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volle Eigenheimzulage bei Altbau


22.02.2005 15:39 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Hallo,
ich habe im Jahr 2002 einen Altbau (Bj. 1937) gekauft, der im EG und OG als Verkaufsraum genutzt wurde. Nach der Fertigstellung 2004 bin ich eingezogen. Ursprünglich handelte es sich um ein EFH welches 1978 zur Gewerbeimmobilie umgebaut wurde. Seither läuft es bei der Gemeinde als Geschäftsgrundstück.
Ich habe dann Ende 2002 einen Bauantrag zum Umbau und Erweiterung gestellt. Da eine alte Giebelwand komplett verfault war, mussten bis zum Fundament umfangreiche Abstützungsmaßnahmen getroffen werden. Der Anbau hat eine Größe von 1/3 des neuen Hauses. Vom Altbau blieben nur der Rohbau ohne Giebelwand bestehen. Alles sonstige wurde komplett erneuert inkl Dach (ohne Gebälk).
Ich beantragte deshalb die volle Eigenheimzulage.
Da ich alles in Eigenleistung erstellt habe, ergeben sich die belegbaren Kosten auf ca 100.000 Euro, meine Eigenleistung betrug ca 3500 Stunden. Damit war meiner Meinung nach alles erfüllt.
Das Finanzamt hat nun geantwortet, dass die neu eingefügten Rohbauteile nur 25% (davon wesentlich nur der Anbau) am Gesamtgebäude betragen. Da aber der überwiegende Teil der neu eingefügten Rohbauteile bei ca. 51% liegen muss ist von einem Neubau nicht auszugehen.
Nach meiner Rechnung ist es aber min. 33% (1/3) + Giebelwand + sonstige Veränderungen und Erneuerungen im Altbau.
In dem mir zusätzlich vorliegenden Gutachten wurde weiterhin unter Berechnung der Normalherstellungskosten 2000 berechnet, dass anscheinend die Herstellungskosten für den Anbau wertmäßig nicht überwiegen!
Meiner Meinung nach erfülle ich aber in zweierlei Hinsicht die Kriterien.
1. Wie oben dargelegt muß in bautechnischer Hinsicht ein neues Gebäude entstehen.
2. Durch die Umbaumaßnahme wird aus bestehenden oder neu geschaffenen Räumen eine abgeschlossene Wohnung.

zu 2. Eine zusätzliche Wohnung kann entstehen: Durch Umbau von Räumen die bisher nicht Wohnzwecken dienten (Gewerbeimmobilie).

Hierzu finde ich leider keine entsprechende Gesetze oder Urteile die ich bei meinem Widerspruch anführen kann.

Deshalb die Frage: Liege ich mit meinen Interpretationen richtig? Und kann mir jemand zu 2. nähere Informationen zukommen lassen?

Vielen Dank im voraus
22.02.2005 | 16:25

Antwort

von


38 Bewertungen
August-Bebel-Straße 29
63225 Langen
Tel: 06103 - 2707599
Web: kanzlei-sachse.de
E-Mail:
Sehr geehrter Fragesteller, sehr geehrte Fragestellerin,

so, wie Sie die Frage stellen, bin ich mir nicht sicher, ob Sie wirklich (nur) die Eigenheimzulage meinen oder ob es tatsächlich (auch) um die steuerliche Absetzbarkeit für Ihre Ausgaben, die mit dem Bau entstanden sind, geht.

Die Eigenheimzulage bemisst sich nach dem Eigenheimzulagengesetz. Hier ist bereits entscheidend, in welchem Jahr der Antrag gestellt wurde, da seit 01.01.2004 keine Eigenheimzulage mehr gezahlt wird für Anbau, Ausbau, Umbau und Erweiterung. Dazu gehören insbesondere Wintergärten.

Ich vermute deshalb, dass Sie ggf. mit dem Finanzamt darüber streiten, was ein Neubau ist?

Hierzu empfehle ich Ihnen die Veröffentlichung des Bundesfinanzministeriums vom 21.12.2004, "Zweifelsfragen zum Eigenheimzulagengesetz (downloadbar unter http://www.bundesfinanzministerium.de/Anlage29241/BMF-Schreiben-vom-21.-Dezember-2004-IV-C-3-EZ-1010-43-04.pdf). Dort heißt es hierzu

2.1 Herstellung einer Wohnung
1 Die Herstellung einer Wohnung setzt das Schaffen einer neuen, bisher nicht vorhandenen
Wohnung voraus (vgl. BFH vom 31.3.1992 – BStBl II S. 808).

