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zinsloses Darlehen an GmbH


| 12.12.2014 07:53 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Stefanie Lindner, Dipl.-Jur.


Zusammenfassung: Bei zinslos gewährten Darlehen an eine GmbH droht die Steuerfalle. Gem. § 6 I Nr.3 EStG sind diese bei einer Laufzeit von mehr als 12 Monaten abzuzinsen. Es ist sinnvoll, einen geringen Zinssatz von z.B. 0,5 % zu vereinbaren.


Grüß Gott,

ich bin alleiniger Gesellschafter einer GmbH.

Aus unseren Privatbesitzen möchten meine Frau (keine Gesellschafterin, gesetzlicher Güterstand) und ich je 1 Immobilie an die GmbH verkaufen.

Frage 1: Ist es richtig, dass der Erwerb meiner Immobilie dann für die GmbH grunderwerbssteuerfrei ist?

Frage 2: Ist es richtig, dass der Erwerb der Immobile meiner Frau für die GmbH grunderwerbssteuerpflichtig ist?

Es reichen kurze Ja-Nein-Antworten

Die GmbH hat nicht genügend eigene Mittel, um die Immobilien zu bezahlen. Ich möchte deshalb als Privatperson der GmbH ein Darlehen in der erforderlichen Höhe gewähren. Das Darlehen soll dann von der GmbH an mich mit regelmäßigen Raten zurückgezahlt werden.

Das Darlehen soll zinslos sein, weil Zinseinkünfte in meiner ESt nicht gewünscht werden.

Ich habe nun folgendes Halbwissen:

Nach einer Entscheidung des FG Brandenburg (Beschluss vom 08.09.2008 - 12 V 12115/07) unterliegen zinslos gewährte Gesellschafterdarlehen der Abzinsungspflicht nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG.

Diese Abzinsungspflicht besteht jedoch nicht bei Darlehen, deren Restlaufzeit zum Bilanzstichtag weniger als 12 Monate beträgt.

Wir würden deshalb gerne folgende Konstruktion wählen:

Das Darlehen wird mit einer Laufzeit von 12 Monaten gewährt. Dieses hat dann zum Bilanzstichtag eine Restlaufzeit von weniger als 12 Monaten und würde damit nicht unter die Vorschrift fallen.

Das jeweilige Rest-Darlehen wird dann immer bei Fälligkeit (eben nach 12 Monaten) durch ein neues Darlehen abgelöst. Da hier die alte Darlehensvaluta durch die neue ersetzt wird, ergeben sich für die Gesellschaft keine Nachteile. Allerdings kann die Gesellschaft nicht darauf vertrauen, dass ihr das Darlehen langfristig zur Verfügung steht.

Frage 3: Kann ich bei dieser Konstruktion das Darlehen zinslos gewähren und davon ausgehen, dass das Finanzamt das Darlehen weder als Schenkung ansieht, noch eine Mindestverzinsung fordert?

Auch hier reicht eine kurze Antwort.
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Zu Frage 1 und 2:
Grunderwerbssteuer fällt u.a.an bei Abschluss eines Kaufvertrages, der den Anspruch auf Übereignung begründet, § 1 Abs.1 Nr.1 GrEStG.

Schließt Ihre Frau mit der GmbH einen Grundstückskaufvertrag, dann liegt ein solcher Fall vor und es fällt Grunderwerbssteuer an. Ebenso verhält es sich in Ihrem Fall. Da die GmbH und Sie als Gesellschafter zwei eigenständige und rechtlich voneinander getrennte Personen sind, erfolgt auch hier ein Eigentumsübergang. Nicht mehr Sie sind dann Eigentümer des Grundstücks, sondern die GmbH als juristische Person. Auch dieser Eigentumserwerb ist steuerbar.

In Ihrem Fall sind noch weitere Besonderheiten zu beachten:

Da Sie alleiniger Gesellschafter sind, müssen Sie vom Verbot des Selbstkontrahierens befreit sein,
§ 181 BGB, um Ihr eigenes Grundstück kaufen zu können.
Selbstkontrahierungsverbot bedeutet, dass niemand Verträge abschließen kann, bei denen er auf beiden Seiten steht. Auf der einen Vertragsseite handelt er für sich selbst und auf der
anderen Seite als Vertreter für jemand anderen, z.B. für die GmbH. Mit diesem Verbot sollen
Interessenskonflikte und Missbrauch verhindert werden.

