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Anwalt reagiert nicht, was tun?

21.10.2010 21:11 |
Preis: ***,00 € |

Anwaltsrecht, Gebührenrecht


Beantwortet von


Hallo,

ich habe vor einiger Zeit immer mal wieder ein paar kleine Fragen auf dieser Seite hier gestellt, die mir ein Anwalt auch immer prompt beantwortet hat.

Dieser Anwalt wurde dementsprechend zu meinem "Stammanwalt" und hat direkt in kurzer Zeit mehrere Mandatschaften übernommen und Aufträge bearbeitet.

Nun ist es leider so, dass die euphorie des "guten Anwalts" nicht lange Anhielt.

Eine kleine Übersicht:

Fall 1:
Kunde übt Kritik über meine Geschäftsgebahren im Internet, stellt dies aber als Betrug hin und erzählt Tatsachen (nachweißbar) falsch.
Dies geschah in einem Forum.
Ich habe mehrfach versucht den Forumsbetreiber auf seine Löschpflicht hinzuweisen, sowie den "Schreiberling" auf Richtigstellung der Tatsachen zu verweisen.
- Der Forumsbetreiber sollte abgemahnt werden, diesen Thread zu entfernen.
- Wenn dies nicht geschieht, sollte eine Einstweilige Verfügung / Klage erhoben werden.

Fall 2:
Kunde kauft Ware A.
Kunde macht nachweißlich Ware A kaput.
Kunde gibt Ware A zur Reparatur. (Die er auch zahlt).
Nach Reparatur will Kunde vom Kauf zurücktreten.
Ich lehne ab, da 14 Tage vorbei und Gerät nicht in Ursprungszustand.
Kunde ergaunert sich mit Ausreden über PayPal das Geld zurück.
- Kunde sollte hier auf Abnahme verklagt werden.und alle entstandenen Kosten übernommen werden.


Beide Fälle sind seit gut 2 Monaten offen.
Der Anwalt hält mich immer wieder hin und verspricht mir "morgen / nächste Woche / nach dem Wochenende" bekomme ich alle Unterlagen.

Als ich Ihm vor einiger Zeit eine Frist setzte, indem ich darum bitte, die Unterlagen zu bekommen, wurde der Anwalt böse, sagte er bekomme gar nicht gerne Fristen von Mandanten, würde Folgeaufträge nicht mehr übernehmen, wenn das so weiter geht und würde anfangen ab sofort Dinge wie Klagen nur noch mit Vorkasse zu machen.
Da wurde ich zurückhaltend und habe dann einfach oft lieb "bitte bitte" gemacht, aber selbst nach 2 Monaten habe ich nicht einen einzigen Brief in beiden Fällen.



Was kann ich tun, wie kann ich weiter vorgehen?

Wenn ich jetzt einfach einen zweiten Anwalt einschalte, der die Fälle endlich mal ins Rollen bringt, und der erste Anwalt schon was gemacht hat, muss ich doppelt bezahlen? (Ich denke nicht das ich doppelt dem "Täter" in Rechnung stellen kann?!)

Ich habe beide Fälle eröffnet, weil mein Anwalt mir hier sehr gute Chancen in Aussicht stellte und dies auch immer gut und logisch (mit BGB) begründen konnte. Man sagte mir immer, die Anwaltskosten müsse nur der Gegner zahlen, da er den Anwaltseinsatz verschuldet hätte.
Wenn ich mich jetzt mit dem Anwalt "mies" stelle, bleib ich dann drauf sitzen? (Der Anwalt wird es im Worst Case dann ja nicht mehr durchsetzen denke ich)


21.10.2010 | 23:10

Antwort

von


(265)
Am Wissenschaftspark 29
54296 Trier
Tel: 06514628376
Web: http://www.zimmlinghaus.de
E-Mail:

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich wie folgt beantworten möchte:

Zunächst sei festgestellt, dass jeder Anwalt, der ein Mandat übernimmt, verpflichtet ist, die Angelegenheit zügig voranzutreiben und die notwendigen rechtlichen Schritte zeitnah einzuleiten. Dass Mandant und Anwalt eventuell unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Bedeutung der Worte "zeitnah" und "zügig" haben, kommt in der Praxis nicht selten vor. Der Mandant sollte hierbei natürlich auch bedenken, dass er im Regelfall nicht der einzige Mandant ist und dass je nach Größe der Kanzlei und Arbeitsaufkommen des Anwalts nicht realistisch erwartet werden kann, dass unmittelbar nach Unterzeichnen der Vollmacht die entsprechenden rechtlichen Schritte eingeleitet werden.

Dennoch würde ich Ihnen zustimmen, dass ein Mandant innerhalb von gut zwei Monaten in jedem Fall erwarten kann, dass der Anwalt in der Angelegenheit tätig geworden ist. Speziell in dem von Ihnen geschilderten Fall 1 wäre es ja für Sie wichtig, dass hier nun dringend die entsprechenden Schritte eingeleitet werden, um Nachteile für Sie zu verhindern.

