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Verlust bei Aktienfond


18.12.2008 09:24 |
Preis: ***,00 € |

Wirtschaftsrecht, Bankrecht, Wettbewerbsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Dr. Corina Seiter



Sehr geehrter Anwalt,
ich haben vor ca. 9 Monate bei einer Bank Geld angelegt; ich wollte nur sicheres Geld, da die Zinserträge auch ein Beitrag zu meiner Rente sind. Nun hatte ich mich doch überreden lassen, einen Teil meines Geldes in einem Aktienfond anzulegen. Bei dem Absturz der Börsen bekam ich keinerlei Information von meiner Bank, dass der Aktienfond so schnell an Wert verliert. Ich hätte gerne schnell die Fondanteile verkauft, habe erst jetzt verkauft, nachdem der Fonds fast die Hälfte seines Wertes verloren hatte.
Wäre meine Bank verpflichtet gewesen, mich rechtzeitig von der schlechten Entwicklung des Fonds zu unterrichten, und kann ich gegen die Bank deswegen vorgehen? Zwei weitere befragte Banken sagten uns, sie hätten in so einem Fall den Kunden informiert.
Danke für Ihre Antwort.

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Sehr geehrte Fragende,

im Rahmen einer Erstberatung lässt sich auf Basis der von Ihnen gemachten folgende Antwort geben:

Grds. ist festzuhalten, dass einem als konservativ zu bezeichnenden, d.h. nur auf Substanzerhaltung mit grds. moderater Verzinsung bedachten Anleger keinesfalls eine Anlage angedient werden darf, die das Risiko eines wie von Ihnen geschilderten und bei Fondsanteilen nicht ungewöhnlichen Substanzverlustes (oder gar Totalverlustes) in sich birgt.

Fraglich ist in Ihrem Falle jedoch, ob Ihnen dieses Geschäft gegen Ihren geäußerten Willen quasi "aufgeschwatzt" wurde - ggf. sogar unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, indem z. B. das tatsächliche Risiko der Kapitalanlage bewusst beschönigt oder sogar ganz verschwiegen wurde.

Da dieser Beweis in der Regel nur sehr schwierig anzutreten ist, hat der Gesetzgeber die Banken im Rahmen der Anlageberatung verpflichtet, bei Abschluss von Investmentgeschäften bzw. bereits bei Eröffnung eines Kundendepots zu dokumentieren, was zwischen Kunde und Berater besprochen wurde und insbesondere wie sich die Anlageziele des Anlegers definieren, welchem Risikoprofil dieser zuzuordnen ist. Jeder Anlageberater ist zu dieser Prüfung verpflichtet, die Rechtsprechung nennt dieses die sog. "Plausibilitätsprüfung". Zu prüfen ist dabei, ob die von dem Berater empfohlene und daraufhin vorgenommene Anlage auch zu dem Anleger und zu dessen Risikobereitschaft passt. Insbesondere hat eine Dokumentation stattzufinden, wenn sich - wie in Ihrem Falle - die Risikostufe der Kapitalanlagen und somit das Risikoprofil des Anlegers erstmals (hier etwa: von "konservativ" auf "risikobereit") entscheidend ändert.

Hierzu bitte ich Sie, mir ggf. weitere Informationen zukommen zu lassen.

In dem von Ihnen vorgetragenen Fall kommt es - eine solche diesem nicht entgegenstehende Dokumentation vorausgesetzt - in jedem Falle darauf an, inwieweit Sie dem Berater klar und deutlich mitgeteilt haben, in jedem Falle nur eine sichere Anlage zu wollen, und inwiefern vor diesem Hintergrund eine ordnungsgemäße Beratung/Aufklärung des Beraters erfolgt ist.

Das Landgericht Mannheim (AZ: 3 O 100/02, Urteil vom 19. Dezember 2002) sagt dazu: "...Die Beratung hat sich daran auszurichten, ob das beabsichtigte Anlagegeschäft der sicheren Geldanlage dienen soll oder spekulativen Charakter hat. Die empfohlene Geldanlage muss unter Berücksichtigung dieses Ziels auf die persönlichen Verhältnisse des Kunden zugeschnitten, d.h. anlegergerecht sein; ferner muss sich die Beratung bezüglich des Anlageobjekts auf die jeweiligen Eigenschaften und Risiken beziehen, die für die jeweilige Anlageentscheidung wesentliche Bedeutung haben oder haben können (objektgerechte Beratung)..."

Insbesondere, so das LG, sind hierbei seitens der Bank auch Kenntnisse hinsichtlich etwaiger früherer (in Ihrem Falle also: rein konservativer) zu beachten. So war es wohl auch in Ihrem Falle der Bank bekannt, dass Sie bislang nur besonders risikoarme (festverzinsliche) Geschäfte tätigten und tätigen wollten.

An diesen vorstehenden Grundsätzen muss sich die Bank im Rahmen Ihrer Beratung halten. Denn sie musste ihre Wertpapierdienstleistungen im Interesse Ihrer Kundin erbringen (§ 31 WpHG). Es ist ihr sogar ausdrücklich verboten, Kunden den Ver- und Ankauf von Wertpapieren zu empfehlen, soweit die Empfehlung nicht anlegergerecht ist und sie nicht mit den Interessen der Kunden überein stimmt (§ 32 WpHG).

Wie gesagt, unter dem Strich ist entscheidend, wie genau Sie über die bestehenden Risiken aufgeklärt worden sind bzw. wie "frei" Ihr Wille bei Abschluss des Geschäftes war. Hier bestehen aber ggf. größere Beweisprobleme.

Fraglich ist aber, ob und wann - wie Sie schreiben - die Bank verpflichtet ist, Sie über (starke) Kursveränderungen bzw -verluste zu informieren. Es ist in Anbetracht der sich stets sehr kurzfristig ändernden Markt- und Kurssituationen natürlich mitunter auch für "Spezialisten" schwierig - wenn nicht gar unmöglich - derartige insbesondere negative Entwicklungen vorherzusehen. In jedem Falle ist die Bank natürlich - wie im Übrigen auch jeder andere im Geschäftsleben - verpflichtet, im zumutbaren und zu erwartenden Rahmen dafür Sorge zu tragen, dass Schaden vom Kunden abgewendet wird.

Hier kommt es sicherlich auf eine Einzelfallprüfung an.

Sollte entsprechend der vorstehenden Ausführungen eine Pflichtverletzung der Bank anzunehmen sein, so wäre die Bank verpflichtet, Ihnen, den durch den Kursverlust entstandenen Schaden vollständig zu ersetzen.

Ich hoffe, Ihnen hiermit ausreichend weitergeholfen zu haben.

Sollten Sie an einer weiteren (Einzel-)Prüfung Ihres Falles bzw. an einem weiteren rechtlichen Vorgehen gegen die Bank bzw. den Berater interessiert sein, so werde ich Sie hierbei gerne unterstützen. Setzen Sie sich in diesem Falle einfach mit mir in Verbindung, ich unterbreite Ihnen dann gerne ein entsprechendes Angebot.

Mit freundlichem Gruß,

Dr. Corina Seiter

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