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Anwalt mir überweist zustehendes Geld nicht

15.10.2013 13:53 |
Preis: ***,00 € |

Anwaltsrecht, Gebührenrecht


Beantwortet von


15:26
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hatte einen unverschuldeten Unfall mit dem Fahrrad und bin seither mehrmals auf Reha gewesen und operiert worden. Über einen Anwalt mache ich nun seitdem meine Ansprüche gegenüber der gegnerischen Versicherung geltend, die zu 100% für den entstandenen Schaden haftet.
Die Versicherung hat nach Auskunft meines Rechtsanwaltes am 13.08.2013 eine höhere Summe auf das Konto meines Anwaltes überwiesen.
Seither laufe ich diesem Geld hinterher. Der Anwalt hat auf E-Mail und Anrufe nicht reagiert. Auf zweifache telefonische Nachfrage hat er mir die Überweisung zugesichert,
Zahlung ist indes nicht erfolgt. Zudem wurde mir das Schreiben der Versicherung, die Zahlung betreffend, nicht übermittelt. Nunmehr ist meine Geduld am Ende.

Frage 1: Ich möchte eine Beschwerde bei der RAK einlegen. Allerdings möchte ich den Anwalt trotz seines schlechten Verhaltens nicht reinreiten. Mir bleibt aber keine andere Möglichkeit. Kann ich so eine Kammerbescherde einreichen und wie?

Frage 2: Die bisherigen Anwaltskosten wurden, weil ich Geschädigte bin, von der gegnerischen Versicherung übernommen
Was ist, wenn der Anwalt aufgrund meiner Beschwerde das Mandat niederlegt und ich einen neuen Anwalt beauftragen muss?

Ich denke, dass der Anwalt auch das vereinnahmte Honorar erstatten muss, da ich meinen Pflichten immer nachgekommen bin.

Letztlich ist es so, dass ich nach zwei Monaten Zahlungseingang bei Anwalt und Nichtüberweisung hier auch keine letzte Frist mehr setzen will. Ich habe genug E- Mails geschrieben und Telefonate geführt.

Um Ihre Antwort wird gebeten. Vielen Dank.

Freundliche Grüße

15.10.2013 | 14:17

Antwort

von


(938)
Golmsdorfer Str. 11
07749 Jena
Tel: 036412692037
Web: http://www.jena-rechtsberatung.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Frage 1: Ich möchte eine Beschwerde bei der RAK einlegen. Allerdings möchte ich den Anwalt trotz seines schlechten Verhaltens nicht reinreiten. Mir bleibt aber keine andere Möglichkeit. Kann ich so eine Kammerbescherde einreichen und wie?

Die Beschwerde über das Verhalten des Anwalts kann schriftlich an die zuständige Rechtsanwaltskammer erfolgen.

Die RAK Berlin schreibt dazu:

"In dem Beschwerdeschreiben sollte mitgeteilt werden, was passiert ist und aus welchem Grund Sie der Auffassung sind, dass Ihre Anwältin oder Ihr Anwalt gegen die anwaltlichen Berufspflichten verstoßen hat. Die Beschwerde muss den wesentlichen Sachverhalt, den Namen und die Anschrift der Anwältin bzw. des Anwalts sowie die Erreichbarkeit des Beschwerdeführers beinhalten. Wir benötigen daher eine postalische Anschrift der Beschwerdeführerin bzw. des Berschwerdeführers. Die Beschwerde muss in deutscher Sprache und in lesbarer Form verfasst sein. Der Vorstand der Rechtsanwaltskammer hat kaum Möglichkeiten der eigenen Sachaufklärung. Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist es uns nicht gestattet, inhaltlich per Email über die Angelegenheiten zu kommunizieren."

Die Kammer kann - muss aber nicht - tätig werden und den Anwalt dazu anhören.

Ob dies dann Konsequenzen für ihn hat, bleibt abzuwarten.

Frage 2: Die bisherigen Anwaltskosten wurden, weil ich Geschädigte bin, von der gegnerischen Versicherung übernommen
Was ist, wenn der Anwalt aufgrund meiner Beschwerde das Mandat niederlegt und ich einen neuen Anwalt beauftragen muss?

