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Scheitern von Bachelorarbeit wegen Fremdverschulden. Was tun?

05.12.2010 22:50 |
Preis: ***,00 € |

Schule, Hochschule, Prüfungen


Sehr geehrte Damen und Herren,

zurzeit schreibe ich eine Bachelorarbeit an einer staatl. Hochschule für angewandte Wissenschaften in Niedersachen und befinde mich in einer sehr beängstigenden Situation. Ich sehe meine berufliche Zukunft durch diese Situation gefährdet und bitte daher um eine Einschätzung der Rechtslage. Ich habe mir zwar entsprechende Literatur besorgt (Zimmerling/Brehm: Prüfungsrecht), das Fachgebiet ist jedoch für einen Laien zu komplex. Ebenso bräuchte ich eine Einschätzung, wie man sich in meiner Situation juristisch korrekt verhalten muss, um bei einem Widerspruchsverfahren bzw. Klageverfahren
effektiv seine Rechte als Prüfling durchsetzen zu können.

Einleitend fasse ich kurz die Teile der Prüfungsordnung zusammen, soweit diese meinen Fall betreffen.

1)
Das Thema und die Aufgabenstellung der Bachelorarbeit müssen dem Prüfungszweck und der Bearbeitungszeit entsprechen. Die Art der Aufgabe und die Aufgabenstellung müssen mit der Ausgabe des Themas festliegen.

2)
Das Thema wird von dem Erstprüfer nach Anhörung des zu Prüfenden festgelegt. Die Annahme des Themas erfolgt mit der Zulassung zur Bachelorarbeit mit Kolloquium. Mit der Ausgabe des Themas werden der Prüfende, der das Thema festgelegt hat als Erstprüfer und der Zweitprüfer bestellt. Während der Anfertigung der Arbeit wird der zu Prüfende von dem Erstprüfer betreut.

3)
In Ausnahmefällen kann das Thema der Bachelorarbeit auch von einem hochschulexternen Prüfer nach Genehmigung durch den Prüfungsausschuss betreut werden, der selbst mindestens die durch die Prüfung festzustellende oder eine gleichwertige Qualifikation besitzt. In diesem Fall muss der Erstprüfer Mitglied der Professorengruppe der Fakultät sein.

4)
Die Zeit von der Ausgabe des Themas bis zur Ablieferung der Bachelorarbeit beträgt 11 Wochen. Das Thema kann nur einmal und nur innerhalb des ersten Drittels der Bearbeitungszeit zurückgegeben werden. Der
Prüfungsausschuss kann im Einzelfall auf begründeten Antrag die Bearbeitungszeit um weitere 9 Wochen
verlängern.

5)
Ein Wechsel des Zweitprüfers ist nur einmal und nur mit Zustimmung des Erstprüfers möglich, wenn der Erstprüfer Mitglied der Professorengruppe der Fakultät ist.

6)
Studierende können für die Abnahme der Prüfungsleistungen Prüfende vorschlagen. Der Vorschlag begründet keinen Anspruch. Ihm soll aber entsprochen werden, soweit dem nicht wichtige Gründe entgegenstehen.


Anstatt mir ein beliebiges Thema vom Prüfungsausschuss zuweisen zu lassen, habe ich mich bei einem Unternehmen um ein Thema beworben. Nach der Zusage des Unternehmens fragte ich bei einem Professor der Fakultät an, ob er die Funktion des Erstprüfers übernehmen würde. Der Professor stimmte dem zu. Das Unternehmen bestand darauf, einen Zweitprüfer zu stellen. Nach (3) genehmigte der Prüfungsausschuss dies. Der Erstprüfer entsprach dem Thema vollumfänglich, das von dem Unternehmen gestellt wurde, und legte dieses nach (2) fest. Der Zweitprüfer trug das
vereinbarte Thema auf dem Anmeldeformular ein und unterschrieb das Formular. Sowohl der Erstprüfer als auch ein Mitglied des Prüfungsausschusses unterschrieben das Anmeldeformular ebenfalls. Der Zweitprüfer legte dem Anmeldeformular ein Expose des Unternehmens bei, aus dem die Ziel- und Aufgabenstellung hervorging. Ebenfalls ging daraus hervor, dass ich die Bachelorarbeit wie vereinbart im Rahmen eines EU-Forschungsprojektes schreiben sollte. Nach Eingang des Anmeldeformulars beim Prüfungsausschuss hat dieser dann das Thema mit der Zulassung zur Bachelorarbeit ausgegeben und mich hierüber schriftlich in Kenntnis gesetzt.

