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überhöhte Rechnung


01.05.2006 18:02 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht



Sachverhalt:

A läst sich von Handwerker B ein Angebot für verschiedene Arbeiten erstellen. Als Mittler zwischen A und Handwerker B fungiert Handwerker C. A will einen Preisnachlaß von 16% vom Angebotsbetrag, welches ihm Handwerker c, der insoweit mit Verhandlungsvollmacht von Handwerker B hat (Handwerker C nimmt Rücksprache mit Handwerker B und sagt A daraufhin in Vertretung von Handwerker den Preisnachlaß von 16% zu) auch in Vertretung von Handwerker A schriftlich zusagt.

Nach Beendigung der Arbeiten erstellt Handwerker B die Abschlußrechnung für A ohne den vereinbarten Preisnachlaß von 16% zu berücksichtigen. Vor Erstellung der Rechnung fand zwischen Handwerker B und A eine Unterredung statt, in dem der Handwerker B A einen Entwurf zur Abschlußrechnung vorlegte, den A auch so akzeptierte. Der Entwurf enthielt keinen Preisnachlaß. A akzeptiert den Rechnungsbetrag, weil er sich an den Preisnachlaß, der im Handwerker C in Auftrag von Handwerker B schriftliche zusagte, nicht mehr erinnern kann.
A überweist daher Handwerker B den Rechnungsbetrag ohne Abzug.

4 Wochen später realisiert A sein Versehen und möchte den Differenzbetrag in Höhe der 16% wieder von Handwerker B zurückhaben.

Wie ist hier die Rechtslage? Wie ist die Beweislastverteilung?

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Sehr geehrte Fragestellerin,
sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich basierend auf den vorliegenden Informationen gerne summarisch beantworte.

Ursprünglich kam ein Vertrag zwischen A und B mit einem Preisnachlass von 16 % zustande. Durch die Vorlage der Rechnung ohne den Rabatt und die Akzeptierung dieser Rechnung durch A wurde dieser Vertrag allerdings abgeändert und die Vereinbarung des Rabattes hinfällig. A hat schließlich auch den Rechnungsbetrag ohne Abzug überwiesen. Spätestens darin liegt eine konkludente Annahme der Vertragsänderung

Vorliegend bleibt A nur die Möglichkeit die Vertragsänderung nach § 119 BGB wegen eines Irrtums anzufechten. In Betracht kommt hier als Anfechtungsgrund ein Inhaltsirrtum nach § 119 Abs. 1 BGB.

Eine Anfechtungsmöglichkeit nach § 123 BGB wegen einer Täuschung ist nach Ihren Informationen nicht ersichtlich.

Die Anfechtung muss nach § 121 BGB ohne schuldhaftes Zögern, also im Zweifel unverzüglich nach Offenbarwerden des Irrtums, erklärt werden.
Es gilt hier eine nach den Umständen des Einzelfalles zu bestimmende Prüfungs- und Überlegensfrist.

Ist die Anfechtung erfolgreich, ist der geänderte Vertrag nach § 142 BGB als von Anfang an nichtig anzusehen. A kann dann von B den Differenzbetrag in Höhe der 16 % geltend machen

Der Anfechtende haftet allerdings dem Anfechtungsgegner gegebenenfalls nach § 122 BGB auf Ersatz des durch die Anfechtung entstandenen Schadens. In der Regel handelt es sich hierbei um den Vertrauensschaden.

Die Beweislastverteilung ist wie folgt:

Der Anfechtende muss alle Voraussetzungen der Anfechtung, insbesondere das Vorliegen eines Irrtums, beweisen.



Mit freundlichen Grüßen

Stephan Weingart
Rechtsanwalt


Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann. Sie kann nur dazu dienen, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres rechtlichen Problems zu erhalten.
Sofern Sie eine abschließende Beurteilung Ihres Sachverhaltes wünschen, stehe ich Ihnen gerne für eine weitere Beratung oder Vertretung zur Verfügung.

Nachfrage vom Fragesteller 01.05.2006 | 20:32

Sehr geehrter Hr. Weingart,

folgende Nachfragen zu Ihren Ausführung:


1. Es gilt hier eine nach den Umständen des Einzelfalles zu bestimmende Prüfungs- und Überlegensfrist.

Schließt die Überlegungs- und Prüfungsfrist auch die Zeit ein, die notwendig ist, um sich einen Anwalt zu suchen und dort die Rechtslage prüfen zu lassen? Der Laie kann ja den Sachverhalt i.d.R gar nicht juristisch einordnen. Ich habe mal gehört, unverzüglich heißt 3 bis 4 Kalendertage. Stimmt das??

2. Wie kann A beweisen, dass ihm der vereinbarte Rabatt nicht mehr erinnerlich war und er sich deshalb auf die Vertragsänderung eingelassen hat? Dazu müßte man ja A ins Gedächtnis schauen können oder nicht?

3. Wäre ein Anfechtungsmöglichkeit nach § 123 BGB gegeben, wenn der Handwerker sich selber noch an den ursprünglich vereinbarten Preisnachlaß erinnert hätte und ihm auch bewußt geworden ist, dass A offenbar diese Rabattvereinbarung vergessen (gemeint ist der Zeitpunkt als der Handwerker A die Rechnung erstellt hat) hat und der Handwerker A aus seiner Sicht nachvollziehbaren Gründen B nicht aufgeklärt hätte.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.05.2006 | 23:00

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich auch Nachfragen:

1.)Der Anfechtungsberechtigte darf, soweit erforderlich, auch den Rat eines Rechtskundigen vor der Anfechtung einholen (LG Oldenburg, NJW 2004, S. 168 ff..) Wie bereits geschrieben, hängt die Frist vom Einzelfall ab. Eine feste Frist gibt es so nicht.

2.)Korrekt,hier gibt es in der Praxis immer wieder Beweisprobleme.

3.) Die Anfechtung nach § 123 BGB setzt die Arglistigkeit der Täuschung voraus. Der Handelnde muss die Unrichtigkeit seiner Angaben kennen oder für möglich halten. Arglist bedeutet insoweit Vorsatz.


Mit freundlichen Grüßen

Stephan Weingart
Rechtsanwalt

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