Schicken Sie ihm ein Einschreiben mit Rückschein und setzen eine Zahlungsfrist von 7 Tagen.

Reagiert er dann nicht, beantragen Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid.

Sie können auch einen anderen Anwalt beauftragen.

Wenn er dann das Mandat niederlegt und Sie einen weiteren Anwalt beauftragen müssen, entstehen zusätzliche Kosten.

Der aktuelle Anwalt ist tätig gewesen und hat daher seine Vergütung auch zu Recht bekommen.

Allerdings kann im Rahmen der durch ihn begangenen Pflichtverletzung ein Schadensersatzanspruch dahingehend bestehen, dass er Ihnen Mehrkosten ersetzen muss.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Steffan Schwerin, Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Steffan Schwerin

Rückfrage vom Fragesteller 15.10.2013 | 15:12

Nachfrage:

Vielen Dank für die Beantwortung der Frage. Leider sind Sie auf meine Frage hinsichtlich der Beschwerde bei der RAK nicht ausreichend eingegangen. Diese Informationen habe ich auch. Nach meinem Wissen muss ein Anwalt Fremdgeld binnen 3 Tagen auskehren. Macht er es nicht, verstößt er gegen anwaltliches Standesrecht und macht sich sogar u.U. wegen Unterschlagung strafbar. Hier behält er mein Geld seit über 2 Monaten ein.

MUSS in einem solchen Fall die RAK als Aufsichtsorgan nicht zwingend sofort tätig werden?

Freundliche Grüße

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 15.10.2013 | 15:26

Sehr geehrter Fragesteller,

gern beantworte ich Ihre Nachfragen wie folgt:

Es gibt keine konkrete Frist. Das Geld muss "unverzüglich" weitergeleitet werden.

Über Fremdgelder ist gemäß <a href="http://dejure.org/gesetze/BORA/4.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 4 BORA: Fremdgelder und andere Vermögenswerte">§ 4 Abs. 2 Satz 6 BORA</a> unverzüglich, spätestens mit Beendigung des Mandats, abzurechnen.

Die gesetzlichen Regelungen lauten wie folgt:

<a href="http://dejure.org/gesetze/BRAO/43a.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 43a BRAO: Grundpflichten">§ 43a BRAO</a> Grundpflichten des Rechtsanwalts

(5) Der Rechtsanwalt ist bei der Behandlung der ihm anvertrauten Vermögenswerte zu der erforderlichen Sorgfalt verpflichtet. Fremde Gelder sind unverzüglich an den Empfangsberechtigten weiterzuleiten oder auf ein Anderkonto einzuzahlen.


<a href="http://dejure.org/gesetze/BORA/4.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 4 BORA: Fremdgelder und andere Vermögenswerte">§ 4 BORA</a> Fremdgelder und andere Vermögenswerte

(1) Zur Verwaltung von Fremdgeldern hat der Rechtsanwalt in Erfüllung der Pflichten
aus <a href="http://dejure.org/gesetze/BRAO/43a.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 43a BRAO: Grundpflichten">§ 43a Abs. 5</a> Bundesrechtsanwaltsordnung Anderkonten zu führen.

(2) Fremdgelder und sonstige Vermögenswerte, insbesondere Wertpapiere und andere
geldwerte Urkunden, sind unverzüglich an den Berechtigten weiterzuleiten. Solange
dies nicht möglich ist, sind Fremdgelder auf Anderkonten zu verwalten; dies sind in der
Regel Einzelanderkonten. Auf einem Sammelanderkonto dürfen Beträge über 15.000,-
€ für einen einzelnen Mandanten nicht länger als einen Monat verwaltet werden.
Sonstige Vermögenswerte sind gesondert zu verwahren. Die vorstehenden Bestimmungen
gelten nicht, solange etwas anderes in Textform vereinbart ist. Über Fremdgelder
ist unverzüglich, spätestens mit Beendigung des Mandats, abzurechnen.

(3) Eigene Forderungen dürfen nicht mit Geldern verrechnet werden, die zweckgebunden
zur Auszahlung an andere als den Mandanten bestimmt sind.


Mit freundlichen Grüßen
<!--dejureok-->

ANTWORT VON

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