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Versicherter Versand, trotzdem keine Ware erhalten


31.03.2007 18:31 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von

Rechtsanwältin Tanja Stiller



Ich habe als gewerblicher Anbieter eine Tacho für 79,- Euro verkauft, der vom Käufer bezahlt wurde und von mir als versichertes Paket mit Hermes versendet wurde. Das Paket wurde aber , da der Käufer nicht anzutreffen war, bei einem Nachbarn im gleichen Hause gegen Unterschriftsbeleg angenommen, was mir dieser auch bestätigte.(Beleg von Hermes ist vorhanden) Er hat das Paket dann dem Käufer vor die Haustüre gelegt, wo es dann angeblich verschwunden ist. Der Käufer verlangt nun von mir, dass ich ihm den Artikel nochmal senden soll, da er die bestellte Ware nicht "persönlich" ausgehändigt bekommen hat. In den AGB von Hermes ist ausdrücklich eine Nachbarschaftsabgabe erlaubt, der Käufer hat auch nicht ausrücklich eine persönliche Annahme von mir verlangt.
Bin ich zu Schadenersatz verpflichtet?

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Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für die Einstellung Ihrer Fragen.

Zuerst möchte ich Sie daraufhin weisen, dass dieses Forum lediglich eine erste rechtliche Orientierung bieten soll, die in keinem Fall den Gang zu einer Kollegin/ einem Kollegen vor Ort ersetzt.
Durch Hinzufügen oder Weglassen von Sachverhaltsangaben kann nämlich die rechtliche Beurteilung komplett anders ausfallen und somit zu einem anderen Ergebnis führen.

Ihre Frage beantworte ich aufgrund, der von Ihnen erhaltenen Angaben und eingesetzten Betrag wie folgt:

Ich gehe für die Bearbeitung der Frage davon aus, dass Ihr Käufer ein Verbraucher ist.

Nach § 447 BGB trägt der Käufer grundsätzlich die Versendungsgefahr, wenn er verlangt, dass die Sache versendet wird.
Gemäß § 474 Abs.2 BGB gilt diese Vorschrift aber NICHT, wenn es sich um einen Verbrauchsgüterkauf handelt.
Ein Verbrauchsgüterkauf liegt nach § 474 Abs.1 BGB vor, wenn ein Verbraucher eine bewegliche Sache beim Unternehmer kauft.
Nach § 474 Abs.2 BGB trägt das Versandrisiko des zufälligen Untergangs und der zufälligen Verschlechterung der Verkäufer (Unternehmer), weil dieser über Art und Weg der Beförderung entscheidet.
Der Verkäufer wählt den Beförderer aus und kann die Transportversicherung abschließen und im Kaufpreis kalkulieren
Die Gefahr geht erst über, wenn der Verbraucher den Besitz an der gekauften Sache erlangt.

Die Beweislast für den Zeitpunkt des Gefahrübergangs (=Erhalt der Sache) trägt derjenige, der sich darauf beruft, also Sie.
Sie müssen also beweisen, dass der Käufer die Ware erhalten hat und nicht von einem anderen Nachbarn gestohlen wurde oder sonst abhanden gekommen ist.

Der Umstand, dass der Hermes- Versand in seinen AGB´S eine Nachbarschaftszustellung erlaubt, berührt nicht die oben genannte Regelung.
§ 474 Abs.2 BGB kann nicht wirksam abbedungen werden.
Diese Regelung betrifft nur Sie und Hermes und Ihre eventuellen Ansprüche gegen Hermes.

Meines Erachtens müssen Sie die Sache nochmals versenden.
Jedoch sollten Sie der Sicherheit halber einen Versandservice wählen, bei dem nur eine persönliche Annahme durch den Käufer möglich ist.


Es tut mir leid, dass ich Ihnen keine positive Nachricht überbringen konnte.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwältin Tanja Stiller
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