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Sexuelle Belästigung ?

18.05.2016 15:11 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Sylvia True-Bohle


Hallo,
folgende Situation:
Auf einer Familienfeier wurde meine Tochter (16 Jahre) von einem „Freund" der Familie angesprochen: Was hast du denn geschenkt bekommen? Unterwäsche! Da kannst mir dann ja mal ein paar Fotos schicken! Ich habe jetzt ein neues Bett wollen wir das mal zusammen einweihen?
Der „Freund" hat die Fragen erst dann gestellt, als er sicher war, dass kein anderer das Gespräch mit hören konnte.
Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr mit dieser Person. Wir haben die Frau des „Freundes" gefragt wies sie das findet? Antwort: Ihr wisst doch wie er ist…., er meint das nicht so.
Ist es richtig dass wir hier keine Möglichkeit haben juristisch tätig zu werden oder gibt es Möglichkeiten, diesem Herrn wenigstens auf die Ernsthaftigkeit dieser Angelegenheit hinzuweisen?

Vielen Dank!

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Sehr geehrter Ratsuchender,

strafrechtlich wird dieses unmögliche Verhalten wohl noch nicht zu verfolgen sein.

Die Rechtsprechung lehnt die strafrechtliche Verfolgung einer "bloßer verbalen Belästigung und Taktlosigkeit" - die unzweifelhaft vorliegt - ab.

Eine entsprechende Strafanzeige wird also dann vermutlich in Leere gehen und das Verfahren eingestellt.

Inwieweit so ein Verfahren aber trotzdem eine Warnung sein könnte, steht auch einem anderen Blatt.

Im Wiederholungsfall wird der "Freund" dann wohl kaum nochmals mit einer Einstellung rechnen können.

Anders ist auch die zivilrechtliche Möglichkeit zu betrachten.

Denn dort würde es um eine zivilrechtliche Unterlassung gehen und die wäre auch vor einem Zivilgericht durchsetzbar.

Ihrer Tochter ist es nicht zuzumuten, sich so etwas anhören zu müssen. Sie kann darauf bestehen, dass das künftig eben unterlassen wird.

Aber Ihre Tochter wäre dann für die Äußerungen beweispflichtig.

Das Gespräch mit der Ehefrau des "Freundes" wird zwar sicher ein Indiz sein, aber ob es dann als Beweis reicht, kann fraglich sein.

Gleichwohl würde ich Ihrer Tochter dazu raten, zumindest schriftlich die Unterlassung solchen Verhaltens zu fordern, um eben künftig davor bewahrt zu werden.

Ob auch die durchaus mögliche Strafanzeige gestellt werden soll, bleibt der Tochter überlassen. Auch dort sollte der Vorwurf beweisbar sein, was aber eben im Strafverfahren mit dem Gespräch mit der Ehefrau eher möglich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin

Sylvia True-Bohle, Oldenburg

Nachfrage vom Fragesteller 18.05.2016 | 16:56

Wenn wir durch einen Anwalt eine Unterlassungserklärung beauftragen um solche Äußerungen zu unterbinden trägt dann auch der Beschuldigte die Anwaltskosten? Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.05.2016 | 17:07

Sehr geehrter Ratsuchender,

zunächst einmal trägt immer der Auftraggeber die Kosten.

Es besteht dann aber ein Regressanspruch gegen die Gegenseite.

Aber zahlt diese nicht, oder kann es nicht, entfällt nicht die Zahlungspflicht des Auftraggebers.

Hier kann es aber möglich sein, dass die Tochter Beratungshilfe bekommt:
http://rabohledotcom.wordpress.com/2015/10/12/beratungshilfe/

Diese Beratungshilfe sollte beim Amtsgericht beantragt werden.

Mit dem Berechtigungsschein kann dann jeder Rechtsanwalt beauftragt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin

Sylvia True-Bohle, Oldenburg

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