2 Baumaßnahmen
an einem bestehenden Gebäude sind ausnahmsweise dann als Herstellung einer
neuen Wohnung zu beurteilen, wenn die Baumaßnahme einem Neubau gleichkommt.
3 Dies ist der Fall, wenn ein Gebäude so sehr abgenutzt ist, dass es unbrauchbar
geworden ist (Vollverschleiß) und durch die Instandsetzungsarbeiten unter Verwendung
der übrigen noch nutzbaren Teile ein neues Gebäude hergestellt wird (vgl. Rz. 18
des BMF-Schreibens vom 18.7.2003 – BStBl I S. 386). 4 Eine neue Wohnung entsteht
nicht bei
Umwidmung einer Wohnung (z. B. einer bisher fremd vermieteten oder einer als
Praxis genutzten Wohnung in eine zu eigenen Wohnzwecken genutzte Wohnung),
• Instandsetzung einer leer stehenden Wohnung,
• Verkleinerung oder Vergrößerung einer Wohnung oder
• der Verbindung von Wohnungen (BFH vom 15.11.1995 – BStBl 1998 II S. 92).
1 Eine Wohnung ist auch dann neu hergestellt, wenn in einem Gebäude erstmals eine
Wohnung im bewertungsrechtlichen Sinne entsteht (z. B. bei Umbau eines Einfamilienhauses
zu einem Zweifamilienhaus). 2 Die in die neue Wohnung einbezogene Gebäudesubstanz
muss dabei so tief greifend umgestaltet oder in einem solchen Ausmaß
erweitert werden, dass die eingefügten Teile der entstandenen Wohnung das Gepräge
geben und die verwendeten Altteile wertmäßig untergeordnet erscheinen. 3 Aus Vereinfachungsgründen
kann hiervon ausgegangen werden, wenn der im zeitlichen und
sachlichen Zusammenhang mit der Entstehung der Wohnung angefallene Bauaufwand
zuzüglich des Werts der Eigenleistung nach überschlägiger Berechnung den Wert der
Altbausubstanz (Verkehrswert) übersteigt. 4Typische Erhaltungsaufwendungen bleiben
bei dieser Gegenüberstellung jedoch außer Betracht (vgl. BFH vom 11.9.1996 – BStBl
1998 II S. 92). 5 Mangels tatsächlicher Aufwendungen gehören die Eigenleistungen
nicht zu den bei der Bemessung der Eigenheimzulage maßgeblichen Herstellungskosten
i. S. d. § 8 EigZulG. 6 Entstehen bei Aufteilung einer Wohnung mehrere kleinere
Wohnungen, kann der Anspruchsberechtigte bestimmen, welche Wohnung an die
Stelle der bisherigen tritt und welche Wohnung neu entstanden ist."

Hier ist die Umwidmung (Gewerbe in Wohnzwecke) ausdrücklich aufgeführt.

Weiterhin unterstützt Sie auch ein älteres Schreiben des Ministeriums in Ihrer Rechtsauffassung: "Die Umbaumaßnahme kommt einem Neubau gleich.In bautechnischer Hinsicht entsteht ein neues Gebäude, wenn das bestehende Gebäude fast ganz abgerissen wird und die verbrauchten Teile, die für die Nutzungsdauer des Gebäudes bestimmend sind, ersetzt werden. Dazu gehören z. B. die Fundamente, tragende Außen- und Innenwände, Geschossdecken und die Dachkonstruktion (BMF- Schreiben vom 10.2.1998, BStBI. 1998 1 S. 190, Textziffern 11 und 12). Nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 15.11.1995 (BFH/NV 1996, S. 545) führen geringe Veränderungen an den tragenden Teilen eines Gebäudes (z. B. Eingriff in die Dachkonstruktion und Durchbruch der Geschossdecke) noch nicht zu einem Neubau."

Ohne, dass ich Ihren konkreten Steuerbescheid kenne, empfehle ich Ihnen dennoch aufgrund Ihrer Schilderungen, Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid einzulegen und Ihre oben genannte Rechtsansicht zusammen mit diesem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vorzulegen.

Weiterhin möchte ich Ihnen aber dringend empfehlen, den Einspruch mit Hilfe eines Steuerberaters zu begründen. Mir ist bewusst, dass Geld während der Bauphase knapp ist, aber in diesem Fall lohnt sich die steuerliche Beratung sicherlich.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dieses Forum für Ihr Anliegen nur bedingt geeignet ist, da hier weder Unterlagen zu den Rechnungen noch der Steuerbescheid vorgelegt werden können. Dennoch hoffe ich, Ihnen geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

RA Fabian Sachse


ANTWORT VON

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