Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.567
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Problem mit Handwerkerpfusch


15.12.2014 20:50 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von

Rechtsanwalt Tobias Rößler



Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben ein Problem mit dem Handwerker der die Renovierung unseres Wohnzimmers und Flurs, sowie einen Durchbruch/Türzargenausbruch durchführen sollte.

Von der Schiedsstelle der Handwerkskammer haben wir nun erfahren, das diese nicht schlichten können, da der Handwerker nicht in die Handwerkesrolle eingetragen ist.
Somit steht auch das Thema Schwarzarbeit im Raum.

Das bedeutet er hätte verschiedene Arbeiten ggf. gar nicht durchführen dürfen (Verputzarbeiten, Durchbruch). Dies teilte mir die HWK mit. Habe allerdings selbst schon im Internet recherchiert das es ein Gerichtsurteil dazu gibt, aus dem hervor geht das Verputzarbeiten kein Hauptbestandteil des Stukkarteuerhandwerks darstellen und somit evtl auch ohne Eintragung in die Handwerksrolle erfolgen dürfen.


Nun wissen wir nicht, wie wir uns weiter Verhalten sollen. Kurz zum Sachverhalt:


Wir haben den Handwerker sowie seinen Gehilfen beauftragt unser Wohnzimmer, Flur zu renovieren und einen Durchbruch/Ausbruch einer Türzarge vorzunehmen. Dies geschah alles mündlich.

Unser Wunsch war es, die Wände neu zu verputzen/verspachteln sowie die Decken abzuhängen und ebenfalls zu verputzen/verspachteln. Außerdem sollte er dir Türzarge ausbrechen/durchbrechen zum Hausgang.

Wir wollten glatte Oberflächen. Unsere Küche, die bereits von meinem Mann renoviert wurde, diente als Beispiel und wurde mehrfach gezeigt.

Mein Mann ging davon aus das dies nur durch verspachteln, schleifen, spachteln, usw. möglich wäre. Das sagte er auch den Handwerkern, diese meinten "Kein Problem, mit Putz bekomm ich das hin".

Uns war der Weg egal, wichtig war für uns das Ergebnis.

Während der Arbeit wies mein Mann ihn mehrmals auf Fehler hin, z.B. Rigipsplatten für die Decke falsch bearbeitet, Revisionskästen falsch eingebaut...

Der Handwerker meinte immer das es so schon richtig so ist.

Letztendlich hatten wir nun
-sehr wellige Wände und Decken (mit blosen Auge zu sehen), Stellen an denen fast kein Putz drauf ist/viel zu viel drauf ist
-keine einzige Wand/Decke ist im Wasser, es handelt sich hier teilweise um cm
-schiefe Ecken
-unsaubere Arbeitsweise
-Spachtelmasse an die Decke geschmiert, verschiedene Materialien verwendet (ohne Absprache)
-lose Schrauben stehen einfach raus
-schief eingeputzte Verteiler/stehen raus
-zudem ist alles mit körnigen Rauhputz verputzt wurden, es ist nichts glatt (geht nicht anders lt Handwerker)
-der Kranz der Wohnzimmerdecke ist schief

Das schlimmste jedoch ist, dass das komplette Wohnzimmer nun über die ganze Decke Risse, teilweise über mehrere Meter aufweist. Am abgehängten Kranz aus Rigips sowie in der Mitte der Decke, dort wo nur verputzt wurde.

Wir gehen davon aus, dass die ganze Decke wieder runter muss. Auch die Wände müssen komplett nachbearbeitet werden.

Nachdem wir dann ohne Mitteilung versetzt wurden (ein Arbeitsschritt war noch offen) baten wir telefonisch um Besichtigung und zur Besprechnung bzw. zur Reklamation.

Der Handwerker mit Gehilfe kam dann direkt vorbei.

Traten von vornherein sehr provokant auf: "Was soll hier sein, hier ist doch nichts, ist doch alles super, usw usf..."

Mein Mann hat dann angefangen ihm die Fehler zu zeigen. Dann kamen Aussagen, wie "die kleinen Risse", "bei einem Altbau bringt man es nicht Milimeter genau ins Wasser", es geht aber wie gesagt um cm, wenn etwas nicht im Wasser wäre sollten wir an anderer Stelle messen?!, "ihr wollt doch nur nichts zahlen"... usw

Jedenfalls zeigten die Handwerker null Einsicht.

Mein Mann war inzwischen schon ziemlich geladen und sauer und dann kniete der Handwerker, kam hoch und mit seinem Finger meinem Mann drohend nahe: "Jetzt werde ich gleich mal aggressiv Freundchen, gleich knallts" (wortwörtlich).

Mein Mann hat die beiden dann raus geworfen und noch hinterher geschrien.
Leider kamen sie mit der "Reklamation" nicht weit, so dass die riesigen Risse vom Handwerker gar nicht gesehen wurden, da die Situation vorher eskaliert ist.

Am nächsten Tag fanden wir dann ein Schreiben aus dem hervor geht:

-dass der Handwerker sich aufgrund der Beleidigungen eine Anzeige vorbehält
-er aufgrund dessen eine weitere Zusammenarbeit ablehnt
-die Arbeiten fachgerecht ausgeführt wurden und nur minimale Risse vorliegen, diese kämen vom zu schnellen aufheizen (Heizung ist noch nicht montiert!)
-er erlässt uns 300€ der Rechnungssumme wg der Risse

Die beiligende Rechnung ist ebenfalls komplett falsch.