Wenn ein Anwalt nach Mandatsübernahme nicht tätig wird, haben Sie selbstverständlich das Recht, ihm das Mandat wieder zu entziehen. Natürlich dürfen Sie dazu dem Anwalt auch eine Frist setzen, in welcher er tätig geworden sein soll, wenn er das Mandat weiter übernehmen möchte. Ob die anscheinend eher unfreundliche Reaktion seitens Ihres Anwalts auf Ihre Fristsetzung hin gerechtfertigt war, ist so nicht zu beantworten, da ich nicht weiß, wann genau Sie diese Frist gesetzt haben, denn eine Fristsetzung sollte zum einen nicht nach einer Woche erfolgen und zum anderen sollte die Frist, die man dem Anwalt setzt, auch angemessen sein.

Nachdem nun offensichtlich mehr als 2 Monate vergangen sind, würde ich Ihnen raten, Ihren Anwalt nochmals auf die Dringlichkeit der Angelegenheit hinzuweisen und ihm eine angemessene Frist setzen, in der er nun tätig werden muss. Realistisch erscheinen mir hier maximal 10 Arbeitstage. Sollte er auch diese Frist ergebnislos verstreichen lassen, würde ich ihm das Mandat wieder entziehen und einen anderen Berufskollegen mit der Wahrung Ihrer Interessen beauftragen, sofern Sie nicht gewillt sind, hier weiter abzuwarten.

An dieser Stelle sei noch kurz angemerkt, dass es in der Praxis nicht ungewöhnlich ist, dass ein Anwalt nur gegen Vorkasse tätig wird.

Wenn Sie einen anderen Anwalt mit der Wahrung Ihrer Interessen beauftragen, müssen Sie diesen selbstverständlich auch bezahlen. Was konkret der andere Anwalt Ihnen in Rechnung stellen kann, hängt davon ab, was dieser denn tatsächlich bisher gemacht hat. So, wie Sie den Fall schildern, gehe ich davon aus, dass hier bestenfalls eine Erstberatungsgebühr geltend gemacht werden kann. Dies wäre dann der Fall, wenn der Anwalt mit Ihnen die beiden Fälle durchgesprochen und Sie auf Ihre rechtlichen Möglichkeiten, auf die Chancen und Risiken des weiteren Vorgehens hingewiesen hat. Offenbar ist der Berufskollege in den von Ihnen geschilderten Fällen aber bis dato weder außergerichtlich noch gerichtlich tätig geworden, so dass hierfür selbstverständlich auch keine Forderungen erhoben werden dürfen.

Wenn nun ein anderer Anwalt außergerichtlich und gerichtlich für Sie tätig wird und Sie einen eventuellen Prozess gewinnen sollten, können Sie dem Prozessgegner nur die Kosten für einen Anwalt in Rechnung stellen, nicht aber für beide. Anwaltskosten können Sie nur einmal geltend machen, auch wenn ein anderer Berufskollege sich kurz mit dem Fall befasst hat. Die Kosten für den ersten Anwalt könnten Sie also definitiv nicht auf den Prozessgegner abwälzen.

Die Kosten, die Ihnen durch die bisherige Tätigkeit Ihres jetzigen Anwalts entstanden sind, müssen in der Tat nur dann vom Prozessgegner übernommen werden, wenn genau dieser Anwalt auch gerichtlich tätig wird und Sie den Prozess auch gewinnen. Wenn Sie dem Anwalt das Mandat nun wieder entziehen, werden Sie auf den bisher entstandenen Kosten sitzenbleiben. Wie ich Ihnen aber bereits schrieb, könnten hier bestenfalls die Kosten für eine Erstberatung geltend gemacht werden.

Unter Umständen wäre es einen Versuch wert, dem Anwalt wegen Nichttätigwerdens das Mandat wieder zu entziehen und ihm gleichzeitig mitzuteilen, dass Sie nicht gewillt sind, eventuelle Forderungen seitens des Anwalts zu begleichen, da Sie durch sein Verhalten, was seiner Berufspflicht widerspricht, gezwungen sind, sich einen anderen Anwalt zu suchen, um Ihre Forderungen zeitnah durchsetzen zu können und Ihnen dadurch nochmals Erstberatungskosten entstehen, die Ihnen nicht entstanden wären, wenn der Anwalt pflichtgemäß zügig die entsprechenden rechtlichen Schritte eingeleitet hätte. Ob der Anwalt sich darauf einlässt, ist natürlich eine andere Frage. Es ist mir auch nicht möglich realistisch zu beurteilen, ob Forderungen gerechtfertigt wären, weil mir nicht bekannt ist, wie umfangreich die Erstberatungen waren und ob es unter Umständen auch plausible Gründe dafür gibt, warum der Anwalt auch nach zwei Monaten noch nicht tätig geworden ist. In jedem Fall würde ich es hier wegen unsicherer Erfolgsaussichten nicht auf einen Rechtsstreit bezüglich der Anwaltsgebühren ankommen lassen; ich gehe davon aus, dass Sie die Kosten für die Erstberatung werden zahlen müssen.

