Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
493.144
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Gutachterkosten für Hausbaumängel steuerlich geltend machen


12.03.2018 10:38 |
Preis: 100,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jörg Klepsch


Zusammenfassung: Prozesskosten aller Art sind nach § 33 Abs. 2 S. 4 EStG nur noch in einem höchst selten vorliegenden Ausnahmefall steuerlich abzugsfähig. Handwerkerleistungen für einen Neubau sind ebenfalls nicht abzugsfähig.


Wir haben 2016 ein Einfamilienhaus zur Eigennutzung gebaut. Im Q1/2017 sind wir im nicht ganz fertigen Zustand eingezogen, weil die vertragl. vereinbarte Bauzeit deutlich überschritten war - im wesentlichen fehlte noch der Endputz. Im Q2/2017 haben wir auf eigene Kosten einen Bausachverständigen beauftragt, der gravierende Baumängel gefunden hatte, das Haus ist derzeit aber grundsätzlich bewohnbar. Die Kosten für diese Untersuchungen liegen bei über 3000 EUR. Die dem Bauunternehmer gesetzte Frist zur Mängelbeseitigung ist fruchtlos verstrichen, daher wurde per Anwalt der Bauvertrag gekündigt. Prinzipiell könnten und müssten wir jetzt erstmal selbst für die Kosten zur Mangelbeseitigung aufkommen. Weiterhin wurde ein selbständiges Beweissicherungsverfahren am Gericht angestrengt, in der Hoffnung vom Bauträger diese Kosten wieder einfordern zu können. Da das Beweisverfahren noch läuft, wurden bisher keine Handwerker beauftragt. Die Anwaltskosten für den rechtl. Beistand bisher (also Vertretung bei Mangelanzeige und Aufwand für das Beweisverfahren) liegen bei 4000 EUR, sowie weiteren 4000 EUR als Kostenvorschuss für den gerichtlichen Gutachter. Eine Rechtsschutzversicherung hiefür besteht nicht.



Ich habe nun von einem Urteil des BFH (Az.: VI R 1/13) gelesen, welches die Gutachterkosten für die Instandhaltung eines Abwasserrohres als abzugsfähig für die Ekst. im Rahmen handwerklichen Tätigkeiten anerkannt hat. Entscheidend sei wohl, dass eine Maßnahme "im Haus" durchgeführt wird und hierzu zähle wohl auch eine Leistung, die den aktuellen Zustand des Objektes ermittelt.

Auch habe ich von einem BFH-Urteil (Az.: VI R 42/10) gelesen, bei dem es wohl um die steuerliche Anerkennung von Zivilprozesskosten geht, insofern eine mind. 50:50 Chance auf Erfolg besteht.



Im Rahmen meiner diesjährigen Ekst.-Erklärung möchte ich gern nachfragen, ob es möglich ist und Aussicht auf Erfolg hat, wenn ich

a) die bisherigen Kosten des freien Sachverständigen zur Auffindung von Mängeln an unserem Haus im Rahmen der handwerklichen Tätigkeiten und

b) die bisherigen Anwaltskosten im Rahmen einer außerordentlichen Belastung geltend machen kann? (Ist hier ggf. zwischen den Kosten für die bisher außergerichtlich erfolgten Mängelrügen und den Kosten für das Beweisverfahren zu unterscheiden?)

c) Für den Fall, dass wir nach dem Beweisverfahren vom Bauträger keine Kosten erstattet bekommen, lassen sich dann die Kosten für die noch ausstehende Mängelbeseitigung für unseren Neubau wenigstens im Rahmen der handwerkl. Tätigkeiten geltend machen oder gibt es hier einen grundsätzlichen Konflikt mit der Tatsache, dass alle Vorgänge direkt mit dem Neubauvorhaben zusammenhängen?

Falls eine Angabe in der Ekst.-Erklärung möglich wäre, sollte ich hierbei etwas beachten?