Wir hatten die Stunden mit geschrieben. Die Stundenanzahl wurde falsch berechnet, sowie der Stundenlohn.

Eine Nachbesserung lehnt er ja nun schriftlich ab.
Eine Abnahme hat bis heute eigentlich nicht statt gefunden.
Es wurden keine Zahlungen getätigt.
Alle Mängel sind von uns auf Fotos und schriftlich dokumentiert.

Leider hat mein Mann den Rauputz bereits abgeschliffen. Nun ruht aber alles.

Wir wissen nun nicht wie wir weiter vorgehen sollen. Einen Gutachter hinzu ziehen? Was ist mit der falschen Rechnung?
Wann können wir die Renovierung wieder aufnehmen?

Ich würde mich wirklich sehr freuen wenn Sie mir weiter helfen könnten.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ihren Ärger kann ich gut nachvollziehen; von herausragender Bedeutung wird für Sie sein, alles möglichst detailliert, dokumentiert und beweissicher festzuhalten.

Das gilt insbesondere, wenn es lediglich mündliche Vereinbarungen über das zu erbringende Werk gibt. Man darf darauf gefasst sein, dass im Streitfall so ziemlich alles in Abrede gestellt werden wird, was man in Abrede stellen kann. Das ist zwar sehr ärgerlich, allerdings schon fast gängige Praxis bei derartigen Sachverhalten.

Ferner ist zu berücksichtigen, dass gerichtliche Auseinandersetzungen über solche Sachverhalte viele Monate und auch Jahre andauern können.


1.
Zur hinreichenden Dokumentation sind sachverständige Feststellungen sicherlich sehr sinnvoll.

Ob allerdings jetzt ein (Privat-) Gutachter einzuschalten ist, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab und ist ggf. mit hohen Kosten verbunden, die Sie selbst vermutlich auch im Ergebnis tragen müssten.

Denn ein vorgerichtlich eingeholtes Gutachten gilt lediglich als (ggf. besonders guter) Parteivortrag; es sind also keine (gerichtlich) festgestellten sachverständigen Feststellungen.

Trotz eines Gutachtens würde im Prozess daher sicherlich ein gerichtlicher Gutachter eingeschaltet werden müssen. Auf den Kosten des Privatgutachters bleibt man dann schnell "sitzen".

Wenn allerdings die Chance besteht, dass beim Auftragnehmer Vernunft einkehrt, wenn er ein solches Gutachten übersendet erhält, dann könnte es eingeholt werden, um eine gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden.

Nach Ihrer Schilderung wage ich allerdings daran zu zweifeln, dass Einsicht beim Auftragnehmer einkehren könnte durch Vorlage eines Privatgutachtens.

Sinnvoller wäre es dann schon eher, ein selbstständiges Beweisverfahren (§§ 485ff. ZPO) einzuleiten, um möglichst schnell einen gerichtlich beauftragten Gutachter mit der Sicherung der Baumängel zu betrauen.


2.
Auf die Rechnung keinesfalls eine Zahlung leisten; das Geld wiederholen ist grundsätzlich schwieriger, als wenn der Auftragnehmer aktiv die Zahlung einklagen muss.

Die Rechnung sollten Sie zurückweisen, ggf. zurück senden, die Fehler aufzeigen und, soweit keine Vereinbarung über die Vergütung getroffen ist, die Angemessenheit und Ortsüblichkeit der Vergütung rügen.

Soweit keine Abnahme stattgefunden hat, ist der Werklohn grundsätzlich auch nicht fällig und muss nicht gezahlt werden, § 641 Abs. 1 BGB.

Schließlich sollten Sie vorsichtshalber ein Zurückbehaltungsrecht geltend machen wegen der festgestellten Mängel.


3.
Da an eine endgültige Ablehnung der Fertigstellung (wenn noch keine Abnahme gewesen ist, existiert ja noch der ursprüngliche Erfüllungsanspruch - nämlich auf Herstellung des mangelfreien Werkes) bzw. der Nacherfüllung ggf. hohe Anforderungen zu stellen sind, würde ich vorsichtshalber dazu raten, den Auftragnehmer schriftlich (Einwurf-Einschreiben) zur Fertigstellung des Werkes bzw. ggf. Nacherfüllung (§§ 634, 635 BGB) unter angemessener Fristsetzung aufzufordern; dabei sollten Sie sämtliche bisher erkannten Mängel auflisten.

4.
Verstreicht dann ergebnislos die von Ihnen gesetzte Frist, können Sie die Fertigstellung bzw. Mängelbeseitigung durch Selbstvornahme vornehmen oder auch vom Vertrag zurück treten, die Vergütung mindern oder Schadensersatz verlangen (§ 634 Nrn. 2-4 BGB).

Ohne sachverständige Dokumentation der Schäden (wichtig insbesondere auch für die Höhe der Beseitigungs- oder Fertigstellungskosten) würde ich aber von einem Fortgang der Renovierungsarbeiten abraten, da sonst im weiteren Verfahren die Beweismöglichkeiten eingeschränkt sind.

Der sicherste Weg wäre aus meiner Sicht aufgrund Ihrer Schilderung eine letztmalige Aufforderung zur Fertigstellung / Mangelbeseitigung und sodann die Einleitung eines selbstständigen Beweisverfahrens.

Soweit eine Rechtsschutzversicherung besteht, wäre diese wohl auch eintrittspflichtig.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER