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Erstattung von Tierarztkosten nach Kauf eines Zwergkaninchens

22.01.2010 16:39 |
Preis: ***,00 € |

Tierrecht, Tierkaufrecht


Beantwortet von

Notarin und Rechtsanwältin Sonja Richter


Sehr geehrte Damen und Herren,

im Oktober 2009 kauften wir ein Zwergkaninchen (Jungtier, ca 8 Wochen alt) im Zoofachhandel. Bereits kurz nach dem Kauf magerte das Tier stark ab und entwickelte einen Schnupfen. Die Diagnose des Tierarztes war eine massive Infektion mit Kokzidien(Darmparasit) und Enzephalitozoen (Nervensystem). Beide Erreger müssen nach Aussge des Tierarztes bereits beim Kauf im Tier vorhanden gewesen sein, hatten aber zunächst keine Symptome gezeigt. Eine Infektion nach dem Kauf scheidet aus, da das Kaninchen mit keinem weiteren Tier in Kontakt gekommen war.
In Folge entstanden bis heute Tierarztbehandlungskosten in Höhe von rund 300,- Euro. Im Rahmen eines Reklamationsgespräches hatte das Zoofachgeschäft eine Kostenerstattung abgelehnt, da vor Konsultation der Tierklinik nicht der vom Fachgeschäft angestellte Tierarzt die Möglichkeit bekommen hatte, das Tier zu sehen.
(Anmerkung: In diesem Fall erfolgte aufgrund des kritischen Zustandes die Erstbehandlung notfallmäßig des Kaninchens an einem Samstagabend, da wäre in der Zoohandlung niemand mehr zu erreichen gewesen.)

In diesem Zusammenhang folgende Fragen:

Müssen die entstandenen Behandlungskosten von der Zoohandlung erstattet werden?

Hat die Zoohandlung einen Anspruch auf "Erstkonsultation"?

Muss man ggfs. ein Umtauschangebot der Zoohandlung annehmen (krankes Tier gegen gesundes Tier) bzw. erlischt bei Ablehnung eines solchen Angebotes der Schadensersatzanspruch? Wird ein Tier hier wie eine "x-beliebige" Sache behandelt?

Vielen Dank.
Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihre Frage auf Grundlage der mir vorliegenden Informationen und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes wie folgt:

Ich fange bei ihrer letzten Frage an: Tiere sind zwar eigentlich etwas anderes als Sachen, werden aber gem. § 90a BGB wie Sachen behandelt, es sei denn, es gibt Sondervorschriften. Damit werden Tiere wie “x-beliebige” Sachen behandelt. Juristisch gesehen liegt daher ein Kaufvertrag über eine Sache vor. Diese Sache ist - juristisch gesehen - mangelhaft, weil das Zwergkaninchen nicht gesund und damit nicht mangelfrei war. Diese Begriffe mögen für Tierliebhaber merkwürdig klingen. Dennoch möchte ich diese Begriffe verwenden, damit Sie die Gesetzeslage und -texte besser verstehen.

Wenn eine gekaufte Sache mangelhaft ist, stehen dem Käufer Gewährleistungsansprüche gem. §§ 437 ff BGB zu. Im Rahmen dieses Gewährleistungsrechts ist die Nacherfüllung grundsätzlich vorrangig. Erst, wenn diese verweigert wird, fehlschlägt oder unzumutbar ist, können weitergehende Rechte wie z.B. Schadensersatz geltend gemacht werden (vgl. § 440 BGB).

Nacherfüllung bedeutet, daß der Verkäufer zunächst die Gelegenheit bekommen muß, eine mangelfreie Sache zu liefern. Bei Tieren wäre dieses durch eine entsprechende tierärztliche Behandlung oder dem Tausch des Tieres gegen ein gesundes Tier möglich. Insofern ist der Tierhandlung grundsätzlich Recht zu geben, wenn diese verlangt, daß Sie das Zwergkaninchen erst dort hätten vorstellen müssen.

Allerdings gibt es von diesem Grundsatz auch eine Ausnahme: So bestimmt § 440 BGB, daß bei einer Unzumutbarkeit der Nacherfüllung auch direkt Schadensersatz (dieser bestünde hier in den entstandenen Tierarztkosten) verlangt werden kann. So wurde Unzumutbarkeit durch den BGH (NJW 05, 3211) bejaht bei einer dringenden Heilbehandlung eines kranken Hundes. In diesem Fall konnte der Käufer direkt einen Tierarzt aufsuchen und die Kosten hierfür vom Verkäufer ersetzt verlangen.

Auf Ihren Fall übertragen bedeutet dies, daß Sie in diesem Ausnahmefall auch ohne Erstkonsultation durch die Zoohandlung einen Tierarzt auf Kosten der Zoohandlung aufsuchen durften. Sie haben daher einen Anspruch auf Schadensersatz. Dieser Anspruch bleibt auch dann bestehen, wenn Sie sich zu einem Tausch des Tieres entschließen (vgl. § 325 BGB).

Ich hoffe, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben, und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Sonja Richter
- Rechtsanwältin -

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