Nach ca. 2 Wochen zeichnete sich jedoch ab, dass der Zweitprüfer nie ein Interesse an dem Thema hatte. Auch gab er mehrfach zu verstehen, dass er nicht gewillt ist, eine objektive wissenschaftliche Arbeit zu bewerten. Die Arbeit müsse an der Unternehmens- und Marketingpolitik ausgericht sein, andernfalls würde ich von ihm
eine schlechte Note bekommen. Das wäre dann jedoch keine objektive wissenschaftliche Arbeit mehr, was bei der Bewertung seitens der Hochschule katastrophale Folgen haben kann. Zudem hat der Zweitprüfer im Unternehmen nicht
die nötigen Voraussetzungen geschaffen, um es mir überhaupt zu ermöglichen, die Bachelorarbeit über das Thema sachgerecht zu schreiben. Tatsächlich schrieb ich die Bachelorarbeit nicht im Rahmen des EU-Forschungsprojektes und hatte entsprechend auch keinen Zugang zu internen Unterlagen und Prototypen, die ich für eine vergleichende Analyse von Forschungsergebnissen gebraucht hätte. Zudem war der Zweitprüfer der Meinung, das angemeldete Thema sei nicht das Thema und er könne dieses zu jeder Zeit beliebig ändern und an die Bedürfnisse des Unternehmens anpassen. Nach (1) ist aber klar, dass eine nachträgliche Änderung des Themas nicht möglich ist. Hierzu hätte nichtmal der Erstprüfer eine Befugnis.

Nach ca. 3 Wochen war klar, dass das Expose mit der Ziel- und Aufgabenbeschreibung im krassen Widerspruch zum angemeldeten Thema steht und zudem inhaltliche Fehler enthält. Als ich den Zweitprüfer im Unternehmen darauf hinwies, war
ich im weiteren Verlauf zunehmend abfälligen Kommentaren hinsichtlich der Qualifikation meiner Hochschule und insbesondere meiner Person ausgesetzt.

Im Unternehmen wurde ich nicht vom Zweitprüfer betreut, sondern er stellte hierfür einen Mitarbeit ab. Bis einschließlich Woche 7 konnte ich während der Arbeitszeit im Unternehmen (40 Stunden pro Woche) nahezu nicht an der Bachelorarbeit schreiben. Der Mitarbeiter verlangte ständig die Überarbeitung von diversen Praxisaufgaben.

Es gab wöchentliche Telefonate zwischen mir und meinem Erstprüfer sowie zahlreiche E-Mails. Leider blieben meine Beschwerden weitestgehend ungehört. Man müsse erstmal abwarten wie sich die Situation entwickelt war die Antwort. Zudem hat sich der Erstprüfer die Vorstellungen über das weitere Vorgehen von dem Mitarbeiter aufdrängen lassen, bis es dann letztendlich zu spät war, die Bachelorarbeit ohne Konsequenzen zurückzugeben. Die Hochschule hat nichts unternommen, um das Unternehmen darauf hinzuweisen, dass ich tatsächlich eine Bachelorarbeit zu dem angemeldeten Thema schreiben muss und das Unternehmen und der Zweitprüfer entsprechend für die nötigen Voraussetzungen zu sorgen haben.

Erst als der Erstprüfer in einer Telefonkonferenz in Woche 7 anmerkte, dass das Unternehmen mir das Schreiben ermöglichen muss und dies auch dringend Zeit werde, ließ sich der Mitarbeiter darauf ein. Dennoch fühlte sich der Mitarbeiter dazu berufen, maßgeblich Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung meiner Bachelorarbeit zu nehmen, bis hin zum Aufdiktieren von einzelnen Ausführungen oder der ständigen Abänderung von Abschnitten und ganzen Kapiteln. Als ich dies mehrfach freundlich aber bestimmt ablehnte, war ich seitens des Mitarbeiters aber auch des Zweitprüfers zunehmend abfälligen Kommentaren bis hin zu persönlichen Beleidigungen ausgesetzt.

