Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Bewertungen
508.693
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Auktion gewonnen zu Preis weit unter Wert, wie vorgehen?

11.04.2009 11:42 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe bei ebay.de, im Bereich "Business", eine Immobilie ersteigert zu einem sehr günstigen Preis. Wie der Auktionsbeschreibung zu entnehmen ist, ist der Endpreis der Auktion auch der Kaufpreis der Immobilie. Da ich erwarte, daß der Verkäufer die Immobilie nicht zu diesem Preis herausgeben wird, würde ich gerne eine Einschätzung zur Situation haben und welche Schritte notwendig oder Empfehlenswert sind. Bislang habe ich dem Verkäufer nur meine Kontaktdaten gesendet und gebeten, sich mit mir in Verbindung zu setzen, was bislang noch nicht geschehen ist. Mich interessieren folgende Fragen:

- Ist der Kauf / das Angebot in dieser Form korrekt und rechtsverbindlich?

- Es sind keine Bankdaten hinterlegt, ich würde den Kaufpreis aber gerne zahlen, um hier auf der sicheren Seite zu sein. Wie kann ich dies tun, wenn der Verkäufer keine Bankdaten angibt?

- Welche Schritte zur Abwicklung sind nun empfehlenswert bzw. wie sollte weiter vorgegangen werden (gemäß dfem Fall, das der Verkäufer die Übergabe verweigert)

- Kann der Verkäufer damit argumentieren, daß er neu bei Ebay ist? (Noch keine Bewertungen und erst seit 3 Monaten Mitglied). Ich gehe davon aus daß auch hier "unwissenheit schützt vor Strafe nicht" gilt und der Verkäufer sich ja die AGB von Ebay hätte durchlesen können und wusste, der der Verkauf verbindlich ist. Vor allem in der Hinsicht, daß es im Bereich "Business" bei Ebay die Option des Mindestpreises gibt und generell ein frei wählbarer Startpreis eingesetzt werden kann.

Gerne hätte ich eine Antwort von einem Fachanwalt aus diesem gebiet, der ggfl. auch das Mandat übernehmen würde, sofern es zu einem Rechtsstreit kommt (wobei ich bei dem Kaufpreis davon ausgehe).

Im Internet habe ich vergleichbare Fälle eines "Rübenroders" und einiger hochwertiger Fahrzeuge gefunden. Mich interessiert also vorrangig die juristische Einschätzung ob ein Rechtsstreit Sinn machen würde und wie die "Erfolgsquote" einzuschätzen wäre.

Mein Höchstgebot für die Immobilie lag deutlich über dem jetzigen Kaufpreis. Wichtig ist wahrscheinlich noch, daß nicht die Absicht dahinter stand, einen hohen Wert günstig zu kaufen, sondern die Immobilie selbst als Filliale bzw. Sportcenter / Reisebüro für Extremsport und Outdoor-Activities nutzen zu wollen.

Mit freundlichen Grüßen,


-- Einsatz geändert am 11.04.2009 12:13:59

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihre Fragen unter Zugrundelegung des von Ihnen geschilderten Sachverhalts und unter Berücksichtigung des von Ihnen ausgelobten Honorars wie folgt:

1. Grundsätzlich ist ein über eBay abgeschlossener Kaufvertrag auch dann wirksam, wenn das Auktionsergebnis deutlich unter dem tatsächlichen Wert der Sache liegt. Dies hat u.a. das OLG Köln in dem von Ihnen erwähnten "Rübenroder-Urteil" vom 08.12.06 (19 U 109/06) festgestellt. Zwar können Kaufverträge bei einem krassen Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung sittenwidrig sein. Dies kann jedoch bei Internet-Auktionen nicht zum Tragen kommen, da es dem Charakter einer Internet-Auktion widersprechen würde, wenn die Präsentation eines Artikels nur dann verbindlich sein soll, wenn auch ein angemessener Preis erzielt wird. Aus dem gleichen Grunde ist der Verkäufer einer Internet-Auktion auch nicht berechtigt, den Kaufvertrag wegen Irrtums nach § 119 BGB anzufechten, wenn er den erwarteten Preis nicht erzielt hat.

2. Die Besonderheit Ihres Falles besteht darin, dass Sie nicht eine bewegliche Sache, sondern eine Immobilie "ersteigert" haben. Denn anders als bei beweglichen Sachen ist der Erwerb eines Grundstücks bzw. einer Immobilie in Deutschland stets erst nach notarieller Beurkundung wirksam. Zwar bilden auch für das Zustandekommen eines Grundstücks- bzw. Immobilienkaufvertrages Gebot und Zuschlag die für den Erwerb erforderlichen übereinstimmenden Willenserklärungen. Doch damit ist die Übertragung bzw. der Erwerb des Grundstückseigentums noch nicht abgeschlossen. Denn der Vertrag bedarf zudem, um wirksam, d.h. verbindlich zu werden, noch der notariellen Beurkundung. Solange also keine notarielle Beurkundung stattgefunden hat, unterliegen beide Vertragsteile vertraglich keinerlei Pflichten und können jederzeit von ihren Erklärungen wieder Abstand nehmen. Dies bedeutet für Ihren Fall:

Solange noch kein Notartermin stattgefunden hat, können weder Sie vom Verkäufer die Übergabe und Übereignung des Grundstücks verlangen noch kann der Verkäufer von Ihnen die Zahlung des Kaufpreises verlangen. Vor der notariellen Beurkundung sollten Sie daher auch auf keinen Fall den Kaufpreis bezahlen. Solange noch kein Notartermin stattgefunden hat, brauchen Sie sich nicht mit der Forderung auf Einhaltung des Vertrages oder Schadensersatz unter Druck setzen zu lassen, können aber umgekehrt diesen Druck auch nicht auf den Verkäufer ausüben.

3. Abschließend noch einige allgemeine Hinweise für den Immobilienkauf im Internet:

- Der Grundstückverkäufer ist verpflichtet, dem potentiellen Grundstückskäufer den beabsichtigten Text des Rechtsgeschäfts zwei Wochen vor der Beurkundung zur Verfügung zu stellen, um ihn vor vorschnellen und unüberlegten Handlungen zu bewahren. Bei einer Immobilienversteigerung muss der Vertragstext deshalb öffentlich bekannt gegeben werden, bei einer Online-Auktion zusammen mit dem Angebot im Internet. Fehlt es hieran, spricht dies nicht unbedingt für die Seriosität des Verkäufers und seiner Offerte.

- Vorsicht ist auch immer dann geboten, wenn, wie dies bei einigen Immobilien-Auktionatoren der Fall ist, der Bieter vor der Versteigerung eine Vollmacht unterschreiben muss, aufgrund derer dann ein Mitarbeiter des Auktionshauses den notariellen Kaufvertrag für den Ersteigerer abschließt. Das ist in jedem Fall dann problematisch, wenn die Vollmacht ohne vorherige persönliche Beratung durch einen Notar schriftlich abgegeben werden soll, da dann die Gefahr besteht, dass der Bieter vor Abschluss des Kaufvertrages über die Tragweite nicht ausreichend belehrt wird.

In der Hoffnung, Ihnen mit meiner Antwort eine erste Orientierungshilfe gegeben zu haben, verblleibe ich

Mit freundlichen Grüßen
Martin Heuser
Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 66401 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Herr RA Roth hat die Frage bzgl. der Grunddienstbarkeit an einem Grundstück zwar beantwortet, die klärende Rückfrage von mir steht noch aus. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Ausführliche, differenzierte und auf meine Situation bezogene Antwort. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Klar verständlich was einen guten Anwalt auszeichnet ...
FRAGESTELLER