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Jugendstrafgesetz, Diebstahl im besonders schwerem Fall


| 24.08.2006 09:50 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht



Sehr geehrte Damen und Herren, meinem Sohn wurden im Jahr 2005 50 Arbeitsstunden auferlegt, die er abarbeitete. Die Strafe erhielt er, weil er mit einem Freund in ein von einer Hecke umzäuntes Grundstück eindrang und aus einem Raum in dem die beiden durch ein offenes Fenster stiegen, ein Radio entwendeten.

2005 wiederum, durchforstete er mit zwei Freunden ein ehemaliges Fabrikgelände, welches zwar mit einer Schranke abgesperrt war, aber neben dieser Schranke Platz bot um das Grundstück zu betreten. Einer der drei Jungs schlug in einem leerstehendem Gebäude eine Scheibe ein und entwendete Kleinwerkzeug(Hammer, Schraubendreher). Mein Sohn und der zweite Junge sahen zu, stahlen jedoch nichts.

Nun meine Frage: Die Anklage des Jugendrichters beläuft sich wie im ersten Sachverhalt auf Diebstahl im besonders schwerem Fall. Mit welchem Strafmaß müssen wir rechnen? Handelt es sich in diesem Fall um eine Wiederholungstat (die Arbeitsstunden der ersten Tat wurden abgearbeitet) und wird demzufolge auch so bestraft? Mein Sohn war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt.

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Sehr geehrte Fragestellerin,
sehr geehrter Fragesteller,

gerne will ich Ihre Anfrage beantworten.

Ihr Sohn gilt tatsächlich als Wiederholungstäter. Entscheidend hierfür ist nicht, ob er die Arbeitsstunden abgearbeitet hat, sondern nur, ob er verurteilt wurde.

Daher wird das Strafmaß bei einer möglichen Verurteilung in dem aktuellen Verfahren voraussichtlich höher ausfallen als bei der ersten Tat.

Zur Verteidigungsstrategie kann natürlich aus der Ferne ohne Akteneinsicht keine genaue Aussage getroffen werden, allerdings wäre zu bedenken, dass Ihr Sohn u.U. nur Gehilfe, nicht aber Täter war, da er selbst nichts gestohlen hat. Möglicherweise kann so eine mildere Strafe erreicht werden.

Das genaue Strafmaß ist gerade im Jugendstrafrecht schwer vorhersehbar. In Betracht kommen wiederum Arbeitsstunden, diesmal voraussichtlich mehr als 50. Wobei die verhängten 50 Stunden bereits bei einem Ersttäter als durchaus schwere Strafe bezeichnet werden können.

Wohl eher aber wird Ihr Sohn keine sogenannte „Weisung“ mehr bekommen wird, sondern die Arbeitsstunden als sogenanntes „Zuchtmittel“ auferlegt bekommen. Dies stellt eine härtere Strafe dar. Als Bereich würde ich etwa 80-100 Stunden vorhersagen, wobei dies, wie ausgeführt, im Jugendstrafrecht eher schwierig ist, da in diesem Bereich große Schwankungen bestehen.

Jugendstrafe, also dauerhafter Freiheitsentzug, wird wohl noch nicht verhängt werden. In Betracht kommt jedoch bei einem Delikt wie dem besonders schweren Fall des Diebstahls auch die Verhängung von einem sogenannten Jugendarrest. Bei diesem wird Ihr Sohn dann entweder am Wochenende oder für seine Freizeit, in Ausnahmefällen auch dauerhaft für bis zu vier Wochen, in einer Jugendarrestanstalt festgehalten.

Der Jugendarrest in der Form des Freizeitarrestes ist m.E. bei einer Betrachtung aus der Ferne der wahrscheinlichste Fall.


Ich hoffe, Ihre Anfrage beantwortet zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jens O. Gräber
Rechtsanwalt


www.rechtsanwalt-graeber.de
info@rechtsanwalt-graeber.de

Nachfrage vom Fragesteller 28.08.2006 | 09:44

Sehr geehrte Damen und Herren, kann ich davon ausgehen, dass sich die Strafe mildert, wenn ein Zeuge aussagt, dass mein Sohn den Raum "betreten" jedoch nichts gestohlen hat und verändert sich durch eine Zeugenaussage der Fall das es sich dann nicht mehr um ein vereinfachtes Verfahren handelt?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 28.08.2006 | 10:02

Sehr geehrter Fragestellerin,

gerne will ich Ihre Nachfrage beantworten.

Ihrem Sohn wird, soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann, Mittäterschaft bei einem Diebstahl vorgeworfen. Hierbei ist es grundsätzlich so, dass nicht jeder einzelne Täter auch etwas wegnehmen muss, sondern die gegenseitigen Tatbeiträge des einzelnen Täters den anderen zugerechnet werden, als hätten sie sie selbst verwirklicht. Daher hilft die Zeugenaussage alleine ihrem Sohn leider nicht weiter.

Vielmehr ist es erforderlich, dass sich herausstellt, dass kein gemeinsamer Tatplan vorlag, sondern vielmehr einer der Täter ohne Absprache mit den anderen mehr unternommen hat, indem er auch Gegenstände wegnahm. Dies darf ihr Sohn weder gewusst noch gebilligt haben. Dann hat er sich auch nicht wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall strafbar gemacht. An dieser Stelle müsste die Verteidigung ansetzen.

Ich hoffe, Ihre Anfrage beantwortet zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jens O. Gräber
Rechtsanwalt


www.rechtsanwalt-graeber.de
info@rechtsanwalt-graeber.de

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