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zwei Hauptwohnsitze - doppelte Haushaltsführung

01.10.2009 11:21 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Manfred A. Binder



Nach jahrelangem berufsbedingten Pendeln von meiner Heimatstadt LM nach F habe ich im März 2008 in F angemietet, die ich unter Woche nutzte. Die Wochenenden, Feiertage usw. verbrachte ich weiterhin in meiner Heimatstadt in der Wohnung meines damaligen Lebensgefährten.

Nach Eheschließung im Dezember 2008 haben wir seine Wohnung als unseren gemeinsamen Hauptwohnsitz und meine Frankfurter Wohnung als Nebenwohnsitz für mich angemeldet. Das war seinerzeit aufgrund der eindeutigen Verhältnisse - meine gesamte Familie, Freundeskreis usw. sind in LM und Umgebung – melderechtlich und steuerrechtlich einfach. Lebensmittelpunkt = Hauptwohnsitz. Mein Kfz ließ ich auf meinen Nebenwohnsitz angemeldet, es hat bis jetzt ein F Kennzeichen (vor zwei Wochen habe ich erfahren, dass ich es nach der Hauptwohnsitzverlegung hätte ummelden müssen, dazu später mehr).

Nun hat mein Ehemann in Koblenz eine Stelle angetreten und wir werden die Limburger Wohnung zum Monatsende aufgeben. Wir haben per heute eine Wohnung in Koblenz angemietet, die er unter der Woche nutzt, ich meine in Frankfurt. Beide Wohnungen unterhalten wir aufgrund der jeweiligen Arbeitsstellen, die Wochenenden verbringen wir mal in KO, mal in F. Die Koblenzer Wohnung ist etwas kleiner als die Frankfurter. Gemeinsame Freunde, Familie haben wir weiterhin in LM. Meldrechtlich erfordert dies die Anmeldung zweier Hauptwohnsitze, so weit so gut.

Wie verhält es sich nun steuerrechtlich. Ich habe mehrere Aussagen von Finanzämtern erhalten (LM, F, KO). Einerseits seien Steuerrecht und Melderecht unabhängig voneinander, so dass es dem Finanzamt egal sei, wie wir gemeldet seien. Wir müssten uns nur für einen Lebensmittelpunkt entscheiden, da bei doppelter Haushaltsführung sowieso keine Miete abgesetzt würde, sondern nur die Wegepauschalen.zwischen den Wohnungen. (Finanzamt F) . Die nächste Auskunft widerspricht dem komplett: „Sie brauchen einen gemeinsamen Hauptwohnsitz, aber Miete der Zweitwohnung ist absetzbar, wenn sie im angemessenen Rahmen liegt“ (LM) Koblenz äußert sich so, dass es faktisch tatsächlich egal sei, ob wir zwei Hauptwohnsitze hätten, der gemeinsame Hauptwohnsitz würde lediglich als Indiz gelten, entscheidend sei jedoch der von uns erklärte Lebensmittelpunkt, den der Berater in der Steuer-Hotleine er aufgrund meiner Schilderung eher in KO sieht (wegen der kürzeren Entfernung zu LM, wo Familie und Freunde seien, gemeinsamer Mietvertrag) und wir somit die Frankfurter Wohnung als Referenzwohnung für die doppelte Haushaltsführung absetzen sollten. Außerdem würden sehr wohl anteilsmäßige Miete (60qm) angerechnet (diese Wohnung ist 72qm).
Drei Anfragen, drei Aussagen, wobei sich keiner 100%ig sicher war. Da ich mich jedoch an/ummelden muss, stehe ich unter Zeitdruck.

Das Ganze wird zusätzlich kompliziert, da F keine Anwohnerparkausweise für Fremdkennzeichen ausstellt, d. h. wenn ich mich, obwohl aufenthaltstechnisch KO und F gleichgestellt sind, trotzdem in KO mit Hauptwohnsitz anmelden würde, mein Auto ebenfalls dort zugelassen werden müsste. Damit sind die Voraussetzungen für meine Anwohnerparkrecht nicht mehr gegeben (der Hauptwohnsitz ist ausnahmslos Grundvoraussetzung), was ich unter allen Umständen vermeiden möchte. Bisher habe ich mein Auto immer noch in F zugelassen, was aber laut Aussage des Ordnungsamtes seit 2007 gesetzeswidrig ist, wie ich im Rahmen meiner Erforschungen dieses Sachverhalts nun erfahren habe). Daher ist es mir wichtig zu erfahren, ob es wirklich stimmt, dass man mit zwei Hauptwohnsitzen doppelte Haushaltsführung geltend machen kann. Ich möchte vermeiden, mich nur für das Finanzamt in KO anzumelden, dadurch meinen Parkausweis zu verlieren und hinterher zu erfahren, dass es steuerrechtlich gar nicht nötig gewesen wäre.