Wichtig ist, dass die GmbH das Grundstück zu einem marktüblichen Preis erwirbt, da ansonsten die Gefahr von verdeckten Gewinnausschüttungen besteht.

Zu bedenken ist auch, dass die GmbH mit ihrem gesamten Vermögen haftet. Lediglich Sie als Gesellschafter haften beschränkt und zwar nur mit Ihrer Einlage. Wenn Sie beide Grundstücke auf die GmbH übertragen, besteht die Gefahr, dass diese im Insolvenzfalle verloren gehen, denn diese haften mit. Soll eine solche Haftung vermieden werden, wäre es z.B. möglich, die Immobilien an die GmbH zu vermieten.

Zinslose Darlehen an eine GmbH können zur steuerlichen Falle werden, wie Sie bereits erkannt haben. Nach § 6 I Nr. 3 EStG sind diese abzuzinsen, wenn die Laufzeit des Darlehens am Bilanzstichtag mehr als 12 Monate beträgt.
Es ist daher sinnvoll, das Darlehen zu verzinsen, z.B. mit 0,1% Zinsen oder aber mit 0,5% Zinsen, um bei einer etwaigen Außenprüfung den Prüfer nicht allzu sehr herauszufordern.

Wenn Sie aber auch keine 0,1 oder 0,5% Zinsen erhalten möchten, dann können Sie einen Darlehensvertrag schließen, der weniger als 12 Monate läuft. Wichtig ist, dass Sie eine Endfälligkeit festlegen. Es darf sich nicht um ein kurzfristiges Darlehen handelt, das sich automatisch um eine gewisse Zeit verlängert, wenn keine Kündigung erfolgt.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Stefanie Lindner

Nachfrage vom Fragesteller 30.12.2014 | 19:44

Hallo,
bitte erlauben Sie mir eine kurze Nachfrage.
Im Gesellschaftervertarg bin ich vom Selbstkontrahierungsverbot befreit.
Mein Steuerberater war in einem früheren Fall der Meinung, dass der Verkauf einer Immobilie von der GmbH (ich bin alleiniger Gesellschafter) in meinen Privatbesitz ebenso grunderwerbssteuerfrei wäre wie umgekehrt: Also ein Verkauf aus meinem Privatbesitz an die GmbH.
Sind Sie sicher, dass der Kauf einer Immobilie durch die GmbH aus meinem Privatbesitz für die GmbH grunderwerbssteuerpflichtig ist?

Ich brauche hier wirklich Rechtssicherheit, zumal sich die frühere Aussage meines Steuerberaters nicht mit Ihrer Antwort deckt.
Herzliche Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 31.12.2014 | 11:52

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Meiner Kenntnis nach ist dieser Vorgang grunderwerbssteuerpflichtig, da Sie und die GmbH verschiedene Rechtspersönlichkeiten haben und damit verschiedene Zurechnungssubjekte sind.
Es findet ein vollständiger Wechsel der wirtschaftlichen Zurechnung statt, wenn das Grundstück übertragen wird, vgl. Roth/Altmeppen, GmbHG, 7.Auflage, Einleitung Rdnr.44.
Dies ist anders bei Personengesellschaften, z.B. GbR, OHG. Bei diesen Gesellschaftsformen können Grundstücksübertragungen vom Gesellschafter auf die Gesellschaft je nach Beteiligung des Gesellschafters von der Grunderwerbssteuer befreit sein.
Die GmbH ist im Hinblick auf Übertragung von Grundstücken zwischen Gesellschaft und Gesellschafter gegenüber Personengesellschaften nachteilig,
vgl. hierzu Münchener Anwaltshandbuch, GmbH-Recht § 1 Rdnr. 176-184.

Erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem Steuerberater, auf welche Grundlage er seine Auskünfte stützt.
Diese können Sie mir gerne mitteilen. Schreiben Sie mir dazu eine Email auf
kanzlei_lindner@gmx.de oder rufen Sie mich an.
Vielen Dank.
Beste Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr

Stefanie Lindner

Bewertung des Fragestellers 14.12.2014 | 11:28


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