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steuerl. Anerkennung von Fortbildungskosten einer Beamtin


07.07.2006 10:51 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Ich bin Beamtin auf Lebenszeit (Lehrerin) und absolviere seit letztem Jahr eine drei- bis vierjährige Ausbildung zur Verhaltensberaterin für Hundeerziehung. Dies ist eine staatlich noch nicht anerkannte Ausbildung bei CANIS (Zentrum für Kynologie), da es dieses Berufsild erst seit kurzem gibt.
Diese Ausbildung verursacht erhebliche Kosten, da die verschiedenen Seminare deutschlandweit verteilt stattfinden. In meinem Einkommensteuerbescheid wurden die von mir angebrachten Kosten (Fortbildungskosten, da ich ja bereits einen Beruf habe)dieses Jahr nicht anerkannt. Letztes Jahr mit deutlich geringerem Betrag wurde dies jedoch getan.

Der Finanzbeamte gab auf meinen Einspruch gegen den Bescheid folgende Begründung der Ablehnung:

"Die Abgrenzung zwischen auf Gewinnerzielungsabsicht angestrebter Berufsausübung und Liebhaberei erscheint gerade bei einer Beamtin auf Lebenszeit äußerst schwierig".
Folgendes Urteil wurde genannt: BFH-Urteil vom 17.Nov. 1978 VI R139/76 BStBl II 1979, 180; Hermann-Heuer, Komm. zum EStG und Körperschaftssteuergesetz, 19.Aufl. §10 EStG Anm.292.

Allerdings hält der Beamte es nicht für ausgeschlossen, dass eine auf Gewinnerzielungsabsicht hinausgehende Nebentätigkeit angestrebt wird. Ich habe dies auch in einem weiteren Schreiben dargelegt, dass ich beabsichtige, den Beruf als Beamtin aufzugeben und mich als Verhaltensberaterin selbstständig zu machen. Nun will der Beamte die Angelegenheit ruhen lassen, bis ich die Prüfung absolviert habe. Dies wird jedoch erst in ca. 2 Jahren der Fall sein. Zum einen wurde dies bisher nur mündlich verabredet, zum anderen halte ich diese Vorgehen für fragwürdig. Außerdem möchte ich mein Geld jetzt haben, um die Ausbildung weiter finanzieren zu können.

Nur weil ich Beamtin auf Lebenszeit bin, heißt dies doch nicht, dass ich den Beruf nicht wechseln kann (und werde). Um diesen von mir angestrebten Beruf ausüben zu können, muss ich nun einmal noch Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben. Ironischerweise möchte der Beamte die Sache ja nun bis zur Prüfung ruhen lassen. Da aber dieser Berufstitel nicht geschützt ist, könnte mich bereits morgen selbstständig machen. Dies möchte ich aus persönlichen Ansprüchen jedoch nicht ohne die notwendigen Kenntnisse tun.

Der Beamte hat große Sorgen, dass ich mir hier nur eine "Liebhaberei" finanzieren lassen möchte. Dies ist jedoch nicht der Fall!

Wie sollte ich vorgehen damit meine Kosten anerkannt werden? Lohnt sich hier eine Klage? Müsste ich als Beamtin nicht auch wie ein "normaler" Angestellter behandelt werden, dem ein Berufswechsel ohne weiteres ja anerkannt wird?

Vielen Dank für Ihre Antwort!
Sehr geehrte Fragestellerin,

grundsätzlich besteht zwischen Ihnen als Beamtin und einer Angestellten hinsichtlich der Aus- bzw. Fortbildungskosten kein Unterschied. Vorliegend verweigert das Finanzamt die Anerkennung, so wie Sie es schildern, auch aus einem anderen Grund, nämlich dem, dass das FA davon ausgeht, dass hier von Ihnen kein (neuer oder weiterer) Beruf angestrebt wird, sondern dass die Ausbildung im Rahmen Ihres Hobbies ("Liebhaberei") erfolgt.

