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Steuerliche Veranlagung - Inland/Ausland

| 25.02.2010 18:21 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Marlies Zerban


Folgende Situation:

1. Ich arbeite seit einigen Jahren im europäischen Ausland als selbständiger Berater. Dabei bin ich in einer Beratungsfirma voll integriert.
2. Ich zahle im EU Ausland meine Steuern und
Sozialversicherungsbeiträge.
3. Ich besitze im EU Ausland eine selbstgenutzte Wohnung
4. Gleichzeitig bin ich in meiner alten Heimat in Deutschland bei den Eltern gemeldet, habe aber keinen gewöhnlichen Aufenthalt dort.
5. Ich plane im nächsten Jahr zu heiraten. Mein Frau wird dann in Deutschland als Angestellte arbeiten und wir planen gemeinsames und selbstgenutztes Wohneigentum in Deutschland zu erwerben.
6. Ich werde weiterhin als selbständiger Berater in Belgien tätig sein und dazu wöchentlich für 3-4 Tage von Deutschland in das EU Ausland zum Arbeiten reisen.
7. Ich werde dabei weiterhin die Eigentumswohnung im EU Ausland für diese Tage Nutzen und auch dort gemeldet sein. Ich werde also sowohl in Deutschland als auch im EU Ausland einen Wohnsitz haben.


Es stellen sich wenigstens die folgenden konkreten Fragen:

1. Kann ich weiterhin im EU Ausland meine Steuererklärung einreichen und in Deutschland als Steuerausländer gelten? Unter welchen Umständen wäre dies möglich?
2. Sollte für mich in diesem Fall eine Steuerpflicht in Deutschland ergeben, dann müsste ich nach eigenen Recherchen die Auslandseinkünfte zwar zunächst im Ausland versteuern, Sie aber dann in der deutschen Steuererklärung angeben. Eine Doppelbesteuerung würde aufgrund des DBA vermieden. Gleichwohl befürchte ich steuerliche Nachteile, da ich vermutlich die mir z.Z. im Ausland zustehenden Möglichkeiten der Steuerminderung nicht mehr nutzen könnte (insbesondere Absetzungsmöglichkeiten für Rückzahlungen der Hypothek und in eine private Rentenversicherung ). Oder würde ich weiterhin von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen können, um dann letztendlich auch nur eine verminderte Steuerlast in Deutschland geltend machen zu können?
3. Für den Fall, dass ich meinen gewöhnlichen Aufenthalt nicht mehr im EU Ausland, sondern in Deutschland haben müsste, gleichzeitig ich aber 100% des Einkommens im Ausland erwirtschafte, stellt sich die Frage, wo die Sozialversicherungspflicht bestünde. Wäre es ggfs möglich, sich im EU Ausland von der Sozialversicherungspflicht befreien zu lassen, um in Deutschland einzuzahlen?
4. Wäre für den Fall des gewöhnlichen Aufenthaltes in Deutschland eine Steuerminderung in Deutschland durch Ansetzung einer doppelten Haushaltsführung möglich? Unter welchen Umständen und in welcher Höhe?

Ich danke Ihnen schon vorab sehr für Ihre Antwort, in dieser nicht ganz einfachen Situation.



Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte gerne Ihre Fragen im Rahmen einer Erstberatung unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den Vorgaben dieser Plattform.

Ich weise rein vorsorglich darauf hin, dass die nachfolgenden steuerrechtlichen Hinweise lediglich einer ersten Orientierung dienen können und eine persönliche Beratung nicht ersetzen können.

Dies vorausgesetzt beantworte ich Ihre Fragen wie folgt.

1. Kann ich weiterhin im EU Ausland meine Steuererklärung einreichen und in Deutschland als Steuerausländer gelten? Unter welchen Umständen wäre dies möglich?

Wenn Sie in Deutschland einen Wohnsitz haben, sind Sie hier unbeschränkt steuerpflichtig. Welches Land das Besteuerungsrecht für diese ausländischen Einkünfte hat, regelt das Doppelbesteuerungsabkommen, hier Art. 14 DBA Belgien. Die Einkünfte aus selbständiger Berater versteuern Sie dabei weiterhin in Belgien, Voraussetzung ist, dass Sie Ihre Tätigkeit dort im Rahmen einer "festen Einrichtung" erfüllen, also über ein eigenes Büro verfügen.


2. Sollte für mich in diesem Fall eine Steuerpflicht in Deutschland ergeben, dann müsste ich nach eigenen Recherchen die Auslandseinkünfte zwar zunächst im Ausland versteuern, Sie aber dann in der deutschen Steuererklärung angeben. Eine Doppelbesteuerung würde aufgrund des DBA vermieden. Gleichwohl befürchte ich steuerliche Nachteile, da ich vermutlich die mir z.Z. im Ausland zustehenden Möglichkeiten der Steuerminderung nicht mehr nutzen könnte (insbesondere Absetzungsmöglichkeiten für Rückzahlungen der Hypothek und in eine private Rentenversicherung ). Oder würde ich weiterhin von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen können, um dann letztendlich auch nur eine verminderte Steuerlast in Deutschland geltend machen zu können?

Hierzu ist zu sagen, dass sich die Besteuerung im Ausland nicht ändert. Die Veranlagung in Belgien erfolgt wie bisher, Sie haben dort ebenfalls einen Wohnsitz.

Wie Sie richtig festgestellt haben, müssen Sie die ausländischen Einkünfte in Deutschland angeben, sie wirken sich lediglich beim Steuertarif aus. Wenn Sie keine weiteren zu versteuernden Einnahmen in Deutschland haben, dann wird im Rahmen der Zusammenveranlagung mit Ihrer Ehefrau dann der günstiger Splittingtarif angewendet (Lohnsteuerabzug nach Klasse III). Der Steuertarif erhöht sich dann durch die Einbeziehung dieser ausländischen Einkünfte (sogenannter Progressionsvorbehalt, § 32b EStG).

