Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
484.857
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Kann das Jugendamt bei begleitendem Umgang meine Tochter zum Kontakt 'zwingen'?


03.12.2012 21:45 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Lars Liedtke



Meine Tochter ist 15 bzw. bald 16 Jahre alt und hatte das letzte Mal vor 15 Jahren mit ihrem leiblichen Vater Kontakt.
Da ich damals noch minderjährig war, hatte das Jugendamt das Sorgerecht und erlaubt dem Vater den Kontakt nur im Beisein eines Jugendamt- Mitarbeiters. Dies hat er nie jedoch nie in Anspruch genommen.
Vor einem Monat nahm er Kontakt mit meiner Tochter via Facebook auf und bedrängt sie seitdem. Er will unbedingt ihre Adresse und sie sehen. Sie hat ihm bereits mehrfach geschrieben, dass ihr der plötzliche Kontakt zu viel wird und dass sie ihn nicht sehen will. Dennoch bedrängt er sie weiter.

Inzwischen schreibt sie ihm nicht mehr und ignoriert ihn. Traut sich aber nicht den Kontakt ganz abzubrechen. Sie hat jedoch große Angst vor der Weihnachtszeit und vor weiteren Kontaktversuchen.

Daher die Frage: Welche Möglichkeiten habe ich, um den Kontakt so zu ermöglichen, dass er für sie angenehm ist bzw. den Kontakt in geregelte Bahnen zu lenken? Was kann ich tun, wenn sie den Kontakt nicht mehr will? Kann das Jugendamt bei begleitendem Umgang meine Tochter zum Kontakt "zwingen"?

Vielen Dank im Voraus.

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass dieses Forum lediglich die Funktion hat, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage zu geben. Eine persönliche Beratung/Vertretung kann und soll hierdurch nicht ersetzt werden. Hinzufügen oder Weglassen wesentlicher Tatsachen kann zu einer anderen Beurteilung des Falles führen. Unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsangaben und des von Ihnen gebotenen Einsatzes beantworte ich Ihre Frage wie folgt:

Das Umgangsrecht ist zwar auch ein Recht des jeweiligen Elternteils, bei dem das Kind nicht dauerhaft lebt, auf Umgang, in erster Linie jedoch besteht der Grundgedanke des Umgangsrechts darin, einem Kind mit getrennt lebenden Eltern ein Recht zuzugestehen, mit beiden Elternteilen Kontakt/Umgang zu haben. Es handelt sich primär um ein Recht des Kindes, aber auch um ein Recht des jeweils anderen Elternteils, § 1684 BGB.

Ob bzw. wie das Umgangsrecht auszuüben ist, hängt dabei primär vom Kindeswohl ab. Je älter das Kind ist, desto größer hat der Kindeswillie Berücksichtigung zu finden. Ob das Jugendamt oder der Vater einen Umgang erzwingen können, kann an dieser Stelle nicht abschließend beurteilt werden. Wäre das Umgangsrecht damals in einem vollstreckbaren Titel festgehalten worden, wäre dem grundsätzlich so. Dann müsste Ihre Tochter im Streitfall Abänderungsklage erheben, also eine gerichtliche Klärung herbeiführen. Andernfalls - ohne Titel - kann der Umgang nicht erzwungen werden, dann müsste der Vater seinerseits Klage erheben.

In beiden Fällen einer gerichtlichen Klärung, hat Ihre knapp 16 jährige Tochter eine Chance, sich diesem "Umgangsrecht" erfolgreich widersetzen zu können. Zwar vertreten die Gerichte die Auffassung, dass das Kindeswohl nicht zwingend dem Kindeswillen entsprechen muss, so dass auch Entscheidungen existieren, durch ein Kind gegen seinen Willen zum Umgang mit dem anderen Elternteil (Vater) verpflichtet wurde (z.B. OLG Brandenburg; Beschl. v. 20.05.2010, Az.: 10 UF 46/09). In dem zitierten Fall (wie auch regelmäßig in solchen Fällen) ging es um einen knapp 15-jährigen Sohn, der keinen Umgang mit dem Vater haben wollte, wobei sich die Eltern jedoch erst in jüngerer Vergangenheit getrennt hatten und der Sohn sichtlich unter dem Einfluss der den Vater ablehnenden Mutter stand.

In der Regel entscheiden die Gerichte jedoch dahingehend, dass einem Kindeswunsch, wenn das Gericht aufgrund des Alters feststellen kann, dass das Kind die für eine eigenverantwortliche Entscheidung erforderliche Reife aufweist, zu entsprechen ist (so z.B.: OLG Nürnberg, Az.: 10 UF 790/08).

Im vorliegenden Fall ist besonders zu berücksichtigen, dass anders als im o.g. Fall des OLG Brandenburg bislang keine soziale Bindung zwischen Vater und Tochter besteht. Es ist nachvollziehbar, dass sich Ihre Tochter, die bislang ja eher theoretisch Kenntnis von der Existenz Ihres bioligischen Erzeugers hatte, überfordert fühlt und allenfalls langsam einen Kontakt herstellen will. Nach Ihrer Sachverhaltsschilderung halte ich es für unwahrscheinlich, dass ein Gericht Ihre Tochter gegen ihren Willen zu einem Umgang mit dem Vater verpflichten würde.

Wenn Ihre Tochter dies nicht will, sollte sie ihm keinesfalls Telefonnummer oder Anschrift herausgeben oder auf Facebook antworten. Um einen Rechtsstreit zu vermeiden und um die Situation nicht schon im Vorfeld eskalieren zu lassen, sollte sie u.U. antworten, dass er ihr Zeit lassen solle, damit sie sich an den Gedanken gewöhnen kann, dass ihr Vater in ihr Leben tritt und vielleicht ein Treffen im nächsten Jahr (mit oder ohne Sie) in Betracht komme. Vielleicht baut sich ja ein Umgang auf, über den sich Ihre Tochter im Nachhinein freut und dankbar ist. Keinesfalls muss Ihre Tochter sich mit dem ihr unbekannten Vater an Weihnachten treffen. Obiger Vorschlag sollte auch lediglich eine Anregung sein. Kann sich Ihre Tochter absolut keinen Umgang oder ein Treffen vorstellen, sollte sie dies so mitteilen oder gar nioht mehr antworten. Dann müsste im Ernstfall tatsächlich die angesprochene gerichtliche Klärung herbeigeführt werden, bei der Ihre Tochter gute Chancen hat.

Sollte Ihre Tochter unter den Kontaktversuchen des Vaters leiden und sollte dieser Sie nicht in Ruhe lassen, sollte Ihre Tochter einen aufs Familienrecht spezialisierten Anwalt vor Ort aufsuchen, um zu erörtern, ob sogar das Erwirken eines Unterlassungstitels (hinsichtlich der väterlichen Kontaktversuche) Aussicht auf Erfolg hätte.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage gegeben zu haben und verweise andernfalls auf die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Lars Liedtke
Rechtsanwalt

Wir
empfehlen

Die Anwalt Flatrate

Sie befinden sich in einer emotional anstrengenden Scheidung oder Trennungsphase, die es einem schwer macht, Luft zu holen?

Mehr Informationen
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 61168 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,8/5,0
Frage wurde beantwortet. ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Er hat mir bestimmt geholfen, aber leider verstehe ich seine Antwort nicht wirklich. Sollte mein Chef das Weihnachtsgeld rückfordern wird es mir schwer fallen ihm klar zu machen , dass es nicht geht. ...
FRAGESTELLER