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Bekannte Persönlichkeit als Romanfigur. Thema: Zitate


| 09.12.2015 11:52 |
Preis: ***,00 € |

Medienrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Hallo, folgender Sachverhalt:

Im Januar veröffentliche ich einen Roman, der im Paris der 20er Jahre spielt. Eine wichtige Nebenfigur ist Albert oder auch Bébère, ein deutscher Kioskbesitzer, der mithilfe seines Zeitungsarchivs den Protagonisten bei ihren Ermittlungen hilft. Dieser Albert hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit Albert Einstein, sprich, er sieht so aus und verwendet in Gesprächen einige bekannte Zitate wie z.B. "„Wenn Sie zwei Stunden mit einer zauberhaften Frau zusammensitzen, meinen Sie, es wäre eine Minute. Sitzen Sie jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meinen Sie, es wären zwei Stunden." Sogar eine seiner Erfindungen, der Kugelkompass, kommt zum Einsatz. Bei der Figur handelt es sich tatsächlich um Albert Einstein.

Zu der Zeit, 1926, war dieser im Berliner Patentamt tätig, natürlich hielt er keinen Kiosk in Paris. Aber es hätte ja sein können. Ein wenig exzentrisch war er ja. Die Krux an der Sache ist, der Leser soll sich fragen, ist er's oder ist er's nicht? Es ist davon auszugehen, dass eh nicht jeder die Figur als solche erkennen wird, was auch in Ordnung ist und für die Geschichte nicht relevant. Die Figur von Bébère ist angelegt wie ein guter Geist, der plötzlich da ist und genauso unerwartet wieder verschwindet. Wenn ich jedes Einstein-Zitate als solches markiere, ist der Aspekt der Ungewissheit natürlich hinfällig. Dann kann er sich gleich als Albert Einstein vorstellen.

Wie kann ich das umgehen? Reicht es, wenn ich die Zitate abändere? Oder sie hinten sauber aufliste mit dem Hinweis auf Einstein, ohne sie in der Geschichte markieren zu müssen? In letzterem Fall wird der Leser zwar aufgeklärt, aber zumindest nicht während des Lesens.

Ich hoffe, ich habe mein Problem einigermaßen klar dargestellt und danke Ihnen schon mal für Ihre Hilfe.

Gruß aus
09.12.2015 | 12:53

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Wenn man unterstellt, dass die in Ihrem Roman enthaltenen Aussagen Albert Einsteins tatsächlich urheberrechtlich geschützt sind, dürfte Ihr Vorhaben jedenfalls durch das Zitatrecht des § 51 UrhG gedeckt sein. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass diese Norm im Lichte der Kunstfreiheit des Art. 5 Abs. 3 GG auszulegen ist. Im Kontext einer eigenständigen künstlerischen Gestaltung darf der Künstler deshalb urheberrechtlich geschützte Texte auch ohne Belegfunktion in sein Werk aufnehmen, soweit sie als solche Gegenstand und Gestaltungsmittel seiner eigenen künstlerischen Aussage bleiben (vgl. BVerfG, Beschluss vom 29.06.2000, Az. 1 BvR 825/98).

Das scheint nach Ihren Angaben der Fall zu sein, denn die Romanfigur "Bébère" hat offenbar die Funktion, Albert Einstein als Person der Zeitgeschichte zu würdigen. Ob die verwendeten Zitate nach ihrer Anzahl und in dem gewählten Zuschnitt tatsächlich einer solchen Würdigung und nicht bloß der Anreicherung des Romans durch fremdes geistiges Eigentum dienen, muss jedoch auf der Grundlage einer umfassenden Würdigung des gesamten Werkes ermittelt werden. Eine abschließende Beurteilung ist mir daher leider nicht möglich.

Eine Abänderung der Zitate ist im Hinblick auf § 62 UrhG nicht empfehlenswert. Stattdessen sollten Sie die Zitate als solche kenntlich machen (zum Beispiel durch Kursivdruck) und deren Quelle zumindest im Anhang des Buches angeben.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Henning Twelmeier

Bewertung des Fragestellers 09.12.2015 | 12:59


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