Einsatz editiert am 14.03.2018 07:36:15

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten

Grundsätzlich ist zu beachten, dass sich die Regeln für die steuerliche Geltendmachung von Prozesskosten in der Vergangenheit mehrfach geändert hatten. Das von Ihnen angeführte Urteil aus dem Jahr 2010 ist überholt, weil das Gesetz geändert wurde. Prozesskosten, d. h. also Anwaltskosten und Gerichtskosten (dazu zählen auch die Kosten für einen vom Gericht bestellten und beauftragten Sachverständigen im Rahmen eines ständigen Beweisverfahrens) können praktisch nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden. Nach § 33 Abs. 2 S. 4 EStG besteht insoweit ein Abzugsverbot. Nur wenn die Existenzgrundlage oder lebensnotwendigen Bedürfnisse betroffen wären, ist noch ein Abzug denkbar. Wenn das Haus sonst nicht mehr zu Wohnzwecken nutzbar wäre, dann ist ein Abzug von solchen Prozesskosten möglich. Das reine Streiten um Baumängel, die als üblich angesehen werden, erlaubt keinen Abzug. (Mehrere Urteile des Bundesfinanzhofs, z.B. VI R 40 / 13 und VI R 62 / 13, beide vom 20. Januar 2016)

Insoweit werden Sie die Anwaltskosten und auch die Kosten für das selbstständige Beweisverfahren nicht geltend machen können.

Der Abzug von Handwerkerleistungen ist in einem gewissen Umfang möglich.

Dafür maßgeblich ist § 35a EStG , bei dem Handwerkerleistungen ist es Abs. 3. Dabei muss es sich aber um Leistungen für die Renovierung, Erhaltung oder Modernisierung eines Hauses handeln. Neubauvorhaben fallen grundsätzlich nicht darunter. Alles was also mit der erstmaligen Errichtung zu tun hat, zählt sozusagen nicht. Der von Ihnen angesprochene Fall eines Schadensgutachtens bzw. genauer gesagt einer Handwerkerleistung bezüglich der Ursachenforschung ist ein wenig ein Grenzfall. Handelt es sich nämlich um ein Schadensgutachten durch einen Sachverständigen, auch für die Vorbereitung von Regressansprüchen, dann ist kein Abzug möglich. (Finanzgericht Sachsen 3 K 218/16 vom 8. November 2016) in dem anderen Fall hatte ein Handwerker nach der Ursache eines Wasserschadens gesucht. Diese Ursachensuche war als Handwerkerleistung abzugsfähig. Das eben erwähnte Finanzgericht Sachsen hatte die Aufwendungen für die Abdichtung des Hauses als Handwerkerleistung anerkannt, auch wenn es sich um einen Baumangel gehandelt hat. Insofern gilt also, dass die Gutachterkosten von einem Sachverständigen wohl schwierig durchsetzbar sein werden. Bei den Handwerkerleistungen zur Mangelbeseitigung sollte es etwas besser aussehen. Sie müssen es einfach probieren. Streichen kann das Finanzamt immer, was aber nicht einreichen, wird ohnehin nicht berücksichtigt. Wenn Sie das Objekt vermieten oder teilweise vermieten, dann sind die entsprechenden Aufwendungen Werbungskosten, nutzen Sie das Objekt aber nur zu privaten Wohnzwecken, entfällt das natürlich. Je weniger das Ganze mit einem Neubau in Verbindung gebracht wird, desto höher ist die Chance für die Abzugsfähigkeit jedenfalls der Handwerkerleistungen zur Mangelbeseitigung. Soweit aus den Rechnungen "Reparatur" hervorgeht, was er letztlich nicht falsch ist, sind die Chancen sicherlich nicht schlecht.


Wir
empfehlen

Die Anwalt Flatrate

Sie sind als Bauherr oder Immobilienverkäufer den ganzen Tag mit den Umbau- und Umzugsplänen beschäftigt?

Mehr Informationen
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 62789 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Die Antwort war verständlich, klar und ausführlich. ...
FRAGESTELLER
3,6/5,0
Da ich den Sachverhalt relativ ausführlich beschrieben habe fand ich die erste Antwort etwas oberflächlich. Ich bin da von vorherigen Konsultationen ausführlichere Antworten gewohnt. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Mehr als 5 Sterne kann ich leider nicht vergeben, sonst würde ich es tun. Herzlichen Dank, Herr Munz, für diese ausführliche, kompetente, verständliche und schnelle Information, die mir sehr weiterhilft. Herr Munz hat sogar ... ...
FRAGESTELLER