3. Für den Fall, dass ich meinen gewöhnlichen Aufenthalt nicht mehr im EU Ausland, sondern in Deutschland haben müsste, gleichzeitig ich aber 100% des Einkommens im Ausland erwirtschafte, stellt sich die Frage, wo die Sozialversicherungspflicht bestünde. Wäre es ggfs möglich, sich im EU Ausland von der Sozialversicherungspflicht befreien zu lassen, um in Deutschland einzuzahlen?

Als Selbständiger sind Sie in Deutschland nicht rentenversicherungspflichtig, allerdings ist jeder Deutsche, auch als Selbständiger, krankenversicherungspflichtig.

Sie können die Altersvorsorge in Deutschland im Übrigen frei wählen, freiweillige Beiträge zur Deutschen Rentenversicherung (früher BfA) oder rein private Vorsorge. Ob Sie im EU-Ausland eine Befreiung der Sozialversicherungspflicht erlangen können, ist mit den dortigen Behörden zu klären.

4. Wäre für den Fall des gewöhnlichen Aufenthaltes in Deutschland eine Steuerminderung in Deutschland durch Ansetzung einer doppelten Haushaltsführung möglich? Unter welchen Umständen und in welcher Höhe?

Die Berücksichtigung von Betriebsausgaben wie doppelte Haushaltsführung bei der deutschen Steuererklärung ist dabei möglich, denn das Einkommen, das zur Ermittlung des Steuertarifs berücksichtigt wird, wird nach den deutschen Einkommensteuervorschriften ermittelt und nicht lediglich der Betrag, der bei der ausländischen Veranlagung herangezogen wird.

Sie können somit Fahrtkosten, Kosten der doppelten Haushaltsführung und weitere Betriebsausgaben nach dem Einkommensteuergesetz berücksichtigen und somit die Steuerprogression durch die ausländischen Einkünfte senken.
Die Höhe bestimmt sich nach den tatsächlichen Aufwendungen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und stehe für eine Nachfrage oder auch eine weitergehende Beratung gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Marlies Zerban
Rechtsanwältin
Steuerberaterin

Nachfrage vom Fragesteller 27.02.2010 | 19:24

Liebe Frau Zerban,

vielen Dank für Ihre Antwort. Sie haben mir sehr geholfen, die Puzzelteile zusammenzufügen.

Es wird für mich also höchstwahrscheinlich auf eine Situation mit gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland hinauslaufen. Die Sozialversicherungspflicht bleibt (in diesem Land auch für Selbständige) im EU Ausland bestehen. Eine Krankenversicherung in Deutschland müsste ich dann wohl über das Formular E 106 beantragen. Mir bleiben damit konkret zwei Rückfragen:

1. Wie muss ich den gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland beantragen. Muss ich hierzu die Deutschen (Landes?) Behörden informieren und/oder ebenso im EU Ausland dafür sorgen, dass die Behörden über meinen gewöhnlichen Aufenthalt informiert sind? Welche Behörde wäre das bitte im konkreten Fall in Deutschland?

2. Ich nehme an, dass die Situation noch um ein vielfaches komplizierter würde, wenn ich ggfs. eine Woche im Monat freiberuflich in Deutschland arbeiten würde. Ich vermute, dass ich mich dann mit den deutschen- und der EU-Ausland Behörde, einigen müsste, welches Einkommen in welchem Land direkt versteuert wird. Wie funktioniert das?

Nochmals vielen Dank für Ihre konkrete und ausführliche Antwort.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.02.2010 | 19:58

Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte gerne Ihre Nachfrage:

1. Wie muss ich den gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland beantragen. Muss ich hierzu die Deutschen (Landes?) Behörden informieren und/oder ebenso im EU Ausland dafür sorgen, dass die Behörden über meinen gewöhnlichen Aufenthalt informiert sind? Welche Behörde wäre das bitte im konkreten Fall in Deutschland?

Die Frage des gewöhnlichen Aufenthalts beurteilt sich nach den tatsächlichen Verhältnissen, nicht nach melderechtlichen Vorschriften. Wenn Sie eine eigene Immobilie haben, haben Sie einen Wohnsitz inne, da Sie ständig über diese Wohnung frei verfügen können.

2. Ich nehme an, dass die Situation noch um ein vielfaches komplizierter würde, wenn ich ggfs. eine Woche im Monat freiberuflich in Deutschland arbeiten würde. Ich vermute, dass ich mich dann mit den deutschen- und der EU-Ausland Behörde, einigen müsste, welches Einkommen in welchem Land direkt versteuert wird. Wie funktioniert das?

Hierbei kommt es darauf an, welche Tätigkeit Sie ausüben und ob diese allein der Einrichtung in Belgien zugerechnet werden kann oder ob Sie hier in Deutschland auch eine Betriebstätte haben, der diese Tätigkeit während des Aufenthalts in Deutschland zugerechnet werden kann. Bei einer Beratungstätigkeit etwa, die gegenüber den Kunden von Ihrem in Belgien sitzenden Firmenort aus erfolgt, würde ich Ihre Tätigkeit immer dann auch diesem Sitz zuordnen. Dies ist als Einzelfall genauer zu prüfen, hier kann im Sinne einer verbindlichen Beratung mangels näherer Sachverhaltsangaben keine pauschale Aussage getroffen werden.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen hiermit weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

Marlies Zerban
Rechtsanwältin
Steuerberaterin

Bewertung des Fragestellers 01.03.2010 | 12:54

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