Der Erstprüfer bot mir an, dafür zu sorgen, dass ich die Arbeit von zu Hause aus weiterschreiben kann, da ich aufgrund des Mobbings psychisch und körperlich sehr stark gelitten habe. Dieses Angebot nahm ich in Woche 9 an.

Das Ergebnis ist jedoch ernüchternt. Aufgrund der oben beschriebenen Umstände liege ich mit dem Schreiben der Arbeit ca. 4 bis 5 Wochen in Rückstand. Ich konnte bisher erst 30 Seiten von vereinbarten 80 Seiten schreiben. Der tatsächliche Inhalt entspricht nicht dem angemeldeten Thema und aufgrund der inhaltlichen Fehler in der Ziel- und Aufgabenbeschreibung ist der Inhalt der Arbeit auch ziemlich anspruchslos und wertlos. Mittlerweile ist Woche 10 von 11 eingetreten und ich stehe vor dem Scherbenhaufen meiner Bachelorarbeit.

Daher habe ich nach (4) eine Verlängerung der Bearbeitungszeit von wenigstens 4 Wochen beim Prüfungsausschuss beantragt und dies mit dem obene beschriebenen Umständen begründet. Der Erstprüfer hat mir per E-Mail mitgeteilt,
dass er eine angemessene Verlängerung für sinnvoll hat , hat jedoch trotz (4) Zweifel, ob dies formal möglich sei.

Zudem habe ich den Prüfungsausschuss freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, das ich keine Arbeit über das angemeldete Thema schreibe, sondern zu der im Widerspruch dazu stehenden Ziel-und Aufgabenbeschreibung und ich mich durch den Zweitprüfer und das Unternehmen um meine Bachelorabreit betrogen fühle. Ich habe den Prüfungsausschuss darauf hingewiesen, dass es die Pflicht der Erstprüfers gewesen wäre, dafür zu sorgen, dass Unternehmen zurechtzuweisen und dafür zu sorgen, dass ich tatsächlich das angemeldete Thema schreiben kann.

Ebenfalls habe ich nach (5) den Wechsel des Zweitprüfers beim Erstprüfer beantragt und beim Prüfungsausschuss schriftlich die Besorgnis der Befangenheit des Zweitprüfers geäußert. Ebenfalls habe ich nach (6) einen Professor
als Ersatz für den Zweitprüfer vorgeschlagen.

Der aktuelle Stand ist nach meinem Wissen, dass der Prüfungsausschuss mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl den Wechsel des Zweitprüfers als auch eine Verlängerung ablehnen wird.

Über hilfreiche Ratschläge würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

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Sehr geehrter Fragesteller,

die Frage wird aufgrund der von Ihnen vorgebrachten Tatsachen wie folgt beantwortet:

