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$174c


| 29.11.2007 12:05 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Ingo Bordasch



Eine Klientin sucht einen Psychotherapeuten wegen ihrer Probleme mit ihrer pubertierenden Tochter auf. Dieser erklärt sich in einer probatorischen Sitzung (3.Stunde) gegenüber der Klientin, er sei verliebt in sie. Sie könne wählen, weiter zusammen zu arbeiten oder die Therapie abzubrechen und beim gegenseitigen Kennenlernen die Chance auf eine Beziehung mit ihm zu haben. Sie ist zu diesem Zeitpunkt zwar nicht verliebt in ihn, findet ihn aber doch so attraktiv, dass sie letzteres wählt. Beide kommen dann überein, dass er sie zu diesem Thema ja noch einige Zeit beraten könne, da aufgrund der raschen Fortschritte der Verbesserung zwischen Mutter und Tochter sowieso bald keine Beratung mehr nötig sein wird.
Seit diesem Zeitpunkt treffen sich beide regelmäßig privat außerhalb der Sitzungen.
In der 5. und letzten probatorischen Sitzung wird deutlich, dass sie auch ein Problem mit sich selbst hat und er verweist sie darauf, dass sie sich dafür einen anderen Therapeuten suchen müsse.
In der zweiten regulären Therapiesitzung schließen sie das Tochterthema ab und besprechen ihr Problem mit ihren Eltern, was wiederum in der dritten Sitzung beendet ist. Sie kommen überein, mit der Therapie aufzuhören und machen noch eine Abschlusssitzung. Anschließend nimmt sie eine Therapie bei einer Psychotherapeutin auf.
Nach dieser dritten Sitzung kommt es auf ihre Initiative hin zu Sex zwischen den beiden.
Im dritten Monat (da die insgesamt 9 Sitzungen im Wochenabstand waren, dauerte die Therapie gut zwei Monate) trennt sie sich von ihm, nachdem beide ihr erstes Wochenende miteinander verbracht hatten.

Ist der Sachverhalt wegen §174c strafbar?

„Ein Mißbrauch liegt nur vor, wenn ein bewußtes Ausnutzen einer spezifischen Abhängigkeits- und Vertrauenssituationen gegeben ist.“ steht als Aussage einer RA in diesem Forum. Wie ist denn dieser Sachverhalt juristisch beurteilbar? Z.B. weil sich die Klientin subjektiv ausgenutzt und missbraucht fühlt?

Ich lasse bewusst offen, ob ich mit ihr oder ihm befreundet bin, um eine unparteiische Auskunft zu erhalten und bin mir bewusst, dass Ihre Antwort sich nur auf die vorgetragenen Fakten bezieht und sich durch weitere Auskünfte ändern könnte.

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Sehr geehrter Fragesteller,

ich halte eine Strafbarkeit nach § 174c StGB für nicht gegeben.

1.
So ich Sie richtig verstanden habe, war die Therapie bereits abgeschlossen. Die Klientin also nicht mehr dem Psychotherapeuten "anvertraut", was Voraussetzung für die Strafbarkeit ist. Die Beendigung erfolgte auch nicht nur ´pro forma´ sondern wegen Erreichen des Therapieziels.

2.
Weiterhin müsste ein Missbrauch des Behandlungsverhältnisses vorliegen. Dies ist kann grundsätzlich auch vorliegen, wenn die Initiative vom Opfer ausgeht. Ein Missbrauch liegt regelmäßig dann vor, wenn ein spezifisches Abhängigkeits- und Vertrauensverhältnis ausgenutzt wird. Dies sehe ich hier jedoch nicht vorliegen.
Eine Strafbarkeit nach § 174c StGB kommt nicht für jede "Wahrnehmung einer Chance zum Kennenlernen" ohne Bezug auf das Behandlungsverhältnis in Betracht. Ein Missbrauch des Behandlungsverhältnisses liegt nur dann vor, wenn der Täter sich gerade dessen inhaltlichen Umstände für sexuelle Ziele zu nutze macht, indem er z. Bsp. Therapieleistungen von sexuellen Kontakten abhängig macht oder sexuelle Kontakte als Teil der Therapie darstellt.

3.
Bei der Frage ob sich jemand strafbar gemacht hat, kommt es nicht darauf an ob sich das Opfer subjektiv einer strafbaren Handlung ausgesetzt gefühlt hatte, sondern ob der Täter objektiv die Voraussetzungen der Strafttatbestände erfüllt hat. Daher kann es ersteinmal dahinstehen, ob sich die Klientin subjektiv ausgenutzt und missbraucht fühlt.

3.
Sie können sich sicher sein, dass Ihre Fragen unabhängig davon beantwortet werden, ob Sie mit dem Therapeuten oder der Klientin befreundet sind.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann,
sondern ausschließlich dazu dient, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres Rechtsproblems auf Grundlage der von Ihnen
übermittelten Informationen von einem Rechtsanwalt zu erhalten.
Durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen.

Ich hoffe, mit der Beantwortung Ihrer Anfrage, weitergeholfen zu haben.
Für Rückfragen nutzen Sie bitte die Möglichkeit der kostenlosen Nachfrage.
Für eine weiterführende Interessenvertretung stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Bordasch
Rechtsanwalt

Tel.: 030 - 293 646 75
Fax.: 030 - 293 646 76
frag-einen-anwalt@RA-Bordasch.de

Nachfrage vom Fragesteller 29.11.2007 | 15:47

Erst mal "danke" für die aussagekräftige Stellungnahme.
Zu Ihrem ersten Punkt haben Sie allerdings meine Angabe übersehen: "Nach dieser dritten Sitzung kommt es auf ihre Initiative hin zu Sex zwischen den beiden." Und bis zum Ende der Therapie gab es noch einen weiteren Sexkontakt.
Ändert sich dadurch Ihre Einschätzung?

Vielen Dank im voraus

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 29.11.2007 | 16:22

Sehr geehrter Fragesteller,

1.
aus dem Satz: "Nach dieser dritten Sitzung kommt es auf ihre Initiative hin zu Sex zwischen den beiden." und der Schilderung, dass nach der dritten Sitzung beide übereingekommen sind, mit der Therapie aufzuhören schloss ich das der sexuelle Kontakt nach Beendigung der Therapie stattgefunden hat. Ich bitte das Versehen zu entschuldigen.

2.
Auch aufgrund Ihrer Erläuterung komme ich zu keinem anderen Ergebnis, da Punkt 2 meiner Beantwortung weiterhin eine Strafbarkeit meiner Meinung nach ausschließt.
Allerdings steigt durch die Tatsache, dass zum Zeitpunkt des sexuellen Kontakts die Therapie noch nicht beendet war, die Wahrscheinlichkeit intensiverer Ermittlungen der Ermittlungsbehörde, sobald diese davon Kenntnis erlangt, da geklärt werden muss inwieweit ein Missbrauch des Behandlungsverhältnisses vorlag.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Bordasch
- Rechtsanwalt -

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