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vereinfachtes Jungendverfahren


05.11.2006 18:15 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht



hallo,

ich bin 20 und habe am Mittwoch einen Termin beim Gericht.
Da ich zum zweiten mal beim klauen erwischt wurden bin, habe ich jetzt ein vereinfachtes Jungendverfahren vor mir.
wie soll ich mir das vorstellen? komm ich da in einen saal oder nur in ein Büro?
wer wird alles da sein?
was werden da für fragen gestellt? und mit welcher Strafe muss ich rechen?


danke für die antwort

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Sehr geehrte Ratsuchende,

gerne beantworte ich Ihre Frage im Rahmen einer Erstberatung anhand der von Ihnen gelieferten Informationen.

Ein vereinfachtes Jugendverfahren kann vom Staatsanwalt beantragt werden, wenn dieser davon ausgeht, dass der Jugendrichter nur Weisungen oder Zuchtmittel (d.h. Arbeitsstunden erbringen, an einem sozialen Trainingskurs teilnehmen, evtl. eine Geldbuße zu bezahlen) oder ähnliche geringe Folgen aussprechen wird.

Im vereinfachten Jugendverfahren entscheidet der Richter aufgrund einer mündlichen Verhandlung, die in etwa einer normalen Hauptverhandlung entspricht. Üblicherweise findet diese in einem Gerichtssaal und nicht nur im Büro des Richters statt. An dieser nimmt auf jeden Fall der Richter und ggf. ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe teil. Ob ein Staatsanwalt an der Verhandlung teilnimmt, hängt von den örtlichen Gewohnheiten ab, er ist zur Teilnahme jedoch nicht verpflichtet.

Sie werden dabei zunächst über Ihre persönlichen Verhältnisse, also Ihrem Namen und Ihrer Anschrift befragt. Anschließend werden Ihnen Fragen zur Tat und zu Ihren Motiven usw. gestellt. Als letztes werden Sie noch über Ihren Werdegang und Ihre familiären Verhältnisse befragt.

Welche Strafe Sie erwartet, läßt sich ohne Kenntnis der genauen Umstände nur schwer vorhersagen. Wird die Tat als jugendtypisch eingestuft und Sie nach Jugendstrafrecht behandelt (wovon bei einem vereinfachten Jugendverfahren auszugehen ist) kommen Arbeitsstunden. Diese orientieren sich an den Folgen der vorherigen Tat und werden meist etwas erhöht. Wenn Sie bereits verdienen, kommt auch die Verhängung einer Geldbuße in Betracht. Sollte das Gericht zu der Ansicht kommen, Sie nach Erwachsenenstrafrecht zu behandeln, ist auch die Verhängung einer Geldstrafe, die nach der Höhe Ihres Einkommens berechnet wird, möglich. Bei den Überlegungen zur Strafhöhe spielt auch die Tatsache, daß es sich um Ihren zweiten Diebstahl handelt sowie die Zeit zwischen den beiden Taten eine Rolle.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

-Hägele-
Rechtsanwalt
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