Bei der Abgrenzung, ob die Aufwendungen für einen Beruf oder eine Liebhaberei gemacht worden sind, sind die Verkehrsanschauung und die gesamten Umstände des Falles heranzuziehen (so auch der Bundesfinanzhof in dem von Ihrem F zitierten Urteil). Hierzu müßte also von Ihnen dargelegt werden, daß Sie tatsächlich mithilfe dieser Ausbildung einem (Neben-)Beruf nachgehen wollen. Bei den einzelnen von Ihnen angesprochenen Ausbildungseinheiten muß dargelegt werden, daß diese für die Ausbildung erforderlich sind. Hierzu ist es auch hilfreich darzulegen, daß diese Ausbildungseinheiten jeweils Teilnehmerkreise aufweisen, daß an diesen Ausbildungsabschnitten also nicht auch "Hobbyisten" teilgenommen haben, die dort lediglich Kenntnisse für die weitere Ausübung ihres Hobbies erwerben wollten.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen ersten Angaben geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Meisen
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Steuerrecht

Nachfrage vom Fragesteller 07.07.2006 | 12:14

Vielen Dank für Ihre Anwort. Zunächst eine Verständnisfrage: was ist eine Verkehrsanschauung?

Es gibt bei dem Ausbildungszentrum CANIS ein vorgeschriebenes Ausbildungscurriculum, welches absolviert werden muss, um überhaupt die Prüfung ablegen zu können. Es gibt sowohl Seminare, die nur von CANIS-Studenten besucht werden können, als auch Veranstaltungen, die öffentlich zugänglich sind. Es ist im Rahmen der Ausbildung erforderlich beide Arten von Seminaren zu besuchen. Es nehmen mehrheitlich zukünftige oder bereits tätige Hundetrainer/Verhaltensberater an den Seminaren teil. Wie soll ich dies jedoch beweisen?!?

Ich habe bereits eine Bescheinigung von CANIS über das Studium und die Inhalte (Aufteilung der Prüfung in mündl. und schriftl. Teil etc.) sowie den dann zu tragenden Berufstitel eingereicht. Dies genügte dem Finanzbeamten offensichtlich nicht. Was soll ich nun noch nachweisen, damit es jetzt(!) steuerlich anerkannt wird? Ist es rechtens und zumutbar, dass erst nach Ablegen der Prüfung eine Anerkennung stattfinden soll, wo ich doch auch vorher ohne Prüfung diesen Beruf ausüben könnte? Wie soll diese mündliche Absprache auch nachgewiesen werden, wenn der Beamte in Ruhestand geht und nicht mehr tätig ist?

Welches Vorgehen empfehlen Sie mir nun ganz konkret (Anwalt nehmen und klagen oder das Gespräch mit dem Vorgesetzen des Beamten suchen?)?

Bitte beantworten Sie nochmals diese Fragen, da ich mit der bisherigen Antwort noch kein empfohlenes genaues Vorgehen meinerseits ablesen kann. Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 07.07.2006 | 13:14

Sehr geehrte Fragestellerin,

den Nachweis können Sie u.a. über eine entsprechende Bescheinigung des ausbildenden Instituts führen.
Grundsätzlich hat auch das FA jetzt über Ihre Steuererklärung zu entscheiden und diese nicht auf die Zeit nach Ablegen der Prüfung (in 2 Jahren) zu verschieben. Wenn das Finanzamt Ihre Kosten anerkennt, würde dies dann in aller Regel unter dem Vorbehalt der Nachprüfung erfolgen, so daß das FA dies später noch ändern könnte, wenn sich heraus stellen sollte, daß sie diese Ausbildung tatsächlich nicht mit der Absicht der späteren Einkunftserzielung getätigt haben.

Was genau Sie dem Finanzamt allerdings noch einreichen sollten, kann ich Ihnen nur beantworten, wenn ich die Unterlagen sehe, die bereits eingereicht wurden. Insoweit erlauben Sie mir auch den Hinweis, dass in dem Bereich der Liebhaberei eine Reihe von Fallstricken gibt, so daß ich Ihnen dringend empfehle, sich für das weitere Verfahren eines sachkundigen Beistandes (Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrech) zu bedienen.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Meisen
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Steuerrecht

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