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Rückwirkende Einkommensteuererklärung für selbst. Tätigkeit / Gewerbe

| 26.05.2010 12:55 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA


Guten Tag,
ich (25) bin derzeit Student der Informatik, beziehe von meinen Eltern Unterhaltszahlungen, und habe im Jahr 2006 begonnen für das hiesige Studentenwerk als Netzwerkadministrator in meinem Wohnheim (Selbstständig und auf Rechnung) tätig zu sein. Mein damaliger Vorgänger hat mir im Bezug auf Steuern und Gewerbe die Auskunft gegeben dass hier nichts weiter zu tun sei, da das alles unter sämtlichen Bemessungsgrenzen liegen würde. Der Umsatz lag seither in keinem Jahr über 3000 EUR.
Ich habe das damals erst einmal so hingenommen und mich erst in diesem Jahr wieder mit dem Thema befasst, da ich Mitgesellschafter einer hiervon unabhängigen GbR geworden bin. Nun kam mir beim Ausfüllen der Einkommenssteuererklärung die Frage wie ich die Admintätigkeit dort mit angeben soll. Bei den weiteren Recherchen kam nun das Böse erwachen - ich hätte mich wahrscheinlich schon ganz zu Anfang beim Finanzamt melden müssen und ggf. sogar ein Gewerbe anmelden müssen, beides ist nicht passiert. Genauer gesagt gab es bisher überhaupt keinen Kontakt mit dem Finanzamt.

[Bezüglich der evtl. auch in Frage kommenden "Scheinselbstständigkeit" gab mir das Studentenwerk auf Nachfrage folgende Auskunft: "Fakt ist jedenfalls, dass jene Tätigkeit keine abhängige Beschäftigung ist sondern freie unternehmerische Tätigkeit (Geschäftsbesorgung in freier Zeiteinteilung ohne Anstellung). Dieses Modell hat auch die Bundesagentur für Arbeit bei etwaigen Prüfungen für unbedenklich gehalten. Insofern handelt es sich auch nicht um eine Scheinselbständigkeit."]

Nun bin ich in Anbetracht der herannahenden Abgabefrist für die aktuelle Einkommenssteuererklärung etwas in Panik und habe folgende Fragen:

- Zählt die Tätigkeit als Netzwerkadministrator ggf. als freiberufliche Tätigkeit oder hätte ich tatsächlich ein Gewerbe anmelden müssen?
- Wie bekomme ich die Sache mit dem Finanzamt ins Reine? Muss ich rückwirkend für alle Jahre der Tätigkeit noch eine Einkommenssteuererklärung abgeben? Was gebe ich in der aktuellen Einkommenssteuererklärung bzgl. der Tätigkeit an?
- Welche Strafen und Bußgelder erwarten mich im schlimmsten Fall? Ist mit Steuernachforderungen zu rechnen?

Vielen Dank für ihre Hilfe.

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt beantworte:

1. Bei der Tätigkeit als Netzwerkadministrator sollten Sie sich auf eine Entscheidung des BFH stützen. Danach ist die vergleichbare Tätigkeit als Systemadministrator eine freiberufliche Tätigkeit. BFH, Urteil vom 22. 9. 2009 - VIII R 31/07 (FG Berlin-Brandenburg). Problematisch ist allenfalls, dass Sie noch keinen entsprechenden Studienabschluss haben, auf die sich die Entscheidung bezieht (Diplom-Ingenieur für technische Informatik). Gleichwohl sehe ich die Tätigkeit vergleichbar, so dass es aus meiner Sicht keine Gewerbeanmeldung bedarf.

2. Bezüglich der Einkommenssteuererklärungen sind diese nachzureichen, da Sie Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit beziehen. Freiberufler im Sinne des EStG müssen bei Aufnahme ihrer Tätigkeit zwar kein Gewerbe anmelden, aber das Finanzamt über den Beginn der freiberuflichen Tätigkeit informieren. Die Pflicht zur Abgabe der Steuererklärungen folgt aus § 149 AO. Auch wenn Sie aufgrund des Gehaltes keine Steuernachzahlungen zu erwarten habe, wird sicherlich ein Verspätungszuschlag erhoben werden. Insoweit empfiehlt es sich die Steuererklärungen für 2009 und 2008 umgehend einzureichen, da hier wahrscheinlich keine Verspätungszuschläge zu erwarten sind. Die Erklärungen für 2007 und 2006 sollten Sie dann umgehend nachreichen.

3. Der Verspätungszuschlag i.S.d. § 3 Abs. 4 der AO, kann gegen Sie festgesetzt werden, wenn die erforderliche Steuererklärung nicht fristgerecht abgegeben wurde. Der Verspätungszuschlag darf dabei 10 % der festgesetzten Steuer oder des festgesetzten Messbetrags nicht übersteigen (§ 152 Abs. 2 Satz 1 AO). Insoweit besteht berechtigte Hoffnung, dass ein Verspätungszuschlag nicht erhoben wird.


4. Hinsichtlich der Angaben ist bei einer freiberuflichen Tätigkeit eine Einnahme- und Überschussrechnung aufzustellen. Hierbei müssen Sie die Anlagen GSE und EÜR ausfüllen, die Sie entweder beim Finanzamt oder im Internet beziehen können.

Ich hoffe ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und weiterhelfen.

Mit besten Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 26.05.2010 | 14:43

Vielen Dank für die zügige und sehr hilfreiche Beantwortung meiner Fragen!

Bezüglich der Einkommenssteuererklärungen habe ich noch eine kleine Nachfrage: Ich fülle diese einfach so aus, als hätte ich die Tätigkeit bereits ordnungsgemäß dem Finanzamt bekannt gemacht und als wäre diese bereits als freiberufliche Tätigkeit anerkannt worden?

Zusätzlich würde ich ein entsprechendes Anschreiben und einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beilegen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 26.05.2010 | 22:44

Sehr geehrter Ratsuchender,

mit der Abgabe der Steuererklärung vollziehen Sie die Anzeige, so dass eine gesonderte Anzeige nicht notwenigerweise erforderlich ist und zudem das Finanzamt direkt darauf stößt, dass die Anzeige unterblieben ist.

Insoweit sollten Sie die Steuererklärung nebst Anschreiben abgeben, ohne gesondertes Anschreiben.

Mit besten Grüßen

Bewertung des Fragestellers 26.05.2010 | 23:13

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