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Einbaukühlschrank zu laut. Wer haftet? Verkäufer oder Hersteller

| 11.10.2018 22:15 |
Preis: 60,00 € |

Kaufrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alexander Dietrich


Guten Abend,

wir haben eine Einbauküche inkl. elektrischen Geräte bei einem Möbelhaus gekauft, welche Anfang 2018 verbaut wurde. Nach Einzug 2 Monat später stellten wir fest, dass der Kühlschrank unserer Erfahrung nach ungewöhnlich laut ist. Laut Beschreibung des Geräts solten es aber nur 36 db haben. Laut unserer Messung kommen wir aber auf Werte von max 50 db. Wir verwenden zwar kein professionelles Messgerät, allerdings verlies ich mich Anfangs auf meine Gehör/Erfahrung und habe dann erst mit einem Handy App nachgemessen.

Daraufhin wendeten wir uns telefonisch an Möbelhaus, welche uns bat eine Überprüfung durch einen Techniker des Herstellers in Auftrag zu geben. Gesagt, getan. Der Techniker kam, überzeugte sich vom technisch einwandfreiem Funktionieren des Kühlschranks, inkl. Messung der Temperatur. Allerdings nicht bzgl. der Lautstärke. Aussage des Technikers: "Ich bin nicht befugt die Lautstärke des Geräts vor Ort zu messen!"

Daraufhin haben wir uns zweimal beschwert und haben aber einen anschließenden Brief mit folgenden Inhalt bekommen(Auszug):

Zitat Beginn
Auch heute nach nochmaliger Prüfung der Unterlagen und Rücksprache mit unserem Servicepartner, können wir Ihnen versichern, dass sich Ihre Kühl-Gefrierkombination technisch in einem einwandfreiem Zustand befindet.

Sofern die Stärke der Betriebsgeräusche in Dezibel angegeben sind, muss berücksichtigt werden, dass diese Werte unter Laborbedingungen ermittelt worden sind und am Aufstellort nicht nachgemessen werden können.

Nachdem unser Service-Partner bei der Überprüfung Ihres Gerätes keine technischen Abweichungen feststellen konnte, gehen wir davon aus, dass kein Fehler vorliegt. Auch hinsichtlich der Einbausituation konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden.
Zitat Ende

Letztlich haben wir uns an das Möbelhaus gewendet und haben freundlich auf die Gewährleistung hingewiesen. Diese beziehen sich allerdings ebenfalls auf die letzte Aussage des Herstellers und fühlen sich nicht verantwortlich. Wichtiger Hinweis: die ersten schriftlichen Beschwerden unsererseits ans Möbelhaus war nach mehr als 6 Monate nach dem Verbauen. Die erste nachweisliche Prüfung durch den Techniker war fast genau 6 Monate nach dem Einbau. Demnach war die Beauftragung innerhalb der ersten 6 Monate.

Kommende Woche wird ein Techniker von dem Hersteller wieder vor Ort sein. Wobei weder wir, noch das Möbelhaus haben den Techniker bewusst beauftragt. Aber vermutlich kam eines der vielen Beschwerden an, welches den erneuten Besuch eines Techniker wahrscheinlich veranlasst hat.

Nun zu den Fragen:
- Kann ich als Kunde bei einer Angabe von 36 db davon ausgehen, dass maximal 36 db zu hören sind?
- Muss ich als Kunde davon ausgehen, dass Laborwerte unanfechtbar sind? (Wie bei Autoabgaswerten? :-))
- Wer haftet in diesem Fall?
- Wie sind die Chansen gerichtlich vorzugehen?
- Muss erst ein Gutachter eingeschaltet werden, um die Lautstärke nachzuweisen?
- Erlischt die Garantie, sofern wir den Kühlschrank ausbauen lassen, um uns im freien Raum von der Lautstärke zu überzeugen?
- Welche weiteren Schritte empfehlen Sie uns?
- Was sollen wir im speziellem beim nächsten Termin kommende Woche mit dem Techniker tun/protokollieren/...?

Mit freundlichen Grüßen,
gefrusteter Kunde

Einsatz editiert am 12.10.2018 07:52:41

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

1. Grundsätzlich stellt eine Überschreitung des angegebenen Dezibelwertes einen Sachmangel im Sinne von § 434 BGB dar. Allerdings gewähren Gerichte teilweise eine Toleranz von 10%, sodass hier 39,8 db die Obergrenze wären.

2. Nein, solche Laborwerte sind nicht unanfechtbar. Dies gilt im Übrigen auch bei Auto nicht.

3. Der Händler, also hier das Möbelhaus, ist in Anspruch zu nehmen. Der Anspruch richtet sich zunächst auf Nacherfüllung (Reparatur des Kühlschrankes). Da diese wohl nicht möglich sein wird, weil das Gerät wahrscheinlich grundsätzlich lauter ist, als angegeben, besteht nach Ihrer Wahl die Möglichkeit den Kaufpreis zu mindern oder vom Kaufvertrag zurückzutreten.

4. Wenn der Mangel bewiesen werden kann, stehen die Chancen gut.

5. In diesem Fall wird sich das Ganze nur durch einen Gutachter klären lassen. Ihre eigene Messung ist vor Gericht leider nicht verwertbar und zwar grundsätzlich nicht, egal unter welchen Bedingungen oder mit welchen Messgeräten Sie diese durchführen. Daher sollten Sie auch keine Maßnahmen zu einer genaueren Messung unternehmen. Diese Kosten können Sie sich sparen.

6. Die Garantie würde erst erlöschen, wenn Sie eine Änderung am Gerät vornehmen. Ein Ausbau aus der Einbauküche, der in aller Regel ohne Änderung des Gerätes möglich sein dürfte, bringt die Garantie nicht zum Erlöschen. Wie unter Ziff. 5 gesagt bringt Ihnen der Ausbau aber nichts, wenn er darauf gerichtet sein sollte, eine genauere Messung durchzuführen.

7. Meine Empfehlung ist es, dass Sie sich mit dem Möbelhaus außergerichtlich auf einen Vergleich einigen und eine Kaufpreisminderung aushandeln. Ein gerichtliches Gutachten ist teuer und wenn dieses zum Ergebnis kommt, dass die Lautstärke doch im angegebenen Bereich ist, dann bleiben Sie auf den hohen Kosten sitzen. Dies sollte man nur mit einer Rechtsschutzversicherung im Rücken angehen, ansonsten würde ich davon abraten.

8. Sie können protokollieren, was der Techniker getan hat. Allerdings ist dies in Ihrem Fall nicht von großer Bedeutung, da bereits vorher gesagt wurde, dass keine Lautstärkemessung durchgeführt wird. Sollte doch eine Messung erfolgen, ist am besten ein Zeuge vor Ort und es wird ein Bild des Messergebnisses angefertigt von Ihnen.


Ich hoffe, Ihre Fragen verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Dietrich
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 14.10.2018 | 00:47

Hallo Hr Dietrich,
Vielen Dank für die Informationen. Bzgl der Minderung des Kaufpreises habe ich nur noch eine Frage:
Wie viel Prozent Minderung vom Kaufpreis (des Kühlschranks) wäre angemessen bzw üblich?
Grüße,
Ernüchterte Kunde

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.10.2018 | 07:59

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

Realistisch wäre hier wohl eine Minderung um etwa 10% bis 15% des Kaufpreises.

Viele Grüße
Alexander Dietrich

Bewertung des Fragestellers 14.10.2018 | 08:18

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Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 14.10.2018 5/5,0
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