Abschließend weise ich Sie darauf hin, dass im Rahmen dieser Plattform nur eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhalts, basierend auf Ihren Angaben, möglich ist. Sollten hier relevante Informationen hinzugefügt, weggelassen oder unklar dargestellt worden sein, kann die rechtliche Beurteilung völlig anders aussehen.

Bei eventuellen Unklarheiten nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und viel Erfolg in dieser Angelegenheit!

Mit freundlichem Gruß

Thomas Zimmlinghaus
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 22.10.2010 | 00:05

Danke für die sehr ausführliche und gute Antwort.

Ironischer Weise hat der Kollege wohl genug Zeit mitzulesen und binnen Minuten nach meinem Aufruf hier hatte ich eine Mail - leider ohne Antworten auf die Fälle - aber mit dem Satz, er sei enttäuscht von mir.

Eine Erstberatung hat in dem Sinne nie stattgefunden, zumindest nicht lange. Höchstens 10 Minuten Telefongespräch pro Fall, danach wurde der Fall an den Anwalt per Email deutlich geschildert und ich habe nichts mehr gehört.

Also verstehe ich Ihre Aussage richtig:
- Die Erstberatung und einen evtl Erstbrief an die Gegenpartei muss gezahlt werden.
- Wenn ich jetzt wechsel muss ich oben genanntes Zahlen und der neue Anwalt fängt von 0 an und nur die neue Kosten können geltend gemacht werden.
- Wenn ich nicht wechsel, was dann? Habe ich eine Chance meinen Anwalt zum handeln zu bringen? Was ist wenn er die Frist versäumt die ich ihm Stelle?

Meine Sorge ist, im Worst Case rührt mein Anwalt sich nicht mehr.
Also muss ich wechseln und bleibe dort auf den Kosten sitzen?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 22.10.2010 | 00:55

Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Nachfrage möchte ich wie folgt beantworten:

1. Ja, meiner Einschätzung nach werden Sie eine Gebühr für die Erstberatung und einen evtl. Brief an die Gegenpartei zahlen müssen. Sofern keine "gütliche Einigung" mit dem Anwalt möglich ist, können Sie natürlich versuchen, wie ich bereits schrieb, eventuelle Forderungen vorerst nicht zu begleichen und dabei darauf abstellen, dass der Anwalt seinen Pflichten hier nicht nachgekommen ist und Sie, um Nachteile zu vermeiden, gezwungen waren, einen anderen Berufskollegen aufzusuchen, der direkt tätig wird. Daraus würden Ihnen natürlich weitere Kosten entstehen, die Ihnen zumindest zum Teil so nicht entstanden wären, wenn Ihr jetziger Anwalt tätig geworden wäre und Sie sich nicht gezwungen gesehen hätten, einen anderen Anwalt einzuschalten, um Ihre Rechte durchzusetzen. Ich betone aber nochmals, dass Ihre Erfolgsaussichten, wenn es hier deswegen zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem jetzigen Anwalt käme, meiner Meinung nach eher als ungünstig einzuschätzen wären.

2. Ja, wenn ein "neuer" Anwalt für Sie gerichtlich oder außergerichtlich tätig wird, können Sie nur dessen Kosten geltend machen, sofern Sie den Prozess gewinnen sollten.

3. Es erscheint mir wirtschaftlich gesehen am sinnvollsten, dass Sie nochmals mit dem jetzigen Anwalt sprechen, nochmals auf die Dringlichkeit hinweisen und nochmals eine angemessene Frist setzen, in der er tätig werden muss. Sollte er auch diese Frist ergebnislos verstreichen lassen, haben Sie letztendlich nur die Möglichkeit, entweder weiter abzuwarten, was er tut oder ihm das Mandat zu entziehen und sich an einen anderen Berufskollegen zu wenden.Sofern Sie dann vor diesem Hintergrund der Meinung sind, dass der jetzige Anwalt zu Unrecht Forderungen erhebt, könnten Sie sich noch an die Rechtsanwaltskammer wenden. Dort gibt es eine "Schiedsstelle", die sich mit solchen Sachverhalten befasst.

Zusammengefasst rate ich Ihnen zu folgender Vorgehensweise:

1. Bemühen Sie sich nochmals um ein sachliches Gespräch mit Ihrem jetzigen Anwalt. Vielleicht gibt es ja plausible Gründe, die dazu geführt haben, dass er bisher nicht weiter tätig geworden ist und die Angelegenheit kann bereinigt werden.
2. Sollte ein solches Gespräch nicht möglich sein, setzen Sie dem Anwalt schriftlich eine angemessene Frist, kündigen Sie für den Fall, dass er die Frist verstreichen lässt, an, dass Sie ihm das Mandat entziehen werden.
3. Sollte auch hierauf keine Reaktion erfolgen, wenden Sie sich an die Kammer.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und hoffe, dass Sie eine befriedigende Lösung finden können!

Mit freundlichem Gruß

Thomas Zimmlinghaus
Rechtsanwalt

ANTWORT VON

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