns Freiberuflern) unbenommen, Ihre Leistung in der Vergütung so zu bemessen, dass Sie den technischen Aufwand darin mit einkalkulieren. Das soll dann keine separate Miete sein oder ein Aufwendungsersatz für die Technik, sondern aus der Vergütung von Ihrer Tätigkeit rechnen Sie gedanklich einen notwendigen Anteil für Ersatz- und Neuanschaffungen ein. Das geht natürlich nur, wenn Sie persönlich eine Dienstleistung erbringen und dabei Ihre Technik mit einsetzen.

Würden Sie alleine sagen: „Für die Überlassung von dem Mikrofon xy und dem Verstärker Marke yx erhalte ich in der Zeit von … bis … je Nutzungstag 100 EURO, insgesamt also 400,00 EURO zzgl. MWSt." wäre dies ein gewerblicher Mietvertrag, welcher zu einer Gewerbeanmeldung führen muss.

Ich bedauere, Ihnen daher keinen Weg aufzeigen zu können, wie Sie Ihre Technik „für sich arbeiten zu lassen", ohne dass Sie daran durch eigene Leistung selbst beteiligt sind. Denkbar wäre natürlich, dass Sie z.B. statt einer „Miete" vereinbaren: „Für die fachgerechte Beratung und den idealen Aufbau einer toningenieurtechnischen Anlage sowie deren Ersterprobung erhalte ich eine Vergütung von xy EURO." Denn dies ist dann Ihre Leistung, auch wenn der Kunde dann die Technik selbst bedient und für seine Zwecke nutzt.


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Bewertung des Fragestellers 17.11.2015 | 16:39

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Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 17.11.2015 5/5,0
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