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Ohrfeige nach Unfall - Körperverletzung?


02.10.2006 14:22 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht



Sehr geehrte Damen und Herren

ich hoffe Sie können mir bei folgender Frage helfen.

Ich hatte vorgestern einen Fahrradunfall: zwei Männer liefen mitten auf dem Fahrradweg und sind auch nach mehrmaligem Klingeln nicht ausgewichen. Da ich nicht rechtzeitig bremsen konnte, bin ich ausgewichen und dabei gestürzt. Direkt nach dem Sturz habe ich dem Unfallverursacher eine Ohrfeige gegeben. Es ging alles sehr schnell.
Ich habe nicht sehr fest zugeschlagen, und er ist auch nicht umgefallen bzw. hatte keine Verletzungsspuren im Gesicht (Ich muss dazusagen, es war ein mind. 1,90m grosser Mann, und bin eine 1,70m grosse Frau).

Wir haben dann die Polizei gerufen und den Unfall zur Anzeige gebracht, da ich mehrere Verletzungen hatte, wegen derer ich in ärztlicher Behandlung bin, und mein Fahrrad und meine Kleidung beschädigt sind.
Der Polizist hat mir nach der Aufnahme der Anzeige mitgeteilt, der Unfallverursacher hätte gegen mich eine Anzeige wegen Körperverletzung gestellt, wegen der Ohrfeige.

Meine Frage ist nun, ob und was ich zu befürchten habe. Ich habe keinerlei Vorstrafen, und ich bin die Geschädigte in dem Unfall.
Habe ich im Affekt gehandelt, oder unter Schock stehend? Wird es zu einer Gerichtsverhandlung kommen und bin ich dann vorbestraft?

Ich hoffe Sie können mir weiterhelfen! Herzlichen Dank!

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Sehr geehrte Fragestellein,

Ihre Anfrage möchte ich im Rahmen dieser Erstberatung wie folgt beantworten:

I. „Affekttaten“ haben eine Bedeutung gerade bei schweren Delikten, etwa Tötungsdelikten“. In Ihrem Fall könnte man zwar die Tat mit der Begründung, die Ohrfeige sei eine Affekthandlung“ gewesen begründen, dennoch würde wohl die Argumentation nur u.U. allein durchdringen.

Trotzdem können Sie hier die Spontaneität Ihres Handeln herausstellen und sollten angeben, durch den Sturz verwirrt und erschrocken gewesen zu sein. So kann man in den Raum stellen, dass Sie bei Begehung der Tat nicht schuldfähig gewesen sind. (Also eine Kombination aus Schreck, Schock, Schmerz.)

II. Mit dieser Argumentation sollten Sie eine Anklageerhebung vermeiden können, da man zu Ihren Gunsten davon ausgehen muss, dass Sie bei Begehung der Tat nicht schuldfähig gwesen sind. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens wäre dann eine Einstellung des Verfahrens nach § 153 Abs. 1 StGB wahrscheinlich. Vorbestraft wären Sie dann nicht.

Sollte es trotz allem zu einer Hauptverhandlung kommen, dann wäre auch noch in der Hauptverhandlung eine Einstellung möglich.

Auch sollten Sie etwaigen zivilrechtlichen Ansprüchen mit dem Argument entgegentreten, dass Sie bei Begehung der Tat schuldunfähig gewesen sind.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Stephan André Schmidt, LL.M.
Rechtsanwalt
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