Meine Frage lautet nun: ist es steuerrechtlich von Bedeutung, ob wir einen gemeinsamen oder zwei Hauptwohnsitze haben? Nach meinem jetztigen Informationsstand würden wir unsere Hauptwohnsitze jeweils in F und KO anmelden und ich zusätzlich einen Nebenwohnsitz in Koblenz.




Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben und der Höhe Ihres Einsatzes wie folgt beantworte.

Zunächst darf ich vorausschicken, dass der gemeldete Hauptwohnsitz tatsächlich steuerrechtlich nur eine untergeordnete Rolle einnimmt, er nur als ein Indiz für den (steuerlichen) Wohnsitz dient. Entscheidend für die doppelte Haushaltsführung ist jedoch, dass der Arbeitnehmer einen eigenen Hausstand außerhalb des Ortes der Beschäftigung unterhält und gleichzeitig auch am Beschäftigungsort wohnt, § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG. Bei verheirateten Arbeitnehmern ist der eigene Hausstand regelmäßig der Familienhausstand. Der Familienhausstand ist in der Regel die Familienwohnung, in der die Familie gemeinsam wohnt und den Mittelpunkt der Lebensinteressen hat. In der Familienwohnung muss auch während der Abwesenheit des Steuerpflichtigen hauswirtschaftliches Leben herrschen, d.h. Sie muss bewohnt sein, (Blümlich EStG, § 9 Rd. 349)
Eine doppelte Haushaltsführung wird daher nicht begründet, wenn eine Wohnung nur noch Besuchszwecken dient.

Übertragen auf Ihre Angelegenheit bedeutet dies, dass Sie einen Familienhausstand benötigen, also eine Familienwohnung. Ob Sie die Wohnung melderechtlich als Hauptwohnsitz oder Nebenwohnsitz gemeldet haben, ist irrelevant. Entscheidend ist vielmehr der Nachweis Ihrer persönlichen und finanziellen Mitwirkung am hauswirtschaftlichen Leben in der Familienwohnung (in Ihrem Fall wohl die Wohnung in Koblenz).

Das gegenseitige Besuchen in der jeweiligen Wohnung des Ehepartners begründet jedoch keine doppelte Haushaltsführung, da jeder seinen eigenen Hausstand an seinem jeweiligen Beschäftigungsort hat.

Insoweit ist die Aussage des FA Koblenz zutreffend. Sie sollten daher Ihren gemeinsamen Mittelpunkt der Lebensinteressen in Koblenz erklären.

Der Aussage des FA Frankfurt, dass keine Mietzinszahlungen als Werbungskosten geltend gemacht werden können, ist nicht zuzustimmen. Es können vielmehr die notwendigen Wohnungskosten, jedoch nur in nachgewiesener Höhe, als Werbungskosten abgesetzt werden.
Notwendig bedeutet hier, dass Sie nicht unangemessen hoch sein dürfen.


Ich hoffe, dass ich Ihnen in Ihrer Angelegenheit weiterhelfen konnte. Bei Unklarheiten verweise ich auf die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred A. Binder
Rechtsanwalt

info@ra-manfredbinder.de

Ich darf schließlich noch auf folgendes hinweisen:
Durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen, so dass die Beratung innerhalb dieses Forums lediglich eine erste rechtliche Orientierung in der Sache darstellt und keinesfalls den Gang zu einem Kollegen vor Ort ersetzen kann.

Nachfrage vom Fragesteller 01.10.2009 | 14:21

Vielen Dank, Herr Binder.

Verstehe ich Sie also abschließend richtig, dass wir getrennte Hauptwohnsitze anmelden und trotzdem weiterhin doppelte Haushaltsführung geltend machen können, solange für einen Hauptwohnsitz der Familienhausstand erklärt/nachgewiesen wird und ich dort ebenfalls per Nebenwohnsitz gemeldet bin?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.10.2009 | 09:22

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Annahme ist richtig. Allerdings gilt hier die Einschränkung, dass freilich nur Sie die doppelte Haushaltsführung geltend machen können, da sich der Familienhausstand (dann wohl) am Beschäftigungsort Ihres Mannes befinden wird.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred A. Binder
Rechtsanwalt

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