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vorzeitige Restschuldbefreiung


13.01.2018 17:25 |
Preis: 50,00 € |

Insolvenzrecht


Beantwortet von



Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe folgende Frage zur vorzeitigen Restschuldbefreiung.
Angenommen es wurden 1 000 000 € zur Tabelle angemeldet. In diesen 1 000 000€ sind 800 000€ durch eine Grundschuld besicherte Forderungen einer Bank enthalten. Nach Eröffnung der Insolvenz wurde die Immobilie durch die Bank zwangsversteigert. Der Erlös beträgt 600 000 €.
Wurden durch diese Zwangsversteigerung 60% der 1 000 000€ Schulden vorzeitig getilgt und kommt damit eine vorzeitige Restschuldbefreiung in Frage?
13.01.2018 | 19:24

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Gemäß § 49 InsO können sich Gläubiger, denen ein Recht auf Befriedigung aus dem Immobiliarvermögen des Schuldners zusteht, außerhalb des Insolvenzverfahrens aus dem unbeweglichen Vermögen befriedigen, wobei das Absonderungsrecht durch Zwangsverwaltung oder Zwangsversteigerung realisiert wird. Im Falle der Zwangsversteigerung wird der Versteigerungserlös nach der Reihenfolge des § 10 ZVG  an die Absonderungsberechtigten verteilt, soweit deren Rechte nicht bestehen bleiben. Soweit die Absonderungsberechtigten Zahlungen aus dem Erlös erhalten, gelten sie als befriedigt. Weiterhin bestimmt § 300 Abs. 1 Nr. 3 InsO, dass für eine vorzeitige Restschuldbefreiung nach 3 Jahren innerhalb von 3 Jahren eine Befriedigung der Forderungen SÄMTLICHER Insolvenzgläubiger in Höhe von mindestens 35 Prozent erfolgt sein muss.

Hat die Gläubigerbank in dem Insolvenzverfahren eine grundpfandrechtlich gesicherte Forderung in Höhe von EUR 800.000,- zur Tabelle angemeldet und wird die Immobilie für EUR 600.000,- versteigert, dann wird der Gläubigerbank der Versteigerungserlös in Höhe von EUR 600.000,- nach Abzug der Kosten ausgezahlt. An dem Insolvenzverfahren nimmt die Gläubigerbank hiernach nur noch in Höhe ihres Ausfalls von rund EUR 200.000,- teil. Im Ergebnis fließt der Versteigerungserlös also nicht in die Insolvenzmasse und wird nicht auf alle Gläubiger verteilt mit der Folge, dass weder 60% noch 35 % der Gesamtverschuldung von EUR 1.000.000,- durch den Versteigerungserlös vorzeitig getilgt werden und damit die Voraussetzungen des § 300 Abs. 1 Nr. 3 InsO nicht vorliegen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mit für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.


Mit freundlichen Grüßen
J. Petry-Berger
Rechtsanwältin


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