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Qualitätsstandards von Kanzleien


| 15.07.2006 13:03 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jens Jeromin



Sehr geehrte Rechtsanwält/innen,

Viele Kanzleien bzw. Kanzlei-Netzwerke führen in ihrer Werbung an, sie würden nach definierten Qualitätsstandards arbeiten.

Wenn also mit Qualitätsstandards geworben wird: Hat dann ein Mandant das Recht, Näheres über diese Qualitätsstandards zu erfahren, zumindest was die Zusammenarbeit zw. Mandant und Kanzlei betrifft? Hat er auch das Recht, Einblick in diese relevanten Ausschnitte der Qualitätsstandards zu nehmen?

Was sollte man als Mandant erwarten können zu folgenden Aspekten:

(1).Wartezeiten, Anzahl von Gesprächen für seinen Fall
(2).Einfluss- und Korrekturmöglichkeit des Mandanten bzgl. des gerichtlichen Auftritts
(3).Einblicknahme in ähnlich gelagerte, bereits durch die Kanzlei behandelte Rechtsfälle
(4).Beschwerdemanagement
(5).elektronischer Austausch von Schriftsätzen (wie mittlerweile bei Gerichten und gesetzlich eingeführt)

Vielen Dank schon mal!

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Sehr geehrter Fragesteller,


vielen Dank für Ihre Anfrage.

Zertifizierte Qualitätsstandards für die Mandatsbearbeitung gibt es nicht.

Definierte Qualitätsstandards können sich die Kanzleien als eine Art Selbstverpflichtung auferlegt haben (z.B. maximale Warteizeit bis zum freien Termin, maximale Wartezeit in der Kanzlei, Postweiterleitung am selben Tag) oder von regionalen Anwaltvereinen empfohlen werden.

Auch hier gibt es aber keinen bundesweit einheitlichen Standard. Falls also ausdrücklich mit "definierten Qualitätsstandards" geworben wird, sollten Sie ruhig hinterfragen um welche Qualitätsstandards es sich handelt um wer diese gesetzt hat.

Dabei müssen selbstgesetzte Standards keinesfalls schlecht sein, Hauptsache sie werden auch eingehalten.

Hinsichtlich der von Ihnen erwähnten Aspekte kann es je nach Größe und Ausrichtung der Kanzlei zu Unterschieden kommen, die folgende Erläuterung kann daher keine Allgemeingültigkeit beanspruchen.

In einer Kanzlei sollten Sie mit Termin nicht länger als 30 Minuten warten müssen. Zwar kann auch die beste Terminplanung durch kurzfristige Probleme (z.B. Stau auf der Rückfahrt vom Außentermin) durcheinander geraten, aber das sollte bei der anwaltlichen Termingestaltung vorher berücksichtigt werden.

Es sind für einen Fall so viele Gepräche notwendig, bis der Mandat das Gefühl hat, alle Informationen seien vom Anwalt aufgenommen und bewertet worden, ihm die Prozeßstrategie, die Erfolgsaussichten und Risiken bewusst sind. Bei einfacheren Fällen kann im ersten Gespräch alles geklärt werden, bei komplexen Fällen mit wechselnden Aspekten können auch mehrere Besprechungstermine erforderlich sein.

Aus meiner Erfahrung lässt sich nach der ersten Besprechung jedoch im weiteren viel telefonisch regeln.

Die Einfluss- und Korrekturmöglichkeit ist ein äußerst sensibles Thema. Grundsätzlich wird ein Anwalt gewählt, weil man diesem die Kompetenz zutraut, die rechtliche Problemtik zufriedenstellend zu lösen. Entsprechendes Vertrauen sollte der anwaltlichen Arbeit daher auch entgegengebracht werden. Auch wenn der Mandat nicht jedes Vorgehen des Anwalts sofort versteht, ist ein Vertrauensvorschuss nach dem Motto "er wird schon wissen was er tut", grundsätzlich angebracht.

Auf der anderen Seite wird kein Anwalt es Ihnen verübeln, wenn Sie höflich darum bitten, einzelne Vorgehensweisen zu erklären, damit Sie verstehen können, was damit bezweckt wird. Wer höfliche Verständnisfragen stellt, wird bestimmt nicht abgewiesen, wer aber das Mandat selber führen möchte, muss mit einer Kündigung des Mandats durch den Anwalt rechnen.

Anwaltliche Verschwiegenheit ist eine absolute Tugend. Anmerkungen, die darüber hinaus gehen, dass überhaupt schon ähnliche Fälle bearbeitet wurde, sollte sich ein Anwalt daher verkneifen.

Welcher Mandant möchte schon den Eindruck gewinnen, dass sein Fall dem nächsten Mandanten auch als Beispiel vorgeführt wird ?

Der elektronische Austausch von Schriftsätzen ist zwar gesetzlich möglich, steckt aber noch in den Kinderschuhen und wird längst nicht von allen Gerichten ermöglicht oder professionell durchgeführt. Insoweit sind Anwälte noch zur konventionellen Arbeit "verpflichet" und Ihre Erwartungen an elektronischen Datenaustausch sollten daher gering sein.

Abschließend sollten Sie stets das Gefühl haben, ernst genommen zu werden. Grundsätzlich besitzt der Anwalt gegenüber dem Mandanten einen (Vertrauensvorschuss rechtfertigenden, s.o.) Vorsprung an rechtlichem Wissen und prozessualer Erfahrung. Das sollte man Sie aber nie spüren lassen. Beschwerden oder Nachfragen müssen daher sachlich entgegengenommen und beantwortet werden, wenn sie auch sachlich vorgetragen wurden.

Wo man Ihnen dass Gefühl vermittelt "ich bin der Anwalt, Du der dumme Junge", sind Sie eindeutig falsch aufgehoben.

Ich hoffe Ihnen auf diesem Weg eine erste Orientierung ermöglicht zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jens Jeromin
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 15.07.2006 | 14:35

Das war sehr aufschlussreich für mich. Eine Frage noch:
Muss man es akzeptieren, wenn man bis zum ersten Gespräch bzgl. des anstehenden Rechtsfalls (auch telefonisch) mehr als 3 Wochen warten muss, also so lange noch keine Rückkopplung über die Einschätzung des RAs bekommen hat?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 15.07.2006 | 14:40

Sehr geehrter Fragesteller,


es gibt kein "Recht" auf einen früheren Besprechungstermin.

Drei Wochen halte ich jedoch ohne besondere Umstände, wie etwa zwei Wochen davon Urlaubsabwesenheit, komplizierter Fall oder Rechtsgebiet, umfangreiche Recherche war erforderlich, Anwalt ist auf seinem Gebiet absolut gefragter und entsprechend stark frequentierter Spezialist, für sehr lang.

Bitten Sie höflich um eine Erklärung, vielleicht gibt es ja gute Gründe. Gibt es keine oder läuft alles auf Überlastung oder mangelnde Motivation hinaus, können Sie sich immer noch überlegen, ob Sie sich dort gut aufgehoben fühlen.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Jeromin
Rechtsanwalt

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