Grundsätzlich kann die Bestellung eines neuen Prüfers bzw. ein Prüferwechsel oder Ausschluss eines Prüfers gerichtlich wegen § 44a VwGO nicht selbständig verfolgt werden. Das bedeutet für Sie, dass Sie gegen die ablehnenden Entscheidungen erstmal nur Gegenvorstellungen machen können und erst später als Sie gegen die Beurteilung Ihrer Bachelorarbeit vorgehen als Verfahrensverstöße geltend machen können. Die Benotung Ihrer Arbeit ist ein Verwaltungsakt, gegen den Sie einen Widerspruch einlegen können. Also, sollte der Prüfungsausschuss Ihre Anträge ablehnen, so sind diese erstmal unanfechtbar. Sie können dennoch Gegenvorstellung gegen diese - noch bevor Sie sich in die Prüfung einlassen - erheben. Darin sollen Sie alle Einwände gegen den Zweitprüfer möglichst detailreich darstellen. Sollte Sie das nicht sofort tun, kann dies unter Umständen zum Verlust des Ablehnungssrechts führen. Wenn Sie dies im Widerspruchsverfahren nicht ausführen, verlieren Sie das Ablehnungsrecht gegen den Zweitprüfer auf jeden Fall. Der Erfolg in einem Befangenheitsverfahren hätte nur zur Folge, dass der Zweitprüfer von der Amtsausübung ausgeschlossen wird und dass ein weiterer Prüfer hinzugezogen wird. Da Sie aber jetzt sagen, dass Sie den Prüfungsstoff nicht in einer Woche bewältigen können, ist eigentlich ziemlich egal, wenn Sie nur mit dem Ausschluss des Zweitprüfers Erfolg haben, weil Sie in der Sache scheitern werden. Deswegen müssen Sie unbedingt versuchen, die Fristverlängerung gem. § 4 Satz 3 der Prüfungsordnung zu erreichen. Dies können Sie dadurch erreichen, indem Sie argumentieren, dass der Zweitprüfer gem. § 3 Satz 1 der Prüfungsordnung die Betreung höchstpersönlich zu leisten hat, was sich aus dem Erfordernis der Qualifikation ergibt. Sie sollen dies möglichst genau mit Tatsachen untermauern. Da er dies nicht getan hat, haben Sie wertvolle Zeit mit einem unqualifizierten Mitarbeiter verloren. Sie müssen natürlich die Angaben über die Person des Mitarbeiters machen, sowie der Zeiten, in denen er Sie betreut hat. Sollte Ihnen die diese Verlängerung gewährt werden, sollen Sie dann den
Professorwechsel betreiben und erneut die Bestellung des Prüfers beantragen.

Sollte Sie sich gemobbt gefühlt haben oder psychich unter Druck gesetzt gefühlt haben, so müssen Sie dies mit ärztlichen Bescheinigungen oder Attesten untermauern. Es reicht nicht aus, dass Sie sagen, es ging mir psychisch schlecht, sondern Sie müssen auch ambulant oder stationär versorgt gewesen sein. Es kann von Ihnen auch die Vorlage einer amtsärztlichen Bescheinigung verlangt werden. In diesem Fall muss der Nachteil gem. Art. 3 Abs. 3 Satz 3 GG ausgeglichen werden.

Bei der Begründung der Besorgnis des Zweitgutachters sollen Sie folgende Rechtsprechung des VG Münster vom 20.12.2004, Aktenzeichen: 10 K 2220/04 beachten:


Gemäß § 21 VwVfG Niedersachen ist die Besorgnis der Befangenheit berechtigt, wenn nach den Umständen des Einzelfalls ein Grund vorliegt, der geeignet ist, Misstrauen gegen eine unparteiische Amtsführung zu rechtfertigen. Eine bloß subjektive Besorgnis des Klägers ist nicht ausreichend. Vielmehr müssen Tatsachen vorliegen, die geeignet sind, bei verständiger Würdigung eine Voreingenommenheit des Prüfers gegenüber dem Bewerber anzunehmen.


Vgl. BVerwG, Urt. Vom 20. September 1984 - 7 C 57.83 -, BVerwGE 70, 143 = NVwZ 1985, 187; Zimmerling/Brehm, a.a.O., Rn. 193; Niehues, a.a.O., Rn. 196 m.w.N.


Das Gebot der Fairness und der Sachlichkeit verpflichtet die Prüfer, Bedacht darauf zu nehmen, dass das Prüfungsverfahren auch hinsichtlich des Stils der Prüfung und der Umgangsformen der Beteiligten miteinander einen einwandfreien Verlauf nimmt.

Sie sollen die Umgangsformen und Stil des Prüfer bemängeln. Sollten Sie nicht alles ausgeführt haben, so können Sie dies in der Gegenvorstellung tun, oder später in einem weiteren Befangenheitsantrag, wenn Sie nicht alle Gründe im ersten Befangenheitsantrag vorgetragen haben.

Ich hoffe, Ihnen eine erste Einschätzung in die Rechtslage ermöglicht zu haben.


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