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vereinfachtes Jugendverfahren


11.12.2006 09:35 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht



hallo,

im Juni wurde ich zum erstenmal beim Ladendiebstahl erwischt (ware im wert von etwas unter 11Euro).
Im September wurde ich zum zweiten mal erwischt
(wert der ware so um 30 Euro).
Zum Zeitpunkt der Tat war ich 20Jahre (jetzt 21Jahre).
Am Mittwoch bin bei Gericht, wegen einem vereinfachten Jugendverfahren.
Was passiert da?
Ist ein vereinfachtes Jugenverfahren öffentlich?

Als ich den Anhörungsbogen der Polizei bekommen habe, habe ich noch ein Schreiben von mir bei gelegt das es mir leid tut und das ich zu dem Zeitpunkt der Taten schwere Antidepressiva genommen habe und die vielleicht auch damit etwas zutun haben. Ich hatte in der Zeit wirklich vor überhaupt nichts Angst.


vielen dank für die antwort

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Sehr geehrte Ratsuchende,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage und kann Ihnen diesbezüglich folgendes mitteilen:

Das vereinfachte Jugendverfahren gem. § 76-78 JGG unterscheidet sich zum "normalen Jugendverfahren" in folgenden Punkten:
- Es ergeht kein förmlicher Eröffnungsbeschluss.
- Der Staatsanwalt ist im vereinfachten Verfahren nicht verpflichtet, an der Hauptverhandlung teilzunehmen (§ 78 Absatz 2 JGG). Folglich kann das Verfahren auch ohne seine Zustimmung eingestellt werden.
- Nach § 78 Absatz 3 JGG darf von bestimmten Verfahrensvorschriften abgewichen werden, wenn dies der Wahrheitsfindung nicht zuwider läuft.

Es unterscheidet sich also vom normalen Vefahrensablauf nicht wesentlich. Ihnen wird vorgeworfen werden, die Taten begangen zu haben. Ihren Angaben entnehme ich, dass Sie bereits geständig waren, was sich positiv auswirkt. Der Richter wird Sie anhören, dann können Sie noch einmal erklären, dass Sie Antidepressiva genommen haben, die wahrscheinlich zu Ihren Handlungen geführt haben. Dann wird der Richter das Urteil bzw. die Einstellung des Verfahrens verkünden. Ich würde Ihnen empfehlen, die Angelegenheit mit den Antidepressiva in den Mittelpunkt zu stellen, so dass Sie dadurch beeinflußt worden sind.

Ein vereinfachtes Jugendverfahren wird nur dann angeordnet, wenn nur Weisungen, Erziehungsbeistandschaft, Zuchtmittel etc. verhängt werden sollen. Sie können also relativ beruhigt sein.

Die Verhandlung ist gem. § 48 Abs.1 JGG grundsätzlich nicht öffentlich, jedoch in Ihrem Fall, da Sie Heranwachsende sind, ist sie öffentlich gem. § 48 Abs.3 JGG.

Ich hoffe, dass ich Ihnen im Rahmen der Erstberatung auf Grund Ihrer Angaben eine erste rechtliche Orientierung geben konnte. Bitte beachten Sie, dass auf Grund von Umständen, die der Bearbeiterin nicht bekannt sind, eine andere rechtliche Beurteilung möglich ist.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen

Christine Gerlach
Rechtsanwältin



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